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Full text: 38, 1920

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50 Ans dein Archiv der Deutschen Seewarte. — 1920. Heft (i. 
Auch Krümmel 1 ) hat wieder zu den Strömungsverhältnissen Stellung genommen. Erweist 
darauf hin, daß die Verhältnisse ähnlich wie an der Westküste Afrikas liegen, „wo die Guineaströmung 
ebenfalls im Golf von Benin trotz der vorherrschenden südlichen Winde nach Süden umbiegt und ihre 
tropisch warmen Gewässer in den Rücken des Äquatorialstromes ein führt“. Krümmel betont, daß 
hier im Stillen Ozean auch im Nordwinter zwischen 0° und 8°N südliche Winde, allerdings schwächer 
als im Nordsommer, wehen, die einen ONO-Strom von 5—8 Sm. gegen 9—12 Sm. im Nordsommer her- 
vorrufen müßten. 
Die Windverhältnisse sind nun in beiden Buchten die gleichen, im Januar/Februar 8.Б5 ms., im 
Juli/August 5.1 ms. Trotzdem tritt bei uns im Nordwinter keine Südströmung ein, im Gegensatz zum 
Golf von Panama. Krümmel leugnet aber sogar im Nordsommer einen Nordstrom an der amerika 
nischen Küste, wie schon früher an den Gestaden Kameruns. Er macht den Gegenstrom für das ganze 
Jahr zu einem Zuflußstrome des Südäquatorialstromes. Ihm sind die Temperaturen maßgebend. Da 
eine Erwärmung von 21° auf 25° mindestens ein Vierteljahr oder 1100 Sm. braucht, glaubt er, diese 
plötzliche Temperatursteigerung auf zwei Breitengraden in 82—83° W könne nur durch den Zufluß des 
Gegenstromes nach dem Südäquatorialstrom sattfinden. Bedenken wir jedoch, daß das Wasser des 
Nordstromes einem Küstenauftriebgebiot entstammt, wodurch allein schon eine schnelle Wärmezunahme 
beim Verlassen dieser Zone bedingt ist, und daß auf dem Wege nach der Bucht von Panama Durch 
mischung mit dem warmen Wasser des Gegenstromes stattfindet, so finden wir die schnelle Tempe 
raturzunahme erklärlich. Auch an der afrikanischen Küste finden wir diese Verhältnisse, wenn auch 
nicht so stark, ausgeprägt. ‘ t 
Nun gilt es noch die Frage zu entscheiden, warum im Nordwinter trotz gleicher Windstärke an 
der amerikanischen Küste der Gegenstrom nach Süden umbiegt, an der afrikanischen aber nicht. Nach 
den früheren Erörterungen können wir nur antworten: Das Ersatzbedürfnis des Äquatorialstromes 
übertrifft dort die Kraft des Südwestmonsuns. Vergleichen wir die Jahrestemperaturkarten beider 
Gebiete, so tritt im Stillen Ozean ein Küstenauftriebgebiet südlich des Äquators stark hervor, während 
im Atlantischen Ozean nichts davon zu merken ist. Desgleichen ist im letzteren eine Kältozunge nicht 
zu sehen, dagegen im Stillen Ozean gut ausgebildet. Die Monatskarten lassen diese Unterschiede noch 
deutlicher erkennen. Wir müssen schließen, daß das Ersatzbedürfnis des Südäquatorialstromes im 
Stillen Ozean in der Nähe des Äquators bedeutend größer ist als das des gleichen Stromes im Atlanti 
schen Ozean, so daß dort größere Mengen Tiefenwasser aufgesaugt werden. Daher wird auch im 
Nordwinter die schwache Kraft des Südwestmonsuns nicht ausreichen, im Großen Ozean einen Zufluß 
des Gegenstromes zum Südäquatorialstrom zu verhindern. 
Es zeigt der Vergleich in seinen Grundzügen, daß in beiden Buchten dieselben Kräfte in dem 
selben Sinne tätig sind, und die Unterschiede in den Stromvorgängen auf Unterschieden in der Größe 
der Kräfte beruhen. So dient uns dieStromdarstellung von Puls als Beweis für 
die Richtigkeit der Darstellung der Stromvorgänge im Golf von Guinea. 
Ebenso sind hier die Ergebnisse von P u 1 s als richtig anzuerkennen. Vielleicht dürfte sogar durch eine der 
unseren gleiche Stromdarstellung an der mittelamerikanischen Küste eine noch größere Übereinstim 
mung erzielt werden. 
Nach diesen Erörterungen ist es nunmehr erwiesen, daß der Guineastrom nicht als Ersatzstrom 
für den Äquatorialstrom angesehen werden darf. Ebenso ist er nicht als Ersatzstrom für einen Tiefen 
strom aufzufassen. Anderenfalls wäre die Stromstärke östlich des Greenwicher Meridians nicht kleiner 
als man aus der Kraft des Windes schließen muß, sondern größer. Die geringe Stromstärke und die 
geringe Stabilität ist eben eine Folge des Anstaues. In 3° N 4° О nimmt Krümmel den Strom zu 
11 Sm. an in Nl06°O. Castens berechnet dagegen nur 9.3 Sm. nach N43° O. Danach nimmt, er 
eine Windgeschwindigkeit von 4.04 ms. an. Dieser entspricht unter Berücksichtigung des Ablenkungs 
winkels des Stromes aus der Windrichtung von 63° und der stromerzeugenden Kraft eines m Wind in 
der Stromrichtung von 4.4 ms. ein Strom von 3.8 Sm. Gallé hält den Strom daher auch für einen 
Ozeanographie II. Teil 1911. S. 700.
	        
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