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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1920. Nr. 2.
als die Zeit des Temperaturüberschusses Land über Meer). Im ersten Teil waren, je nachdem die
Kurve des täglichen Ganges der interdiurnen Veränderlichkeit einfache oder doppelte Schwankung
zeigte, die Monate Oktober bis Februar als Winter, März bis September als Sommer zusammengefaßt
worden. Für die folgenden Betrachtungen schien es zur möglichst klaren Darstellung der Gegensätze
zwischen Winter und Sommer am zweckmäßigsten, die Monate März und Oktober, also den Monat vor
dem Frühjahrsäquinoktium und nach dem Herbstäquinoktium, als offenbare Übergangsmonate aus der
Zusammenfassung fortzulassen. Das Verhalten dieser beiden Monate an den verschiedenen Terminen
ist nicht gleichmäßig; nachmittags scheint, namentlich im Oktober, der sommerliche Charakter mehr
hervorzutreten, morgens dagegen mehr der winterliche (vergl. auch Tab. II des I. Teils). Im Nach
folgenden gelten also als Winter die Monate November bis Februar, als Sommer April bis September. 36 )
Um darzutun, daß bei der gewählten unteren Begrenzung des Untersuchungsmaterials (±5.0°)
tatsächlich „der mitbestimmende Einfluß des Windverhaltens auf die beträchtlichen Änderungen
erkennbar wird“, wie in der Einleitung ausgeführt wurde, ist es erforderlich, zunächst die Verteilung
der beträchtlichen Temperaturänderungen auf die Quadranten mit der Häufigkeit der Windrichtungen
überhaupt zu vergleichen. Allerdings fällt es schwer, eine geeignete Zusammenstellung der Häufigkeit
der Windrichtungen zu finden. Um wenigstens einigermaßen die Gleichzeitigkeit der Beobachtungs
periode und die gleiche Abgrenzung der Quadranten zu wahren (was sich bei Verwendung der Jahrzehnt-
und Jahresübersichten der Seewarte und der Tabellen im Anhang zu Großmanns Untersuchung über die
Winddrehung an der Küste 37 ) nicht ermöglichen ließ), habe ich bremische Beobachtungen zu Hilfe
genommen. Das bremische Jahrbuch für 1915 enthält auf Seite 94/95 eine Tabelle der „Häufigkeit der
(16) Windrichtungen nach Stunden im Monat. Durchschnitt der Jahre 1896—1915“. Hieraus ließ sich
leicht die prozentische Verteilung der Winde auf die Quadranten (in der gleichen Abgrenzung wie
oben festgesetzt) für Winter und Sommer berechnen, allerdings auf Grund stündlicher Anemographen
aufzeichnungen. Um hiermit die Häufigkeitsprozente der Ausgangs- und Endquadranten in Tabelle VIII
und IX wenigstens notdürftig vergleichen zu können, habe ich aus den Quadrantenprozenten für die
drei Einzeltermine „Tagesmittel für jede Station“, und hieraus wieder „Tagesmittel für das ganze
Gebiet“ gebildet. Für einen ersten Überblick schien mir diese Gegenüberstellung wohl zulässig. 38 )
In den folgenden vier Übersichten enthalten wie in Tabelle VIII und IX die senkrechten Spalten
die prozentuale Verteilung der Temperaturänderungen auf die Quadranten am Vortage („Ausgangs
quadrant“), die wagerechten die Verteilung am Haupttage („Endquadrant“). Die Diagonale enthüll
zum bequemen Vergleich die prozentuale Verteilung säint lieh er Winde auf die Quadranten (nach
den bremischen Beobachtungen):
Abuahm e n
Z u n a li nt e n
NE SE SW NW
ff
£
Endquadrant
NE
10
21
SE
27
18
SW
40
34
NW
22
27
26
38
21
15
NE SE SW NW
NE
SE
SW
&E CG
NW
18
20
25
j 36
Endquadrant
23 3 20 54
NE SE SW NW
NE
* SE
-2 sw
pt
NW
10
l
i
¡27
1
40
j 22
Endquadrant
8 12 60 20
NE SE SW NW
ff
ff
er
3 O
$ №
NE
SE
SW
NW
181
20
25 |
¡36
19
42
31
8
Endquadrant
36 ) Würden beiläufig die Zusammenfassungen des I. Teils in dieser Weise vorgenommen werden, so würden siel
die Zahlenverhältnisse der in Frage kommenden Tabellen nicht ändern; die daran geknüpften Erörterungen bleibei
also von dieser veränderten Abgrenzung der Jahreszeiten unberührt.
37 ) Archiv d. Seew. 1903, Nr. 4, S. 18 ff.
3S ) Dm zu prüfen, ob die Bremer Windprozente auch die mittlere Verteilung der Windrichtungen über unseren
Gebiete einigermaßen genau wiedergeben, habe ich aus den Jahrzehnt-Übersichten 1896—1905 für Bremen und füi
Borkum—Wilhelmshaven—Hamburg die Windverteilung für Winter und Sommer nach den 8 mal täglichen Beob
achtungen berechnet: