12
Aus dem Archiv der Deutschen See warte. — 1920. Nr. 2.
zugreifen: Eine Änderung von 15° ist in Borkum nie verzeichnet worden (Maximum —14.3 ), wohl
aber in Wilhelmshaven und Hamburg. Den* größte vorgekommene Sprung beträgt 16.6° in Wilhelms
haven am 12. Januar 1891 morgens. Im allgemeinen hat aber doch Hamburg, wie bei seiner größeren
Kontinentalität zu erwarten, auch die größten Werte. Bilden wir einmal die Mittel der größten Ab
nahmen und der größten Zunahmen für Winter und Sommer (in der gewohnten Abgrenzung der Jahres
zeiten), so zeigt (Tabelle V) sich mit Ausnahme des Sommers 2 p, wo sogar Borkum Hamburg etwas
übertrifft, denn auch ein allgemeiner Anstieg der Zahlen in der Richtung [Borkum—Wilhelmshaven
—Hamburg. Wie dies eingangs bei den Gesamtsummen der beträchtlichen Änderungen erörtert
wurde, ist übrigens auch hier der Abstand Borkum—Wilhelmshaven vielfach größer als der Abstand
Wilhelmshaven—Hamburg. An den einzelnen Stationen sind durchgängig an allen drei Terminen im
Winter die absoluten Werte der Zunahmen, im Sommer die absoluten Werte der Abnahmen die
größeren. Die absolut größten Zahlen treffen wir als Zunahmen am Wintermorgen und als Abnahmen
am Sommernachmittag. Die Verhältnisse dieser (vielleicht etwas kühn gebildeten) mittleren Höchst
werte für die Jahreszeiten entsprechen also der Verteilung der beträchtlichen Zunahmen und Abnahmen
im Winter und Sommer.
Tabelle V.
„Jahreszeitliche Mittel“ der größten Abnahmen und Zunahmen.
8a
Borkum
Wilielmsh.
Hamburg
2 P
Borkum
Wilhelms!].
Hamburg
8p
Borkum
Wilhelmsli.
Hamburg
Okt.-
Febr.
-8.7
+8.6
-9.5
+110
-10.0
+11.7
Okt.-
Febr.
-7.6
+8.1
-8.5
+9.6
-9.0
+9.9
Okt.-
Febr.
-8.1
+8.8
-8.6
+9.7
-9.6
+11.0
März-
Sept.
-6.8
+6.5
-7.5
+6.8
-8.4
+7.5
März-
Sept.
-11.4
+9.6
-11.4
+9.9
-11.2
+10.0
März-
Sept.
-8.2
+6.6
-8.5
+7.1
-9.2
+ 8.7
Auch die Daten der Höchstwerte scheinen der Beachtung wert. Im Winter kommt es häu
figer vor, daß an einem und demselben Datum während der 25 Jahre zwei oder alle drei Sta
tionen zugleich ihre überhaupt größte Tempera tu rabnahme oder -Zunahme für den betreffenden Monat
haben, oder daß eine und dieselbe Station an zwei oder allen drei Terminen desselben Tages
den höchsten Wert der 25 Jahre für einen Monat verzeichnet. Ganz besonders bemerkenswert sind
in dieser Hinsicht der 31. Dezember 1904 und der 21./22. Januar 1907 (Abnahmen), sowie der
12. Januar 1891 und der 6.17. Februar 1912 (Zunahmen). Die Sommermonate bleiben bei dieser Durch
musterung der Daten hinter den Wintermonaten w r eit zurück. Der Fall, daß an allen drei Stationen
gleichzeitig der Monatshöchstwert der 25 Jahre auftritt, kommt in der warmen Jahreszeit überhaupt
nicht vor, und nur einmal, noch dazu im tlbergangsmonat März, hat eine Station (Wilhelmshaven) die
größte Zunahme für diesen Monat an allen drei Terminen eines und desselben Datums.
Diese Tatsaohe, daß die winterlichen Höchstwerte der interdiurnen Temperaturänderungen
häufiger und allgemeiner an einem und demselben Datum gefunden werden, als die sommerlichen,
deutet gewiß darauf hin, daß die großen Änderungen in der kalten Jahreszeit in ausgeprägterem
Maße Begleiterscheinungen von allgemeinen Wetterumschlägen sind, als die großen Änderungen in
der wärmeren Jahreszeit.
Eine kurze Beschreibung der Wetterlage an den vier oben besonders hervorgehobenen Daten
schien mir am Platze zu sein:
31. Dezember 1904. Ein Tiefdruckgebiet lagert am 30. morgens über der Nordsee (Kern unter
735 mm zwischen Schottland und Skagerrak), die Nordseeküste hat steife bis stürmische Südwest
winde. Die Temperaturen sind: Morgens 7—8° (d. i. 6—8° über der Norm), nachmittags 5—8° (4—5° zu
hoch) und abends 3—7° (2—5° zu hoch). — Am 31. morgens befindet sich das Tief über Polen; es hat
den Weg über Jütland—Odermündung genommen; ein über Nordskandinavien erschienenes Hoch
druckgebiet breitet sich im Laufe des Tages rasch südwärts aus (Kern über 780 mm über Süd
skandinavien). Norddeutschland wird dementsprechend von kalten nordöstlichen Winden überflutet