Aus dem Archiv der Deutsche« Seewarte. — 1920. Xr. 2.
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Dagegen schien es angezeigt, zumal bei der Länge des Sommerhalbjahres in der gewählten Be
grenzung, die Monate April bis Juni für sich zu betrachten als die Zeit des häufigsten Vorkommens
beträchtlicher Temperaturänderungen während der warmen Jahreszeit (Tabelle IXa).
Bei der Beschränkung auf diese drei Monate treten für die Abnahme n der Temperatur die
beiden Nordquadranten (zusammen genommen als Endwinde) besser hervor, als in der Übersicht fin
den ganzen Sommer. Besonders zeigt sich hier der NE bevorzugt, weniger der NW; nur der Morgen
termin macht eine Ausnahme. Hier gewinnt prozentual ganz entschieden der NW-Quadrant, während
der NE in Borkum und Hamburg merklich zurückbleibt und auch in Wilhelmshaven seine Prozent
zahl nur unwesentlich erhöht. Zur Verteilung am Morgentermin ist zu bemerken, daß nach Groß
manns Tabellen (a. a. O. Seite 20) um 8 a in Borkum und besonders in Hamburg der NW den NE im
Frühsommer an Häufigkeitsprozenten übertrifft, während in Wilhelmshaven beide Quadranten gleich
große Zahlen aufweisen. Beim Vergleich der beiden Seestationen ist aber zu berücksichtigen, daß deren
absolute Zahlenunterschiede an beträchtlichen Temperaturabnahmen bei NW und NE in den Mo
naten April/Juni recht gering sind. — Wie schon in der Übersicht ftir den gesamten Sommer, so hat
auch für April/Juni Wilhelmshaven 2 p den größten überhaupt vorkommenden Prozentsatz für den NE
als Endquadranten; im Frühsommer entfällt hier auf ihn fast eine Hälfte aller beträchtlichen Abnahmen.
Auch am Abendtermin ist die durch die Einschränkung auf den Frtihsommer bewirkte Betonung des
NE-Quadranten in Wilhelmshaven am auffallendsten.
Hinsichtlich der gleichzeitigen interdiurnen Änderung der Windstärke ist an den beiden
Festlandstationen für April/Juni gegenüber dem ganzen Sommer durchgängig ebenfalls ein noch etwas
schärferes Hervortreten der auffrischenden Winde zu bemerken.
Bei den Temperaturzunahmen ist für den Frühsommer eine so allgemeine Änderung der
Verteilung wie bei den Abnahmen nicht zu finden; immerhin dürfte das Zurücktreten des SW-Qua-
dranten, das in Hamburg am deutlichsten (hier zugunsten des SE-Quadranten) erfolgt, tatsächliche
Bedeutung haben.* 8 )
3. Einige Bemerkungen über die Einwirkung der Seebrise.
Vor Eintritt in Betrachtungen über die Wetterlage scheint es zweckmäßig, einige Bemerkungen
über den mutmaßlichen Einfluß der Seebrise auf die Temperaturänderung von Tag zu Tag und auf die
Windrichtung zu machen. Leider fehlt für die Nordsee bislang eine ähnliche Untersuchung, wie sie
Kaiser für die Ostsee auf Grund der täglichen Wetterkarten und stündlichen Anemographenaufzeich
nungen durchgeführt hat. 48a ) Für unsere Zwecke sind am besten zwei Fälle zu unterscheiden:
1. Ohne das Auftreten der Seebrise würde ganz oder nahezu Windstille herrschen; jedenfalls
wird eine etwa vorhandene allgemeine Luftströmung durch die Seebrise unterdrückt.
2. Die — stärkere — Luftströmung, die durch die allgemeine Druckverteilung bedingt ist, wird
durch das Hinzutreten von Seebrise abgelenkt.
Bezüglich der Einwirkung der Seebrise auf die beträchtlichen Temperaturänderungen interessiert
vor allem der erste Fall. — Auf Seite 9 war die Hauptwirkung der Seebrise darin gefunden
worden, daß sie an der Küste die Temperaturgegensätze von Tag zu Tag, namentlich von Abend zu
Abend, ausgleicht, so daß die negativen wie die positiven beträchtlichen Änderungen am Abend vom
Frühsommer zum Hochsommer rasch an Zahl abnehmen. — Was nun die Einwirkung der Seebrise in **)
**) Auf Seite 5 war bei Erörterung der Summenzahlcn ausgeführt worden, daß in der warmen Jahreszeit am
Morgen und auch am Abend das Windverhalten an Einfluß auf die Temperaturveränderlichkeit gewinnen müsse.
In den Quadranteneintragungen kommt dies weder in Tab. TX noch in IXa durchgängig zum Ausdruck. Da genau
vergleichbare Tabellen der allgemeinen Windverteilung fehlen, so erscheint es zwecklos, der Frage weiter nach
zugehen.
'•sa) Land- und Seewinde an der deutschen Ostseeküste. Ann. d. Hydr. 1907, S. 114 ff.