Johannes Jankef: Strömungen und Oberflächentemperatnren im Golfe von Guinea. B3
Wasser zur Geltung. Es kann sich erst östlich des Greenwicher Meridians auf 25° erwärmen. Auch
das Auftriebwasser der Oberguineaküste wird zur Erkaltung beitragen. An dieser Küste findet jetzt
der stärkste Aufstieg von Tiefenwasser statt. Von Kap Palmas bis KotQnu ist die Wasserwärme unter
24° und auf der größten Strecke davon unter 23° gesunken.
Eigenartig ist die Wärmeverteilung in der Bucht von Biafra. Westlich von Kap Lopez sieht man
in den nach Norden gewölbten Isothermen wie im Juli einen starken Strom nach Norden setzen, der
über Norden nach Osten umbiegt und in einem Wirbel endigt. An der Küste wird das Wasser längere
Zeit zurückgehalten und erwärmt sich dabei. Auch im Innersten der Bucht kommt im Verlauf der
Isothermen eine Wirbelbildung zum Ausdruck. Wenn zwischen 3° O und 8° 0 eine Fläche Wasser liegt,
die über 25° erwärmt ist, so haben wir dies dem hier im geringsten Maße stattfindenden südlichen Zu
fluß kalten Wassers zuzuschreiben. Dieser Vorgang kommt ja auch darin zum Ausdruck, daß im Süden
dieses Gebietes die Wärmelinien zurückgebogen sind.
Die Kältezunge der Hochsee hat weiter an Stärke gewonnen. Das Temperaturminimum von 20°
bis 21° hat sich an den Westrand unseres Gebietes verschoben. DerAugust bringt diese Kälteinsel
also am stärksten zum Ausdruck. Wir haben jetzt die größte Zufuhr von Tiefenwasser anzunehmen.
Unter 5°S 6° W liegt eine schwache Zunge kalten Wassers, die aus dem Kältegebiet abzweigt. Die
Stromkarte klärt uns über diese Erscheinung auf. Hier biegt das Wasser des Äquatorialstromes nach Süden
ab. Das südwestafrikanische Auftriebgebiet hat jetzt ebenfalls die niedrigste Temperatur aufzuweisen.
Bei Kap Frio sind 10.8° und vor der Großen Fischbucht sogar 10.0° als Minimum gemessen worden.
Da aber die Temperatur auf hoher See noch rascher abgenomnmn hat, ist eine weitere Verflachung
eingetreten.
Im Juli und auch schon vorher war zwischen Mossamedes und Benguela nur aus Einzelbeobach
tungen ein stärkeres Auftreten von Tiefenwasser festzustellen. Jetzt kommt dies auf der Karte in einer
geschlossenen Auftriebzone zum Ausdruck. Auch bei Loanda ist der Kaltwasseraufstieg jetzt am stärk
sten entwickelt. Die Durchschnittstemperatur sinkt unter 19°.
Wie schon bei Besprechung der Julikarte hervorgehoben wurde, ist jetzt an der Loangoküste der
Kaltwasserstreifen verschwunden. Dagegen zieht sich jetzt sogar ein Streifen warmen Wassers von
Kap Lopez bis zum Kongo mit nach Süden abnehmender Breite hinab. Im Juli ist dessen Entwicklung
schon angedeutet. Die Wärmezunge der Niederguineabucht jedoch hat sich auffallender Weise sehr
verflacht.
Folgendes Beispiel mag noch angeführt sein:
S.M.S. „Habicht“.
1886
Breite
Länge
4 h a
8 h a
12'-a
4 b p
8 b p
12» p
Strom
Wind
6. VHI.
1° 20' N
8° 40' O
25.3
25.1
25.3
25.5
25.3
25.1
7. ,
1° 40' S
Ö
00
25.1
25.2
21.2*)
21.4
21.3
21.1
N 43 0 32
SSW 4
8. „
4° 0' ,
10° 20'
21.7
21.4
22.1
22.4**)
21.7
20.2
N51 W 53
S 4
9. „
r 40' „
12° 10' „
20.0
19.1
20.4
20.3
19.5
19.4
N60 W31
SSO 3
10. „
8° 40' „
13° 10' „
19.5
17.9
Bemerkungen: *) 12 u a Wasserfarbe dunkelgrün, t fiel von 25° auf 21°.
**) 3 b p Vorbeitreibendes Strauchwerk beobachtet.
6 h a Stromscheide (Richtung NW—SO) passiert, Wasser braun.
Die Stromgrenze bei Kap Lopez tritt deutlich zu Tage durch einen Temperatursprung von 4°
und Änderung der Wasserfarbe. Weiter im Süden weist eine nochmalige kleine Wärmezunahme und
das Auftreten von Triftstücken auf das Eintreten in das Wasser des Kongo hin, ebenso dann die Wasser
farbe. Schließlich wird das Auftriebwasser von Loanda erreicht.