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Full text: 38, 1920

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 19^0. Heft 6. 
nicht zu. Das zeigen unsere Stromkarten. Da ein Verdunsten dieser Wassermengen nicht möglich 
ist, bleibt also nur ein Abfluß nach der Tiefe als Erklärung übrig. 
Mit dieser Frage hat sich Schott im Valdiviawerke 1 ) näher befaßt. Er nimmt, wenigstens 
teilweise, ein Absinken des Wassers in die Tiefe an und erbringt den Beweis hierfür durch den Ver 
lauf der Tietfenisothermen, die sich nach der Bucht von Biafra zu senken. Sie lassen also hier in einet 
gewissen Tiefe auf wärmeres Wasser schließen als in weiterer Entfernung von der Bucht. So weisl 
Schott darauf hin, daß in 50 m Tiefe Temperaturgraden von 22°-—24° im Kamerungebiet solche vor 
16—18° auf 3—4° S Br. im offenen Ozean gegenüber stehen, während an der Oberfläche der Unter 
schied nur 2—3° beträgt. Diese Verhältnisse sind in zwei Tiefenprofilen, eines auf 1—2° N von Wester 
nach Osten, das andere auf 7—8° in meridionaler Richtung verlaufend, klar zur Darstellung gebracht 
Der Warmwasseranstau ist bis 1000 m Tiefe zu verfolgen. Am deutlichsten ist er zwischen 150—1000 n: 
ausgeprägt, während sich in höheren Schichten eher Auftrieberscheinungen geltend machen. Da ar 
der Mündung des Amazonenstromes ähnliche Verhältnisse vorliegen, kann Schott diese nicht den 
Zufall zuweisen. Er erklärt deshalb die ganze Erscheinung folgendermaßen: „Die Guineaströmung 
als solche gibt, da sie in der Kameruner Bucht sozusagen in eine Sackgasse rennt, aus der sie bei der 
vorwiegenden südlichen Winden zwischen Kongo und Kamerun südwärts nicht entweichen kann, Ver 
anlassung zu einem Anstau von Warmwasser mit der Tendenz vertikal abwärts gerichteter Bewegungen; 
es kommt die anstauende Wirkung des so ziemlich während des ganzen Jahres wehenden SW-Mon- 
suns hinzu, um das Wasser' in der Bucht festzuhalten. Daher wird man sich den Vorgang so denkei: 
. müssen, daß die Gesamtheit der Wassermasse von oben bis etwa 1000 m Tiefe an sich die Neigung 
hat, abwärts zu sinken, daß jedoch innerhalb dieses sich senkenden Profiles, zumal in der obersten 
Schicht, Auftriebserscheinungen gelegentlich Vorkommen, ungefähr so, wie auch in dem absteigender 
Luftstrom eines Luftdruckmaximums Störungen mit Depressionserscheinungen beobachtet werden“. 
. Wen dt 2 ) war es zweifelhaft, ob diese Profile, denen er für die Hochsee die Berechtigung zu 
sprach, auch für die Küstennahe Geltung hätten, da die zu ihrer Herstellung verwendeten Beobachtungep 
nicht zu gleicher Zeit oder wenigstens zu Zeiten, wo die Strömungsverhältnisse die gleichen waren 
angestellt worden sind. Jedoch haben wir gesehen, daß die Strömungsverhältnisse im Jahreslaufe vom 
mittleren Zustand nur wenig abweichen. Darum dürfen wir in den Profilen auch im Küstengebiet die 
Darstellung des mittleren Zustandes erblicken. 
Über den Verbleib der nach der Tiefe geführten Wassermassen werden wir uns bald Klarheil 
verschafft haben, wenn wir uns noch einmal die Bewegungen der tieferen Schichten vor Augen halten, 
Wir wissen, daß unter dem Benguela-Äquatorialstrom ein Tiefenstrom ungefähr gleicher Richtung 
fließt. Auch dieser braucht Ersatz. Wenden wir nunmehr den Krümmel sehen Wannenversuch 
auf die tieferen Schichten an, so hoben wir unter dem Guineastrom einen gleichgerich 
teten Tiefenstrom anzunehmen, der in der Bucht von Biafra nach Süden um- 
biegt und in den Tiefenstrom der Passattrift einm findet. Eine unmittelbare Wind 
wirkung, verschwindet ja in den tieferen Schichten, und daher fällt auch die Wirkung eines SW-Mon- 
suns weg, der den Tiefenstrom hindern könnte, sich an der Kamerunküste nach Süden zu wenden. 
Diesem. Tiefenstrom wird sich nun das Anstauwasser anschließen. Es wird nach Süden zu absinken 
Einen Beweis für eine solche Wasserbewegung sehen wir in den hohen Wärmegraden, die nach den 
Schottschen Karten im Valdiviawerke 3 ) in den tieferen Schichten am südlichen Teile der Kamerun- 
küste, also schon außerhalb des Hauptanstaues, zu finden sind. 
Ein Grund könnte noch gegen die nach dem Innern der Bucht gerichtete Wasserbewegung ins 
Feld geführt werden, die Ausbuchtungen der Isothermen nach Süden und teilweise gar ein langer 
Warm wasserstreif en an der Niederguineaküste. Daß die Kräfte, die der Krümmelsche Wannen ver 
such veranschaulicht, stets in der Bucht von Biafra tätig sind, ist sicher. Es kommt nur darauf an 
wie stark hiergegen der Südwestmonsun ankämpfen kann. Daß letzterer Sieger bleibt, lehren unsert 
*) Valdivia-Expedition, I. Teil, Ozeanographie, Text S. 172 f. Karten 29 u. 30. 
*) Wendt, Meeresströmungen im Golf von Guinea, in Ann. d. Hydr. 1904, S. 214. 
*) Valdiviawerk, Atlas Tafel 10—13.
	        
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