Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1920. Heft 6.
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gleiche Bewegung wie die sie berührende Luft hat, beträgt der Winkel 90°. Demnach steht die oberste
Strömungsschicht senkrecht zum Gradienten. Der Ablenkungswinkel u des Windes gegen den Gradi
enten ist von der Höhe und der geographischen Breite abhängig und aus einer von Exner gegebenen
Formel berechenbar. Ist « < 90°, d. h. erfährt der Wind eine kleinere Ablenkung vom Gradienten als
der Strom, dann tritt eine Ablenkung des Stromes aus der Windrichtung um einen Winkel ß ein, wo
bei ß = 90 — « ist. Nimmt man eine Höhe von 10 m als Beobachtungsort für die Windrichtung an,
dann beträgt in 10° Br. ß = 41° 50' und in 90° Br. ß = 40° 31'. Der Ablenkungswinkel nimmt also.nur
ganz gering gegen den Pol zu ab und stimmt recht gut mit den Gr a 11 é sehen Beobachtungswerten
überein.
Weiter vergleicht Exner auch noch die Geschwindigkeiten von Wasser und Luft. Bezeichnet
man mit v 0 die Luftgeschwindigkeit in großer Höhe und setzt die Konstante y = 0.0045, dann erhält
man für die Geschwindigkeit der Beirührungsschicht
V 0 — T^+~y ‘ V ° ~ °> 00 ^ 8 V o
Bezeichnet man mit u und v die Windkomponenten nach der Ost- und Südrichtung, q die Dichte,
a> die Winkelgeschwindigkeit der Erdrotation, z die Höhe über der Wasserfläche, ¡x die, Konstante der
virtuellen inneren Reibung, <p die geographische Breite und setzt man a —VQ 01 sin 9 , dann ist
v i«
u = v 0 e -az sin az
v = v D (l-e~ az cos az)
v
Demnach ändert sich nicht nur die Windrichtung tg a = —, sondern auch die Windstärke
w = ^/ u 2 + v 2 mit der Höhe und der geographischen Breite.
Unter „Windgeschwindigkeit“ verstehen wir nun die Windstärke in der durchschnittlichen
Beobachtungshöhe, also in 10 m. Setzen wir für sie w 10) dann ei’halten wir in 45° Breite
w 10 =V u io + v io = °- 148 v o
Hieraus ergibt sich
Vo
= 0.0303, t¡ = 0.0303 w 10 .
Wjo o
Die Geschwindigkeit des oberflächlichen Triftstromes beträgt demnach 3% der Windgeschwin
digkeit in 10 m Hohe.
Am Pol wird a = V—= 0.172 v B , = 0.0261, in 10° Breite -^- = 0.0607. Es
V /* ’ 10 w 10 w io
nimmt also vom Pol zum Äquator der Triftstrom im Verhältnis zur Windgeschwindigkeit w 10 an
Stärke zu. Wohl ist dabei zu beachten, daß sich die Triftstärke nicht ändert im Verhältnis zu v D , zui
Windstärke in großer Höhe. \
Ein Vergleich mit den Werten von Mohn, Nansen und Gallé läßt eine Übereinstimmung
wenigstens der Größenordnung nach erkennen. Für den Äquator selbst stellt Exner neue Gleiehun'gen
auf. Es ergibt sich hier eine bedeutend stärkere Windtrift als in höheren Breiten unter sonst gleichen
Bedingungen. Ihre Stärke hängt von der Tiefe des Ozeans ab.
Die geschilderten Verhältnisse werden natürlich nur in einer reinen Windtrift gelten. Sobald die
Strömung noch von anderen Kräften beeinflußt wird, nimmt der Ablenkungswinkel eine andere Größe
an. Die Kraft des Windes aber, die in ihrer Richtung um 90° vom Gradienten abweicht, wird in zwei
Komponenten zerlegt werden- Nur die Komponente erzielt eine Triftwirkung, die gleichgerichtet ist