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Full text: 59, 1939

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineohservatoriums. — 59. Band. Nr. 6. 
b) Die räumliche Temperaturverteilung. 
Im 850-mb-Niveau herrscht am 6. Juni im großen und ganzen ein von Süd nach Nord 
gerichtetes Temperaturgefälle. Infolge der eindringenden Meeresluft und der damit ver 
bundenen Gewitter kühlt sich der Süden und Südwesten Europas bis zum folgenden Tage ab. 
Dadurch entsteht über Mitteleuropa das wärmste Temperaturfeld. 
Einen ähnlichen Temperaturverlauf beobachten wir in 700 und 550 mb Höhe, wenn dort 
die absoluten Änderungen auch weit geringer sind. 
An der starken Abkühlung vom 6. zum 7. Juni ist über Italien hauptsächlich die dort vor 
handene zyklonale Zirkulation beteiligt (Aufgleiten). Umgekehrt haben wir im NE des Auf 
stieggebietes eine große Erwärmung, die in den unteren Schichten der Sonneneinstrahlung zu 
verdanken ist; darüber kommt das Abgleiten in der entstehenden Antizyklone zur Geltung. 
Aus der positiven Temperaturänderung, die wir im Gebiet vor der langsam nach Nordost 
sich verlagernden Zyklone in den unteren Schichten beobachten, erkennen wir eine wesentliche 
Eigenschaft dieser Wetterlage, welche nach der Einteilung von R. Mügge (24) als „Typus II“ 
oder „subtropischer Wettertyp“ anzusprechen ist: Die Lebhaftigkeit der Zyklogenese hängt 
hier mit der Stärke der Sonneneinstrahlung zusammen. Ist auf diese Weise die Vertikal 
zirkulation erst einmal in Gang gebracht, dann sorgt das allgemeine Druckfeld dafür, daß kühle 
Meeresluft in die Gesamtzirkulation einbezogen wird. Der überhitzte Boden führt bei Tag zur 
Auslösung von Wärmegewittern. Diese treten aber nicht frontartig, sondern innerhalb des 
gesamten neuen Luftstroms, allerdings bevorzugt in der Übergangszone nach dem verdrängten 
Warmluftgebiet auf. Der Unterschied von Festland und Meer in der Zeit hoher Sonnen 
strahlung wird hier also sehr ausschlaggebend. 
Das Wolkenbild bestätigt diese orographische Bedingtheit unseres Tiefdruckgebietes, und 
es kommt auch hier der Gegensatz zur „dynamischen“ Frontalzyklone zum Vorschein. Eine 
solche zeichnet sich im zentralen Teil in unseren Breiten durch ein geschlossenes, sehr mäch 
tiges Wolkenfeld aus, das vom Boden aus mit dem Blick nicht zu durchdringen ist. Außerdem 
erweist sie sich gegenüber ihrer Umgebung als sehr feucht. Beides trifft bei vorliegender 
Wetterlage aber nicht zu. Mitten im Zentrum des Tiefs herrscht am Morgen des 7. Juni 
heiteres Wetter. Köln meldet zur Morgenstunde Wolkenlosigkeit. Das Flugzeug beobachtet 
nur in der Ferne Bewölkung, überwiegend cast-artig. Rings um den Tiefdruckkern sehen wir 
abwechselnd Cast- und Lent-Bewölkung. Das besagt, daß sich das warme Hochdruckgebiet im 
Osten stark gegen den Einfluß der zyklonalen Störung wehrt, bzw. daß das zyklonale System 
aus sich allein heraus noch nicht lebensfähig ist. Denn der Abgleitcharakter, der sich im 
Wolkenbild zu erkennen gibt, überlagert sich dem gesamten Massenfeld noch zu stark. So 
lange im letzteren nicht eine überwiegend aufwärts gerichtete Gleitbewegung feuchter Luft 
einsetzen kann, kommt es auch nicht zur Bildung einer Zyklone. Im allgemeinen sind diese 
Beziehungen umgekehrt verknüpft, und es werden diese Gleitbewegungen gerade erst von den 
Zyklonen und deren kohärenten Druckänderungsgebilden ausgelöst. Die umgekehrte Entwick 
lung ist anormal und nur in sehr beschränktem Maße möglich, um so weniger, je ungeordneter 
die Gleitbewegungen auftreten. Mit anderen Worten: Solange die Gesamtzirkulation allein 
von der Energiezufuhr vom Boden her abhängig bleibt, also stets nur Energie verzehrt, ohne 
daß aus gleichen Schichten oder aus der Gesamtströmung Energie nachgeliefert wird, bleibt die 
Zyklogenese nur schwach und geht bald wieder in Auflösung über. 
Die Abkühlung, die sich vom 6. zum 7. Juni auf den Süden Mittel- und Westeuropas be 
schränkt, erfaßt in den nächsten 24 Stunden im 850-mb-Niveau ganz Westeuropa. In den 
darüber liegenden Schichten ist sie über Nordfrankreich und Deutschland wirksam. Dagegen 
setzt von Süden her in der Höhe langsame Erwärmung ein. Im Nordosten steigen die Tem 
peraturen in allen Schichten an.
	        
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