Prof. Dr. G. Schott und Dr. B. Schulz: Die Forschungsreise S. M. S. „Möwe“ im Jahre 1911. A, Ozeanographie. 25
Im vorliegenden Falle, bei dem Beobachtungsmaterial von S. M. S. „Möwe“, wurde für die Stationen
20—55 immer nur die Angabe des einen Thermometers in dem durch Fallgewicht ausgelösten Kipp
rahmen für die Veröffentlichung benutzt. •—
Tiefenwasser wurde niemals araeometrisch untersucht, sondern alle Proben behufs späterer
Titration auf Chlorgehalt in kleine Fläschchen abgefüllt. Eine größere Zahl Proben ist auch in
evacuirte Böhren zur Untersuchung auf die Sauerstoffmenge eingeschmolzen worden; leider ist diese
mühsame Arbeit nicht nutzbar zu machen gewesen, da auf dem Transport fast sämtliche Röhren in
Bruch gegangen sind. Durch Vermehrung der Vorsichtsmaßregeln und der Verpackung gelang es
neuerdings, 1918, von den ostafrikanischen Gewässern durch „Möwe“ solche Wasserrohren unver
sehrt nach Hamburg zu transportieren; im übrigen wird beabsichtigt, künftig nach dänischem Muster
Wasserproben für Sauerstoffbestimmungen nach W i n k 1 e r s titrimetriseher Methode in besonderen
dazu geeigneten kleinen Flaschen mit eingeschliffenen Glasstopfen heimbringen zu lassen.
Ein besonderes und ein mißliches Kapitel stellt endlich die Bestimmung des Tiefenstromes
mittelst des Ek manschen Strommessapparates dar. Mit unermüdlichem Eifer hat das
Kommando den Strommesser arbeiten lassen, an den meisten Stationen die Beobachtungen in den Ein
zeltiefen mehrere Male wiederholend. Da das Instrument leicht ist und nur sehr schwer ein absolut
ruhiges Stehen im Strom erreichbar ist, sind die Ergebnisse durch Verstreuen der Kugeln in oft viele
Fächer im ganzen nicht recht befriedigend. Aber vorläufig kann eben nicht mehr verlangt werden.
Vor Anker liegend fand „Möwe“ naturgemäß geringere Schwierigkeiten. In offener See wurde der
feste Punkt im Raum soweit möglich dadurch geschaffen, daß „Möwe“ sich nach der Tiefenmessung
gewissermaßen am Lotdrahte verankerte, d. h. bei Abtrift, die am Schrägkommen des zum Boden reichen
den Drahtes sichtbar wurde, an den Draht sich stets wieder heranmanövrierte und also so gut wie tun
lich die Wirkung von Wind und Strom ausdampfte. Der Kommandant S. M. S. „Möwe“ hat bei den
besonderen Verhältnissen dieses Schiffes für sehr empfehlenswert gefunden, durch Rückwärtsgehen das
Schiff mit dem Heck in den Wind, bezw. Strom zu bringen. Die ganze Methode ist natürlich nur ein
Notbehelf, da die Gefahr einer Störung des Strommessers durch die Schrauben des Schiffes besteht, be
sonders, sobald etwas zuviel Bewegung dem Fahrzeuge erteilt wird. Ferner muß darauf geachtet
werden, daß der Kompaß des Strommessers beim Arbeiten in den obersten Schichten in Schiffsnähe
nicht durch die stählernen Massen eine erhebliche Deviation erleidet. 1 )
Die Kompaßdose des Instrumentes ist in 86 Fächer zu je 10° geteilt; die mißweisende Stromrichtung
wurde ermittelt aus der Summe der Produkte [Anzahl der Kugeln im Einzelfach X Fachnummer] divi
diert durch die Gesamtkugelzahl; so z. B. auf Stat. 25:
Die Kug<
Stück
¡ln lagen
in Fach
Produkte
Richtung nach
2
25
= 50
26.8 X 10° = mw. 268°
6
26
= 156
rw. 247°
3
27
= 81
1
30
= 30
1
31
= 31
13
CO
vH
OO
Tf
CO
= 26.8
Die Berichte des Kommandos über die Brauchbarkeit des Apparates lauteten zunächst zuver
sichtlich, solange das Schiff in ruhigem oder mäßig bewegtem Wasser arbeitete; so wird z. B. von Santa
Cruz (Kanar. Inseln) aus unter dem 6. VI. 1911 geschrieben:
„. . . Die Stromrichtungen unterhalb der Oberfläche wurden mit dem Strommesser von Ekman
festgestellt, der recht gute, gleichmäßige Resultate lieferte. Der Strommesser wurde zum Teil auf
') Vergl. hierzu K, Grein in Bulletin de l’Institut Oeeanographique de Monaco. Nr. 235. 20. 6. 1912.
Archiv 1914. 1. A