Johannes Jank ei: Strömungen und Okerflächentemperaturen im Golfe von Guinea. 49
Monatskarten der Strömungen. Ist er aber nur schwach entwickelt., dann kommt das Ersatzbestreben
zu seinem Rechte. Und mit solchen Fällen müssen wir rechnen, sogar ziemlich oft. Nun verstehen w r ir
auch, warum die Stabilität im Innern der Bucht von Guinea nicht größer ist. Wie aber die Berech
nung der Resultante die Hauptströmung klar hervorhebt, so bewirken die Isothermen, wenn es sich
um einen Kampf zwischen warmer und kalter Strömung handelt, manchmal, wie gerade in unserem
Falle, das Gegenteil. Sie verwischen die Gegensätze oder deuten gar die schwächere Gegenströmung
an. Die thermische Grenze einer warmen Strömung reicht weiter als die mechanische. Dieser Satz
gilt hier. Die warme Gegenströmung wird thermisch auch dort noch wirken, wo mechanisch die Haupt
strömung herrscht. Hierzu kommt, daß dort, wo gelegentlich eine Südströmung herrscht, diese schon
ohne weiteres die Durchschnittstemperatur erhöhen wird.
Es ist allerdings nicht einmal nötig, einen schwachen Wind anzunehmen, um Südstrom auf-
kommen zu lassen. Wie ein dichtes Gewebe, mit dem man Wasser geschöpft hat, erst allmählich durch
die weniger dichten Stellen sein Wasser w r ieder verliert, so wird auch ein Wind, der ja nie überall von
gleicher Stärke weht, in seiner Gesamtwirkung zwar eine Fortbewegung der Wassermassen erzielen,
doch in seinen schwächeren Teilen durch Rückströmungen Verluste erleiden. Diese werden umso größer
sein, je stärker der Gegendruck des Wassers ist, ein Fall, der gerade in einem Anstaugebiet eintreten
wird. Also muß gerade in einem solchen Gebiete die Stabilität gering sein, und kann die warme ange
staute Strömung weithin erwärmend wirken.
Wir können diese Betrachtungen nicht schließen, ohne einen Vergleich mit den Stromverhält
nissen an der Westküste von Mittelamerika zu ziehen. Es ergeben sich auffallende Übereinstimmungen
in Ursache und Wirkung mit den Strömungen im Innern des Golfes von Guinea. Puls 1 ) hat die
Oberflächentemperaturen und -Strömungen eingehend dargestellt, während Schott und Schu 2 ) die
Wärmeverteilung in den Tiefen untersucht haben. Wir haben die von den Passaten hervorgerufenen
Äquatorialströme in 12° S—5° N und 9° N—20° N, zwischen denen ein Gegenstrom ungefähr auf den Golf
von Panama zu gerichtet ist. An der Küste von Südamerika und unter den Galapagosinseln reißt der
Strom Tiefenwasser empor. Wir sehen dieselbe Kältezunge wie im Südatlantischen Ozean entstehen.
Die Geschwindigkeit des Gegenstromes hängt von der des südlichen Äquatorialstromes ab. Er gibt in
den meisten Monaten zwischen 140°.—110° W Wasser an den Nordäquatorialstrom ab. Dann herrschen
SW-Winde. Das gleiche geschieht im Atlantischen Ozean südlich der Kapverden. Puls fährt fort:
„Auch das Wasser des Gegenstromes, das auf die Küste zufließt, biegt in der Regel unter der Küste nach
Norden ab und strömt, vom Wind begünstigt oder gehindert, dem nördlichen Äquatorialstrom zu. Man
sollte eigentlich erwarten, daß der Gegenstrom in seiner Hauptmasse im Golf von Panama nach Süden,
nach der Seite des stumpfen Winkels hin, umbiegt, (wie es auch die meisten bisherigen Karten dar
stellen), wohl deshalb, weil der Monsun es nicht zuläßt; er drängt vielmehr das Wasser an die Küste
von Mittelamerika, an der entlang es nach Nordwesten abfließt, am Kap Blanco oft mit sehr großer
Geschwindigkeit nach Norden strömend“.
Wir haben also dasselbe Bild vor uns wie im Golf von Guinea, nur mit
dem Unterschiede, daß es im Golf von Panama die Küstengestalt dem Wasser
gestattet, nach Nordwesten abzufließen, in unserem Golfe jedoch nicht.
Eine Ausnahme macht der Gegenstrom jedoch von Ende Januar bis April. Dann haben die
Südwestwinde vor und im Golfe von Panama ihren Monsuncharakter verloren, so daß der Gegenstrom
hier nach Süden umbiegt und in die südliche Äquatorialströmung übergeht. Dann ist auch der Tempe
raturunterschied von mehreren Graden zwischen dem Nordrande des Äquatorialstromes und dem Gegen
strome geschwunden. Beide haben die gleiche hohe Temperatur.
Auf den Tiefentemperaturkarten wird ebenso wie in der Bucht von Biafra auch an der mittel-
amerikanischen Küste ein Warmwasseranstau nachgewiesen. Hier allerdings reicht er nur bis 400 m,
wahrscheinlich, weil der Anstau durch den Abfluß nach Nordwesten gemildert wird.
fl Puls, Okerflächentemperaturen und Strömungsverhältnissc usw. Archiv d. Seewarte 1895, Nr. 1.
fl Schott und Sehn, Die Wärmeverteilung in den Tiefen des Stillen Ozeans; Ann. d. Hydr. 1910, S. 2 ff.