Johannes Jankcf: Strömungen mul Oberflüolienteniperaiure» im Golfe von Guinea.' 23
Außerdem beziehen sich die Beobachtungen dieser Fachleute auf größere Zeiträume. Wir finden also
auch hier eine Bestätigung unserer Stromberechnungen.
Daß Gegenströme an der Küste und in einiger Entfernung davon jedoch nicht geleugnet werden,
wurde schon betont. Ist man nun berechtigt, diese als eine Fortsetzung des Guineastrome« zu bezeich
nen? Leider fehlen Schiffstagebücher aus den Jahren, wo die von Pechuel-Lösche geschilderten
Ausnahmezustände herrschten, so daß wir sie nicht weiter verfolgen können. Wahrscheinlich wird den
Wassertemperaturen zum Beweise der Guineaströmung ein zu großer Wert beigelegt. Wie sich bei
Besprechung der Temperaturkarten noch zeigen wird, können, besonders an der Loangoküste, die ver
schiedensten Einflüsse die Wassertemperatur bestimmen. Entweder herrscht der kühle Benguelastrom,
oder sein Wasser ist von dem warmen Süßwasser des Kongo überlagert, oder das Küstenwasser wird
durch Auftriebwasser ausgekühlt, oder ein Gegenstrom bringt schließlich wärmeres Wasser aus nörd
licheren Breiten. Wenn Pechuöl-Lösche von einer plötzlichen Temperatursteiger.ung von der
Tschilunga-Bai mit 19.5°—22.0° nach der Bai von Yumba mit 25.5°—26.3° im April 1 ) spricht, so ist diese
auf Verlassen des Auftriebgebietes, das in diesem Monate schon deutlich ausgeprägt ist, zurückzuführen.
Daß dieses Wasser wahrscheinlich nicht der Benguelaströmung entstammt, zeigen die Karten ebenfalls.
So wird auch die an den Golfstrom erinnernde tiefblaue Farbe und ungewöhnliche Klarheit des Wassers
erklärlich. Tritt hierzu noch ein Südstrom ein, so werden sich natürlich die Gegensätze verschärfen.
Diesen jedoch aus dem Guineastrom abzuleiten, ist deshalb noch nicht erforderlich. Jedes Abkurven
aus dem Bengualastrom, ja schon ein Verweilen in Stromstillen genügt, um dem mit starker negativer
Temperaturanomalie begabten Wasser in verhältnismäßig kurzer Zeit vön der Sonne und auch vom
Lande die Menge Wärme zuzuführen, durch die es von einem nach Norden gehenden Strome zu unter
scheiden ist. Doch wären diese Beobachtungen noch kein Beweis gegen die Abstammung des Wassers
aus dem Guineastrom. Wenn man jedoch bedenkt, daß in einigen Monaten die Häufigkeit des Süd
stroms vom Kongo nach Kap Lopez abnimmt, daß also die Strömung nach Norden zu an Beständigkeit
zunimmt, und daß überhaupt der Nordstrom im allgemeinen recht beständig fließt, so gelangt man zur
Überzeugung, daß der Südstrom nicht von so langer Dauer sein kann, um einen Weg von mehreren
hundert Seemeilen ungestört durchfließen zu können. Dies ergeben vor allem die Einzelbeobachtungen,
auf die bei Besprechung der Temperaturkarten eihgegangen werden soll.
Das Segelhandbuch geht noch auf die Besprechung weiterer Strombeobachtungen, besonders
deutscher Segler, ein. Wichtig für das Verständnis des nun folgenden Abschnittes ist das Endergebnis 2 ):
„Nach dem jetzigen Stande unseres Wissens scheint es uns das Beste zu sein, daß man zunächst etwas
weiter landabwärts, ungefähr 120 Sm. von der Küste, aufzukreuzen versuchen sollte, in der Weise etwa,
daß 2° südl. Br. in 6°—7° östl. L. und 4° südl. Br. in 9°—10° östl. L. geschnitten wird. Hier scheint
der Strom von durchschnittlich geringer Stärke zu sein und ebenso wie unter Land nicht selten in süd
licher und südöstlicher Richtung zu setzen. Dieser Neerstrom tritt wahrscheinlich nicht immer an der
selben Stelle, sondern bald näher, bald ferner der Küste auf. Wird durch die Beobachtungen fest-
gestellt, daß man einen Strich solcher günstigen Strömung erreicht hat, so sollte man sich beim Kreuzen
so viel wie möglich in diesem Striche zu halten suchen.“
V, Die Wärmeverteilung.
a) Monatskarten. (Tafel 4 und 5.) f
April, Wir beginnen die Betrachtung der einzelnen Monate mit dem April, in dem die Tempe
raturverhältnisse den normalen am nächsten kommen. Demgemäß müssen die Isothermen den Breiten
graden parallel gehen. Auf dem offenen Ozean ist dies wirklich der Fall. Die 28° Isotherme verläuft
ß Die Loango-Expedition 1873—76, III. Abt. I, S. 16, 17.
ß Segelhnndbnch des Atlant. Ozeans, 2. Anf!. S. 514.