A. Schumacher: Über beträchtl. Temperaturänderungen von Tag zu Tag im Gebiet der deutschen Nordseeküste. 21
der Temperatur die Zwischentermine unberücksichtigt bleiben. — Es ist wohl anzunehmen, daß hierbei
das Windverhalten ungenauer charakterisiert wird, als das Verhalten der Temperatur, da der tägliche
Gang der Temperatur vermutlich gleichmäßiger ist, als der tägliche Gang des Windes nach Drehung
und Stärke. — Um einige Anhaltspunkte für eingehendere Erörterungen zu erhalten, wurde noch die
Temperaturlage und entsprechend beim Winde die Stärke berücksichtigt, indem in jedem
Falle die Abweichung der Ausgangstemperatur von der Normale (vergl. Seite 15 ff.) und die Stärke des
Windes am Ausgangs- und Endtermin notiert wurde. Auch die interdiurne Änderung der Bewölkung
wurde jedesmal beachtet durch Eintragung der Himmelsbedeckung am Ausgangs- und Endtermin. Die
Aufzeichnungen über dies an sich so wichtige Element werden aber doch nur beiläufig verwendet
werden, da die beiden Augenblicksangaben über die Himmelsbedeckung für eine systematische Gegen
überstellung der Bewölkungsänderung und der Temperaturänderung sicher nicht ausreichen. Überdies
ist in den Jahrbüchern der Seewarte nur der Bruchteil der Himmelsbedeckung, aber
nichts über die Stärke der Bewölkung, über etwaigen gleichzeitigen Sonnenschein und dergleichen an
gegeben. — Schließlich wurde, um die Stationen und Termine in Einzelfällen vergleichen zu können und
zugleich zur bequemen Nachprüfung der Eintragungen, in jedem Falle das Datum hinzugefügt.
Bei dieser ersten Sichtung des Materials wurden demnach für Abnahmen und Zunahmen einer
jeden Jahreszeit (Dezember/Februar, März/Mai, Juni/August, September/November), einer jeden Station
und eines jeden Termines je drei zusammengehörige Schemata (Quadrantenbogen) ausgefüllt; von diesen
enthält:
das erste: die Werte der beträchtlichen Abnahmen und Zunahmen,
daszweite: die Stärke des Windes und den Grad der Bewölkung am Ausgangs- und Endtermin
(außerdem Angaben über Böen, Gewitter und dergl.),
das dritte: die Abweichung der Ausgangstemperaturen von der jeweiligen Normaltemperatur und
das Datum. —
Im Vorwort zu W. löppens Abhandlung „Über die Abhängigkeit des klimatischen Charakters
der Winde von ihrem Ursprünge“ 35 ) rügt H. W i 1 d an der alten Methode der Windrosenberechnung, daß
dabei alle Winde gleicher Richtung ohne Rücksicht auf ihre Bedingtheit durch die Luftdruckverteilung
vereinigt werden, z. B. SE-Winde, einerlei, ob sie einer Zyklone oder einer Antizyklone angehören.
Dieser Nachteil haftet zunächst auch der eben erläuterten Darstellungsweise an, wenn auch eine erste
Sonderung der Winde ja gerade durch die Scheidung nach Abnahmen und Zunahmen der Temperatur
bewirkt wird. Zu einem großen Teil dürfte aber dieser Mangel durch die Unterscheidung der Winde in
abflauende, gleichbleibende und auffrischende, sowie vor allem im Winter durch die Berücksichtigung
der Ausgangstemperaturen ausgeglichen werden.
Überblick über die jahreszeitliche Verteilung der beträchtlichen Abnahmen und Zunahmen der
Temperatur im Vergleich zu der allgemeinen Häufigkeit der Windrichtungen. Um aus den eben erläu
terten Quadrantenbogen eine handliche Grundlage für die Betrachtung zu gewinnen, wurden auf Grund
derselben jahreszeitliche Übersichten gebildet, in denen zunächst einmal alle beträchtlichen Abnahmen
bezw. Zunahmen der Temperatur nach den begleitenden Windänderungen zusammengestellt wurden.
Vergl. Tabelle VIII und IX. Darin bedeutet < abflauenden, = gleichbleibenden und < auffrischenden
Wind. Z. B. hatte also Hamburg 8 a während der 25 Jahre im Winter 9 + 1 + 2 = 12 beträchtliche
Temperaturabnahmen, bei denen der gleichzeitige Wind aus NW nach NE drehte^ und zwar in 9 von
diesen Fällen unter gleichzeitigem Abflauen, einmal gleichbleibend und zweimal auffrischend. In die
Spalten „Summe“ und „%“ sind die Summen- bezw. Prozentzahlen eingetragen, die auf die einzelnen
Quadranten als Ausgangs- bezw. Endrichtung entfallen. Dabei geben die senkrechten Spalten die Häufig
keit als Ausgangsrichtung, die wagerechten die Häufigkeit als Endrichtung.
Bei der Scheidung nach Jahreszeiten wurde wieder die Zweiteilung nach Winter und Sommer als
die natürlichste gewählt (Winter als die Zeit des Temperaturüberschusses Meer über Land, Sommer 36
36 ) Repertorium für Meteorologie, Bd. IV, Nr. 4, Petersbg. 1874.