178 Ans dem Archiv der Deutschen Seewärts, — 1921, Nr. i.
meinen weniger als 0.3 ccm, wie die Tabelle lehrt, Parallel-Messungen, die solch große Unterschiede
untereinander aufweisen, daß irgendwelche Analysenfehler zu vermuten waren, wurden fortgelassen.
Nur bei den Bestimmungen der Älkalinität des Bodenwassers sind amSchluß derTabelle auch einige
Bestimmungen auf geführt, bei denen die Einzelmessungen beträchtlich voneinander abweichen, die Mittel
werte unter sich aber eine gute Übereinstimmung zeigen. Die Bodenwasserproben wurden mittels eines
Sigsbee-Wasser Schöpfers gewonnen, der am unteren Ende einen Hahn zum Entleeren hatte. Solange wie
genügend von den großen, 1 Liter Wasser fassenden Schöpfern vorhanden waren, wurden diese benutzt.
Später mußte auf das kleine, nur Yi Liter Wasser fassende Modell zurückgegriffen werden, dessen
Wasser nur gerade zu einer Probe Salzgehaltsbestimmung und zwei Parallelbestimmungen der Alka-
linität reichte, so daß entweder nur Alkalanität oder nur Sauerstoff des Bodenwassers bestimmt werden
konnte. Es erwies sich nun, daß die Parallelbestimmungen aus dem kleinen Sigsbee-Schöpfer bedeutend
größere Unterschiede untereinander aufwiesen als die aus dem großen Schöpfer entnommenen Proben.
Gleichzeitig wurde beobachtet, daß das geringere Wasserquantum des kleinen Schöpfers sich bedeutend
stärker auf dem Wege durch die warmen Wasserschichten erwärmt hatte als das Wasser im größeren
Schöpfer, und daß, wenn der Schöpfer entleert wurde, das Wasser im unteren Teil des kleinen Schöpfers
relativ kalt, das im oberen Teil warm war. In zwei Fällen konnte übereinstimmend beobachtet werden,
daß die Älkalinität des kälteren Wassers aus dem Schöpfer geringer war als die des wärmeren Wassers.
(Station 52 und 54.) Es scheinen hier also infolge der Druckentlastung bei starker Erwärmung Um
setzungen vor sich zu gehen.
Da die Parallelbestimmungen im Weddell-Meer größere Abweichungen aufweisen als im freien
Ozean, so wurden bei den letzten Bestimmungen je 3 Parallelmessungen vorgenommen und aus diesen
ein Mittel gebildet. Bemerkt sei, daß Obacht gegeben wurde, daß im Schöpfer selbst keine Ausscheidung
von Salzkrystallen durch Gefrieren stattfand; der Schöpfer wurde sofort in einen warmen Raum ge
bracht, hier die Probe entnommen und mit Salzsäure versetzt.
Die als zuverlässig anzusehenden Bestimmungen der Älkalinität sind in Tabelle I (S. 179) in der
Spalte A zusammengestellt unter Hinzufügung der Temperatur und des Salzgehalts in situ. Da bislang nur
eine Beziehung der Älkalinität zum Salzgehalt bekannt ist, indem nach A. Hamberg die Älkalinität
direkt proportional dem Salzgehalt ist, sa daß man A = 0.7675 S setzen kann, so wurde die dem jeweiligen
Salzgehalt entsprechende normale Älkalinität berechnet und in der Spalte A n verzeichnet. Ferner wurde
die Differenz zwischen beobachteter Älkalinität und normaler Älkalinität gebildet, ö — A-A M . Wie
H. Leder in seinen Untersuchungen über die Älkalinität der Adria bemerkt 1 ), lassen sich auf Grund
der obigen angenäherten, linearen Formel in der Adria einzelne Gebiete von einander abgrenzen, in
denen das Verhalten der Älkalinität verschieden ist. Da andere Momente eine gleichartige Unterscheidung
liefern, so wird der Schluß gezogen, daß die Formel die Verhältnisse höchst wahrscheinlich richtig
wiedergibt.
Um einen klareren Einblick in die Abhängigkeit der Älkalinität von der Lage der Station oder von
der Tiefenlage der Wasserprobe zu erhalten, wurden in Tabellen (S.182) nur die Unterschiede A- An über
sichtlich zusammengestellt. Die Stationen sind von oben nach unten gemäß der geographischen Breite an
geordnet, die Tiefen nehmen von links nach rechts zu. Man erhält so mit einem Blick eine Anschauung,
ob Gesetzmäßigkeiten vorhanden sind, auch erkennt man leicht durch Vergleich benachbarter Stationen
und gleicher Tiefen den Grad der Zuverlässigkeit, den die Alkalinitätsbeobachtungen beanspruchen
können.
Die Älkalinität an der Oberfläche des M ee r e s. Wir können die Oberflächenbeob
achtungen hinsichtlich der Älkalinität in 2 Gruppen teilen: die eine Gruppe umfaßt die Beobachtungen
von etwa 33 r N-Br. bis 37°S-Br., die andere die südlich von etwa 37 S-Br. gemachten Bestimmungen.
i) Vergl. O. Krümmel, Handbuch der Ozeanographie, 2. Aufl., Bd. I, S. 304.
*) Tut. Revue der ges. Hydrobiologie und Hydrographie. Hydr. Kuppl. (H. 1) Zu Bd. VT. Mürz 1015.