36
Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1914, Nr. 1.
Die Wände der Böschungen müssen in ihrem Grundbau aus Felsen bestehen. Drei in N-S-Ricli-
tung durch die Kongo-Furche gelegte Schnitte (Fig. 9) liefern überaus große Böschungswinkel; das in
rund 15 Sm oder 30 km von dem Lande gelegte Profil ergibt bei 5 Sm Breite sogar eine Neigung bis zu
IBS/n}
Z5 ” \von Land
35 „ )
's ✓
yfioo
Böschurtgs winke! ■ 6 0
Fig. 9.
Profile in der Kongorinne.
22° (!) und noch in 35 Sm oder 60 km Landabstand finden wir einen Winkel von 8° da, wo das Riesental
bereits eine Breite von 8 Sm erreicht hat. Die Schnitte der Fig. 9 sind zunächst zehnfach übertieft ge
zeichnet, dann auch im richtigen Verhältnis der horizontalen und vertikalen Maße; man vergegenwärtige
sich dabei, daß das Gefälle von den Gipfeln des Berner Oberlandes nach Bern in einem Winkel von
durchschnittlich nur 4Vs° erfolgt.
Bei einer zwischen rund 20° und 21° schwankenden Oberflächentemperatur (September 1911) des
Kongowassers beobachtete „Möwe“ auf 812 m Tiefe eine Bodentemperatur von 5.20°, auf 945 m 4.59°, auf
1185 m 4.08°. Die Positionen, wo diese Messungen gemacht wurden (in der großen Karte Taf. 2 gekenn
zeichnet), liegen sämtlich im tiefsten Striche der Rinne; die Wärmegrade beweisen, daß innerhalb der
Rinne die Temperaturen so gut wie ganz genau mit denen übereinstimmen, die außerhalb, und zwar weit
draußen im offenen Ozean, beobachtet sind. 1 ) Hieraus wiederum darf gefolgert werden, daß unver-
mischtes Ozeanwasser am Boden der Rinne aufwärts gesaugt wird und das süße, warme, leichte Kongo
wasser nur eine dünne obere Schicht bildet. Daß dies letztere der Fall, dafür liegen ja auch direkte Be
obachtungen, z. B. von der Expeditionsreise S. M. S. „Gazelle“ 1874 und der „Valdivia“ 1898, vor.
Die von „Möwe“ auf dem Ankerplatz vor dem Kongo an den 4 Tagen des 7., 8., 9., 10. Sept. an-
gestellten Strommessungen in 0, 5, 15, und 25 m Tiefe sind in § 4, S. 14 zusammengestellt und diskutiert.
<) Vergl. die Temperatur karten im „Valdivia“-Werk, Band I (Jena 1902), Tai. XVI u. XVII.