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Ans dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1920. Nr. 2.
Interdiurne Windänderung 11./12. Januar 1903, 8 a (laut Wetterkarte):
Borkum Wilhelmshaven Keitum Hamburg Kiel Wustrow
N 3—NE 6 W 3—NNE 6 NW 1—NE 5 W 1—NNW 2 W 2—N 4 WNW 1—NE 5
Auch der 31. Dezember 1904 (vergl. Seite 12) kann als Beispiel dienen.
Zunahmen. Die am meisten einleuchtende Wetterlage ergibt sich natürlich für die interdiurnen
Zunahmen der Temperatur mit gleichzeitigen Südwestwinden: Sowohl in den Fällen, in denen der Wind
aus SE nach SW ausschießt, als auch in denjenigen mit anhaltendem (häufig weiter rechtsdrehendem)
SW-Winde befindet sich unser Gebiet mit ganz geringfügigen Ausnahmen im rechten Vorder
quadranten eines von Westen herannahenden Tiefdruckgebiets, dessen Kern im Begriff steht, im
Norden unserer Küste vorüberzuziehen (vergl. die Beschreibung der Wetterlage vom 6./7. Februar 1912,
Seite 13). Auch die Temperatursprünge mit gleichzeitigem SE -Wind gehören zum größten Teil
dieser Wetterlage an, wenn auch einem früheren Stadium, dem der Ablösung eines Hochdruckgebiets
durch ein im Westen auftauchendes Tief. In dieselbe Kategorie gehören fast ausnahmslos die spär
lichen Zunahmen, bei denen der Wind während der fraglichen 24 Stunden aus SW nach SE zurück
gedreht ist. In Köppens Darstellung des Wetters im fortschreitenden Tiefdruckgebiet (Koppen, Wind
und Wetter in den europäischen Gewässern, S. 47 ff.) wird beiläufig ein derartiges vorübergehendes
Krimpen des Windes bei Annäherung eines Tiefs als die Regel beschrieben. Vereinzelt finden sich
unter den von SE-Winden begleiteten Zunahmen auch solche, bei denen die Wetterlage dauernd von
dem russischen oder skandinavischen Hochdruckgebiet beherrscht wird. In diesen Fällen liegt die Aus
gangstemperatur natürlich recht tief unter der Norm, so daß ein Anstoß örtlicher Natur (Änderung der
Bewölkung) oder auch die Abnahme der kontinentalen Luftströmung eine beträchtliche Zunahme her
beiführen kann. Ganz dieselbe beständige antizyklonale Wetterlage zeigt sich als herrschend bei den
beträchtlichen Zunahmen mit gleichzeitigem NE-Wind (dem entspricht es, daß die Windrichtung in
fast allen diesen Fällen ständig NE ist, oder aus SE dorthin übergeht. — Beispiel: 7. Dezember 1902.)
In einigen Fällen lagert das Hoch dabei nicht im Osten oder Norden, sondern im Nordwesten unseres
Gebiets; diese heben sich von den übrigen dadurch ab, daß die Ausgangstemperatur nicht so außer
gewöhnlich tief unter der Norm liegt. — Was schließlich diejenigen Temperatursprünge anbelangt,
die von anhaltendem NW-Wind oder (vor allem aus SW) nach NW hinüberdrehendem Winde be
gleitet werden, so zeigt sich die Wetterlage der betreffenden 24 Stunden etwa in der einen Hälfte der
Fälle von Hochdruckgebieten, in der andern Hälfte mehr von Depressionen beherrscht. In der ersten
Gruppe handelt es sich vorwiegend um Maxima, die West- und Südwesteuropa bedecken, also um Vor
stöße des Azorenmaximums, vereinzelt auch um solche über Mitteleuropa. In den letzteren Fällen (so
z. B. am 22. Dezember 1891, wo — auf Borkum 8 a beschränkt — eine Zunahme von 7° zu verzeichnen
ist) wird natürlich weitaus in erster Linie die Bewölkungszunahme, bei dem angeführten Beispiel noch
unterstützt durch eine tiefe Ausgangstemperatur, die Ursache des Temperatursprunges sein. — Bei den
Fällen, in denen unser Gebiet im Wirkungsbereich eines Tiefdruckgebietes liegt, zeigt sich der Wind
vielfach deutlich durch das Auftreten von Randtiefs beeinflußt. Zwei verschiedene Stadien der Aus
prägung lassen sich dabei besonders unterscheiden: 1. Unsere Küste steht unter dem Einfluß des nord
westlichen (isländischen) Tiefs, welches das ganze Nordmeer und die britischen Gewässer bedeckt. Die
Luftmassen gehören in Wahrheit der südwestlichen ozeanischen Strömung im rechten Vor der quadranten
des Minimums an; infolge der Ausbildung eines schwachen Randtiefs etwa über Jütland oder der Belt
see hat unsere Gegend aber bereits West- bis Westnordwestwind (Beispiel: 23. Januar 1892, 8 a). —
2. Häufig befindet sich unser Bezirk aber auch ausgesprochen auf der Rückseite eines größeren Aus
läufers, der etwa über der Ostsee oder Finnland-lagert, wehrend die britischen Gewässer wie ganz
Westeuropa hohen Luftdruck haben. Der Unterschied von dem „Rückseitenwetter“, wie es für Ab
nahmen namentlich bei Wilhelmshaven und Hamburg für typisch befunden wurde, liegt darin, daß
das Haupttief die ganzen nordeuropäischen und isländischen Gewisser bedeckt, so daß die nordwest
lichen Winde über unserer Küste ihrer w T eitei-en Herkunft nach nicht Nordwinde sind, wie bei den Ab