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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte —• 1920 Xr. 5 —
Bei der Bildung der Jahreszeitenmittel wurden die Verhältnisse in den einzelnen Monaten ver
wischt. Der September mit seinen sommerlichen Windverhältnissen wird hier z. B. zusammengefaßt mit
den eigentlichen Herbstmonaten, die ganz anderen Charakter haben. Tab. 38 und 39 geben daher zu den
bisherigen Ergebnissen wesentliche Ergänzungen. Um ein Maß für die Schwankungen der Windstärke
zu bekommen, suchen wir die größten Unterschiede heraus, die in der 2000 m - Schicht über Hudova
während der verwerteten sechs Monate jeder Jahreszeit eingetreten sind. Winter (Mittel 8.7 mps), Maxi
mum (Januar 1917) 12.3, Minimum (Februar 1917) 6.7, Schwankung 5.6 mps. Frühjahr (Mittel 7.0), Max.
(März 1917) 9.8, Min. (Mai 1917) 4.6, Schwankung 5.2 mps. Sommer (6.4), Max. (Juni 1918) 7.5, Min.
(Juni 1917) 4.4, Schwankung 3.1 mps. Herbst (7.2), Max. (Oktober 1916) 9.7, Min. (September 1917) 5.1,
Schwankung 4.6 mps. Die Schwankung der Windgeschwindigkeit war also im Winter am größten, im
Frühjahr nur wenig geringer, am kleinsten im Sommer. Auf Grund der früher für die anderen
meteorologischen Elemente ausführlich gegebenen Tabellen läßt sich der Zusammenhang zwischen Wind
und Witterung leicht hersteilen.
Der jährliche Gang der mittleren Windrichtung weist die charakteristischen Züge auf, welche wir
bereits bei Betrachtung der Boden Windrosen aus der früheren Zeit sowie derWolkenzugsbeobachtungen in
Saloniki gefunden haben. Die letzteren passen sich entsprechend der durchschnittlichen Wolkenhöhe im
Sommer höheren Schichten an als im Winter; in der Bevorzugung der NE Komponente im Sommer auf
Kosten der N Richtung zeigt sich wohl lokale Beeinflussung. Im Sommer hat in Prilep und Hudova der
Wind mit Nordkomponente in allen Schichten sein Maximum. Der Winter steht ihm hierin wenig nach,
jedoch sind hier die Schwankungen etwas größer; der Wind mit S Komponente hat im Winter eine
größere Häufigkeit als im Sommer. Im Frühjahr und Herbst sind in den unteren Schichten die süd
lichen, in den oberen die südwestlichen und westlichen Winde auffallend bevorzugt. In den Bodenschichten
bleibt zwar noch der nördliche Wind in der größten Häufigkeit, der also hier das ganze Jahr hindurch
überwiegt, aber in den mittleren Schichten erscheint in diesen Jahreszeiten der Wind mit S und
SW Komponente teilweise als Maximum. Die E, in der Höhe auch SK und S Richtung haben das Häu
figkeitsminimum. Besonders im Sommer verschwindet in der Höhe der SE Quadrant so gut wie ganz;
er vereinigt in 5000 m Höhe über Prilep hi dieser Jahreszeit 3.7 % auf sich gegenüber 79.2 % des NW
Quadranten. Die Windverteilung in Drama zeigt in den Bodenschichten Ähnlichkeit mit der von Kavalla.
Während die N und NE Richtung im Winter den größten Wert, im Sommer den kleinsten hat, erreicht
umgekehrt die SE und S Komponente, in 500 m auch die SW Richtung ihr . Maximum im Sommer, das
Minimum im Winter. Im Frühjahr und Herbst tritt die E Richtung besonders hervor, während die W
und NW Richtung hier in den mittleren Schichten zurückbleibt. Für die höheren Schichten gilt das
selbe wie für Prilep und Hudova. In den Bodenschichten zeigt sich deutlich der Luftaustausch zwischen
Land und Meer; es wird hier wieder auf die Seewinduntersuchungen von J. Hollerer verwiesen.
Die Schwankungen in den Windverhältnissen während der Sommermonate ist auffallend gering.
Kleine Unterschiede kommen insofern vor, als neben der Nordwestrichtung einmal mehr die N, einmal
mehr die W Komponente vertreten ist. Als häufigste Richtung erscheint die WNW Richtung. Während
Sommer 1916 mittlere Verhältnisse zeigte, tritt der obige Unterschied zwischen den Sommern 1917
und 1918 hervor, besonders zwischen August 1917 und Juni 1918. Im Winter sind die Schwankungen
zwischen den einzelnen Monaten erheblich. In den unteren Schichten können die Windverhältnisse fast
entgegengesetzt sein. Einmal sind die südlichen und südwestlichen Winde bei weitem die häufigsten, die
nördlichen nur gering vertreten, wie im Dezember 1916 und Januar 1917, dann wieder können die nörd
lichen Winde völlig überwiegen und die südlichen und südwestlichen so gut wie ausfallen, wie im De
zember 1917 und Februar 1918. In 2000 m über Hudova hatte im Januar 1917 der SW Quadrant eine
Häufigkeit von 65 %, die N und NE Richtungen zusammen von 9 % (Dezember 1916 54 % bezw. 26 %),
dagegen im Februar 1918 der SW Quadrant 10 %, die N und NE Richtungen zusammen 45 % (Dezember
1917 18 % bezw. 46 %). Die NW Komponente in der Höhe ändert sich wenig.
Die Winde im Frühjahr und Herbst entsprechen dem Übergangscharakter dieser Jahreszeiten. Sie
sieben einmal dem einen oder dem anderen der oben gekennzeichneten Wintertypen nahe, bald zeigen