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Full text : 37, 1914

24

Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  1914,  Nr.  1

Leider  zerbrach  bei  Station  19  der  bis  dahin  benutzte  Kipprahmen.  Es  wurden  nun  von  Station
20  an  die  Beobachtungen  bis  200  m  Tiefe  mit  Hilfe  einer  besonderen  Winde  an  Steuerbord  ausgeführt
und  mit  dem  Krümmelschöpfer  zwei  Thermometer  hinuntergegeben,  sodaß  von  Station  20  an  auch
für  die  Tiefen  bis  200  m  zwei  Temperaturangaben  vorliegen.  Diese  Werte  zeigen,  wie  nicht  anders  zu
erwarten,  sehr  gute  Übereinstimmung.  Für  die  Tiefen  von  200  bezw.  400  m  ab  wurde  aber  außer  dem
einen  Thermometer  im  Kipprahmen  des  Krümmel-Wasserschöpfers  ein  zweiter  in  einem  P  r  o  p  e  11  e  rkipprahmen
  hinuntergegeben,  der  naturgemäß  unter  dem  Krümmelschöpfer  aufgehängt  werden
mußte.  Bei  dieser  Beobachtungsweise  ist  eine  strenge  Übereinstimmung  der  von  beiden  Thermometern
gelieferten  Werte  nicht  zu  erwarten,  da  der  Propellerkipprahmen  erst  während  des  Dralithievens  ausgelöst ­
  wird,  also  eine  Zeitlang  später  als  der  Krümmelschöpfer:  das  Thermometer  im  Propellerrahmen
gibt  also  die  Wassertemperatur  für  eine  geringere  Tiefe,  d.  h.  unter  normalen  Umständen  eine  etwas
höhere  Temperatur.  Die  Differenz  in  der  Angabe  beider  Thermometer  war  dabei  am  größten  in  geringen ­
  Tiefen,  weil  hier  mit  der  Tiefenabnahme  die  schnellste  Temperaturzunahme  eintritt.  Die
Reihenbeobachtung  in  Station  25,  12 c 2'  N-Br.  19°57'  W-Lg.  30.  6.  1911  liefert  ein  Beispiel  dafür.

Tiefe  in  m

400

600

800

1000

Angabe  des  Thermometers  im  Krümmel-Schöpfer

9.90

7.16

5.78

5.20

„  „  „  „  Propellerrahmen  .

10.12

7.32

5.80

5.21

Unterschied

0.22

0.16

0.02

0.01

Im  Mittel  der  Stationen  20—55  betrug  der  Unterschied  der  Angaben  beider  Thermometer  beim
Heraufholen  aus  der  Tiefe  von  400  m  0.38°,  600  m  0.16°,  800  m  0.11°,  1000  m  0.04°.  Dies  zeigt,  daß  in
1000m  Tiefe  die  Differenz  nur  noch  sehr  gering  ist,  sodaß  sich  sagen  läßt:  für  Tiefen  kleiner
a  1  s  1000m  liefern  Thermometer  im  Propellerkipprahmen  Werte,  die  den  heutigen ­
  Ansprüchen  an  Genauigkeit  nicht  genügen,  für  Tiefen  größer  als  1000m
dagegen  ist  der  Propelle  r  kipprahmen  bei  Temperaturmessungen  brauchbar
auch  bei  großen  Anforderungen  an  die  Genauigkeit.
Aus  der  Größe  der  Differenz  der  reduzierten  Angaben  beider  Thermometer  läßt  sich,  da  die
Temperaturgradienten  für  je  200  m  bis  1000  m  Tiefe  aus  den  Messungen  im  Kipprahmen  des  Krümmelschöpfers ­
  bekannt  sind,  ein  Anhalt  gewinnen  für  die  Strecke,  welche  der  auf  „Möwe“  benutzte  Propellerrahmen ­
  beim  Hinaufziehen  passiert  hat,  bevor  er  kippte.  Es  ist

der  Temperaturgradient  für  200  m

200—400
Hl

400—600
m

600—800
m

800—1000
m

Mittel  von  Station  20—55  ,

4.3°

2.3

1.3

0.49

Differenz  der  Angaben  beider  Thermometer ­
  nach  Hinaufholen  aus  400,
600,  800,  1000  m  Tiefe

0.38

0.16

0.11

0.04

Aus  der  Proportion  200:  x  =  4.3  :0.38  u.  s.  w.  lassen  sich  die  gesuchten  Strecken  berechnen;  es  ergeben
sich  die  Werte  18,  14,  17,  16  m.  Es  muß  also  im  Mittel  der  Propellerkipprahmen  erst
16m  aufwärts  durch  das  Wasser  gezogen  worden  sein,  bevor  er  kippte.  Dies
Ergebnis  mag,  wenn  auch  die  Propellerkipprahmen  im  einzelnen  etwas  verschieden  gefertigt  werden
(je  nach  der  Steigung  und  Größe  der  Flügel  unterscheiden  sie  sich  etwas),  und  wenn  auch  die  Geschwindigkeit ­
  des  Einhievens  eine  Rolle  spielt,  doch  einen  ungefähren  Anhalt  gewähren.
            
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