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Full text: 37, 1914

Prof. Dr. G. Schott und Dr. B. Schulz: Die Forschungsreise S. M. S. „Möwe“ im Jahre 1911. A. Ozeanographie. 45 
Die in der Nordwestafrikanischen Region angestellten Beobachtungen der Richtung des Ober 
flächenstromes sowohl nach der Kimmwinkelmethode als auch nach Besteckversetzungen ergeben eine 
ausgezeichnete Übereinstimmung mit den herrschenden Anschauungen über die dortige Stromverteilung.') 
Mit nur sehr wenigen Ausnahmen besitzen die beobachteten Oberflächenbewegungen stark südliche 
Komponente, wie sich aus den Tabellen S. 11—13 ergibt. Diese in ihrer Regelmäßigkeit auffallende Übex-- 
einstimmung ist erklärbar dadurch, daß fast während der ganzen Zeit frischer nordöstlicher Wind 
herrschte. 
Am 30. Mai wurde bei NW-Wind OSO-Strom gefunden, am folgenden Tage bei NNW-Wind da 
gegen ein Strom nach SWzW V* W. Vom 1. Juni ab jedoch herrschte beständig der NO-Passat. Fast 
regelmäßig wurden Strömungen nach West- bis Süd-Richtung, also ungefähr parallel der Küste beob 
achtet. 
Das Mittel aus sämtlichen beobachteten Stromgeschwindigkeiten betrug 0.7 Kn oder 17 Sm im 
Etmal. Es ergibt sich also nach diesen Beobachtungen eine recht beträchtliche Geschwindigkeit der 
Bewegung des Wassers nach deutlich erkennbarer Richtung. Dies ist bemerkenswert, gehört doch nach 
den bisherigen Feststellxmgen die Kanarenströinung zu denen, in denen unregelmäßige Versetzungen 
von meist geringem Betrage anzutreffen die Regel ist. 1 2 ) 
II. Die Tiefenschichten. 
1. Überblick. 
Die charakteristischen Züge in Temperatur, Salzgehalt und Dichte der Tiefenschichten treten über 
sichtlich auf den Diagrammen der Tafeln 3—5 hervor. Es sind fast alle Serienbeobachtungen benutzt 
worden, um die folgenden drei Schnitte zu zeichnen, 1. einen Nord-Süd verlaufenden Schnitt durch den 
Kanaren ström (Stat. 4, 11—19, 25), 2. einen West-Ost verlaufenden „Mogadorschnitt“ in der 
Höhe von Mogador (Stat. 7—11), 3. einen NW-SO veidaufenden „D a k ar schni 11“ etwas nördlich von 
Kap Verde (Stat. 19—22). 
Der Längsschnitt durch den Kanaren ström (Taf. 3) läßt einen deutlichen Gegensatz 
zwischen der Nordhälfte und der Südhälfte der ganzen nordwestafrikanischen Region erkennen, wenn 
wir den Verlauf der Isohaiinen verfolgen. Die Grenze beider Hälften liegt etwa unter der Breite der 
Kanarischen Inseln oder etwas nördlich davon. Im nördlichen Teil der Region ist nämlich das Tiefen 
wasser von 600 oder 800 m an abwärts erheblich salzreicher als das Tiefenwasser der gleichen Schichten 
des südlichen Teiles. Hierfür bestimmend sind 2 ozeanographischeTatsachen: erstens drängt vom fernen 
Süden her, wie wir schon aus älteren Arbeiten 3 ) wissen und auch das vorliegende „Möwe“-Material in 
§ 12 und 13 noch weiter lehren wird, letzten Endes aus dem antarktischen Gebiet stammendes schwach 
salziges Wasser nordwärts, dessen bevorzugte zentrale Tiefenlage das Niveau von 800 m mit dem Salz 
gehaltsminimum zu sein scheint. Dieser Vorgang ist der wichtigere und entscheidende, denn er schafft 
schon an sich, indem wir es hier mit den letzten nördlichen Ausläufern dieses Unterstromes zu tun 
haben, einen Gegensatz zwischen Nord und Süd innerhalb der nordwestafrikanischen Region. Zweitens 
kommt, diesen Gegensatz noch steigernd, eine direkte Salzgehaltsvermehrung des Tiefenwassers der 
nördlichen Regionshälfte dadurch zustande, daß aus der Gibraltar-Straße ein salzreicher Unterstrom 
südwärts und südwestwärts sich ausbreitet; er bevorzugt seinerseits gemäß dem spezifischen Gewicht 
seiner Wassermassen die Tiefen von 1000 m, wo wir daher ein sekundäres Salzgehaltsmaximum beob 
achten. Das Zusammentreffen dieser wesensverschiedenen beiden Unterströme, ihre Über- und 
Untereinanderlage'rung und endliche Auflösung erfolgt anscheinend in der Nähe der Kanarischen Inseln. 
Halten wir uns zunächst streng an die von „Möwe“ beobachteten Zahlenwerte, so ist das „süd 
hemisphärische“ Salzgehaltsminimum auf rund 25°N-Br. bei Stat. 14 in 800m, auf 26° N-Br. bei Stat. 13 
1 ) Deutsche Seewarte, Atlas des Atlantischen Ozeans, 2. Aufl., Hamburg 1902, Tafel 3. 
2 ) Vergl. G. Schott, Geographie des Atlantischen Ozeans, Hamburg 1912, S. 159. 
3 J Forschungsreise S. M. S. „Planet“, 1906/7, III. Band, Ozeanographie von W. Brennecke, Berlin 1909, S. 71.
	        
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