accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 38, 1920

46 
Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1920. Heft 6. 
Nach Krümmel wird nun im August die „trennende Tendenz“ am Äquator so gesteigert, daß 
Tiefenwasser zum Ersatz aufsteigt. Es bildet siph der Kaltwasseirfleck aus. Unsere Temperaturkarten 
zeigen nun, daß dieser Kaltwasser fleck, wie überhaupt die ganze Kältezunge, nicht unter dem 
Äquator liegt, oder vielleicht gar nördlich davon, was aus der Stromrichtung folgen müßte, sondern mehr 
oder weniger weit auf südlicher Halbkugel. Daher ist es unwahrscheinlich, daß die Erd 
rotation die Ursache für dessen Entstehung ist. 
Aus der Strömungskarto von Schott 1 ) im Valdiviawerke ist zu ersehen, wie gewaltige Wasser 
massen vom Äquatorialstrom nach Westen geführt werden, und wie gering doch der Zufluß vom Ben- 
guelastrom her ist. Schon hierbei muß man an den Wasserersatz aus der Tief© denken, der ja auch 
auf unseren Temperaturkarten das ganze Jahr im Kältegebiet zum Ausdruck kommt. Im Südwinter 
stellt jedoch der Passat ganz beisondere Ansprüche an die Wassermassen. Jetzt muß auch der Aufstieg 
von Tiefenwasser auf der hohen See am stärksten sein, so daß die Temperatur auf 20.9° in 1—2° Ent 
fernung vom Gleicher sinkt. Natürlich ist die Kälteinsel jetzt nicht weit vom Äquator entfernt, da das 
ganze Stromsystem durch die starken Winde nach Norden verldgt ist. Jetzt ist auch das südwestafrika 
nische Auftriebgebiet am kräftigsten entwickelt und an der Niederguineaküste weit nach Norden aus 
gedehnt, da der Bengualastrom aus eigenen Mitteln den Ersatz von Süden her nicht schaffen kann und 
sich Tiefenwasser an der Küste emporsaugen muß. 
Die Hauptursache für die starke Erkaltung unseres Gebietes liegt im 
nördlichen Sonnenstände. Hierdurch empfängt das Gebiet an sich schon die geringste 
Wärmemenge. Hierdurch erreicht auch der Passat seine stärkste Ausbildung und nördlichste Lage, 
und damit auch der Äquatorialstrom. Die Folge davon ist die schnelle Zuführung von Wasser aus den 
südlichen Breiten und die starke Beimischung von Tiefenwasser der Hochsee und der Küste. 
Die Monsuntrift. Schon Varenius hat auf die Möglichkeit verwiesen, daß im Innersten 
der Bucht von Biafra ein unterirdises Becken besteht, in das sich die ozeanischen Gewässer ergießen. 
Athanasius Kircher läßt die Guineaströmung tatsächlich in einem abyssus enden, weil er nicht 
weiß, wohin das Wasser sonst führte. Und Rennel schließlich läßt das Wasser des Guineastromes 
in der Bucht von Biafra „eines natürlichen Todes sterben“. Also auch ihm blieb der Verbleib des 
Wassers unerklärlich. Beide Gelehrte waren demnach schon von solchen Stromverhältnissen im inner 
sten des Guineagolfes überzeugt, wie sie nunmehr rechnerisch als zurecht bestehend erwiesen sind. 
Gerade der Umstand, daß man den Verbleib des Wassers nicht enträtseln konnte, führte dazu, die 
Strombeobachtungen als mangelhaft zu betrachten. Man machte sich mit Hilfe der Theorie ein Bild vom 
Guineastrom zurecht, das zur Mehrzahl der Beobachtungen in Widerspruch stand. Es wurde ihm die 
Rolle eines Zuflußstromes zugewiesen, der das Ersatzbedürfnis des Äquatorialstromes befriedigen sollte, 
eine Anschauung, die besonders von Krümmel 2 ) vertreten wird. Die Folge davon ist ein andauern 
des Abkurven des Guineastromwassers nach dem Äquatorialstrom, nach der Krümmel sehen Karte 3 ) 
von ungefähr 5° W an, und in der Bucht von Biafra ein Umbiegen des Stromes nach Süden und all 
mähliches Rückbiegen in den Benguala-Äquatorialstrom. Diese Auffassung hat Krümmel durch 
einen Versuch 4 ) bestätigt gefunden. Er ahmte in der Gestaltung einer Blechwanne die Form des 
tropischen Atlantischen Ozeans nach und ließ über das eingefüllte Wassetr Luftstrahlen in der Richtung 
der Passate streichen. Tatsächlich ist bei diesem Versuche der Guineastrom als Zuflußstrom ausge 
bildet. Doch wird dieser Beweis für uns nichtig, sobald wir den bei Krümmel nicht berücksichtigten 
Südwestmonsun als wirksame Kraft einführen. Wenn dieser Wind eine 
Stärke annimmt, die das Ersatzbedürfnis des Äquatorialstromes, sich vom 
Guineastrom her Zufluß zu verschaffen, übersteigt, dann wird sich der Ein 
fluß des Monsuns offensichtlich geltend machen. E s werden die oberflächi 
] ) Vatdivia-Expedition, Teil I Ozeanographie, Atlas, Tafel 39. 
5 ) Krümmel, Ozeanographie II, 1911, S. 571 ff. 
3 ) Übersichtskarte der Meeresströmungen 1905 in „Anleitung zu Wissenschaft!. Beob. auf Reisep“, 
*) Krümmel, Ozeanographie II, 1911, S, 475, Fig. 128,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.