A. S c hu m a c li c r: Über beträchtl. Temperaturänderungen von Tag zu Tag im Gebiet der deutschen Nordseeküste. 31
nahmen im Rückseitenwetter der geschlossenen Zyklone, sondern Westwinde, die den britischen Ge
wässern entstammen (Beispiel: 4. Januar 1908 — auch die größte Zunahme, die in den 25 Jahren über
haupt verzeichnet wurde — in Wilhelmshaven, am 12. Januar 1891, vergl. Seite 13 — trat bei einer der
artigen Luitdruckverteilung auf). — Auch bei den Zunahmen tritt der NW-Quadrant in Hamburg (und
ebenfalls in Borkum) verhältnismäßig stärker als Endquadrant hervor, als in Wilhelmshaven -— aus
denselben Gründen wie bei den beträchtlichen Abnahmen (vergl. Seite 29).
4. Das Verhalten der Ausgangstemperatur.
Um die vorstehenden Ausführungen über die gleichzeitigen Wetterlagen noch durch das Ver
halten _der Ausgangstemperaturen zu illustrieren, sei im Folgenden die Verteilung der Ausgangs
temperaturen auf die Windquadranten kurz besprochen. Die hierbei zugrunde gelegten Tabellen
bleiben wegen Raummangels fort. Über die Unterscheidung der Temperaturen in „normale“, „ziem
lich hohe (tiefe)“ usw. vergl. Seite 17.
Abnahmen. Diejenigen beträchtlichen interdiurnen Abnahmen der Temperatur, die bei gleich
zeitigem anhaltenden NE oder SE, oder bei Wechsel von NE in SE erfolgen, gehen überwiegend von
normaler oder zu niedriger Temperaturlage aus. Weitere beträchtliche Abnahmen bei ohnehin schon
„sehr kaltem Wetter“ finden sich mit zwei Ausnahmen (Borkum 8a und Hamburg 8p) nur bei dem
eben gekennzeichneten Windverhalten. Es handelt sich hierbei eben überwiegend um weitere Aus
prägung von antizyklonalem Winterwetter (Hoch im Norden oder Osten). Dagegen zeigen die Tempe
raturabnahmen, bei denen der Wind aus den westlichen Quadranten in die östlichen ausschießt, durch
die zugehörigen, durchweg viel höheren Ausgangstemperaturen, daß sie zum großen Teil Temperatur
stürze zwischen der Vorder- und Rückseite von Depressionen sind. Noch deutlicher tritt dies bei Wil
helmshaven und Hamburg in den Fällen mit gleichzeitigen Westwinden hervor; hier finden die Ab
nahmen vorwiegend aus ausgesprochen „mildem“ Wetter heraus statt, und besonders bei den SW-Winden
finden sich normale oder gar tiefere Temperaturen am Ausgangstermin nur ganz spärlich.
Zunahmen. Bei den beträchtlichen Temperaturzunahmen kommen besonders die verschiedenen
Stadien der Annäherung eines Tiefdruckgebiets in der Verteilung der Ausgangstemperaturen recht gut
zum Ausdruck. Bei den Fällen mit anhaltendem SE-Wind, dem frühesten Stadium, finden wir am Aus
gangstermin „kaltes“ oder „sehr kaltes“ Wetter vorherrschend (besonders Borkum und Hamburg 8 a),
nur ganz vereinzelt kommen normale Ausgangstemperaturen vor. Bei größerer Nähe des Tiefs
(Drehung des Windes aus dem SE- in den SW-Quadranten) wird die normale Temperaturlage am Aus
gangstermin schon häufiger, in Wilhelmshaven (8 a und 8 p) und in Hamburg liegt dieselbe vereinzelt
auch schon merklich höher. In der letzten Phase, dem Verweilen des Windes im SW-Quadranten, treten
die Fälle mit normaler Ausgangstemperatur deutlich in den Vordergrund; auch kommen, in Wilhelms
haven 8 a und Hamburg 8 a und 8 p, beträchtliche Temperaturzunahmen aus „ziemlich mildem“ und
ausgesprochen „mildem“ Wetter heraus vor, - ohne daß allerdings die „tiefen“ und „sehr tiefen“ Aus
gangstemperaturen fehlen.
B. Sommer.
1. Musterung des gesamten Materials (Tabelle IX).
Abnahmen. Wieder zeigt Borkum die ausgeprägteste Verteilung der beträchtlichen Tempe
raturabnahmen nach Quadranten. Auf nordwestliche und nordöstliche Winde zusammen als End
richtungen entfallen morgens neun Zehntel, nachmittags und abends vier Fünftel der gesamten Fälle