Joh. Mielke: Die Temperaturschwankungen 1S70—1910, in ihrem Verhältnis zu der 11jährigen Sonnenfteckenperiode. 21
Hierbei besagt „Tropen 1878—1905“, daß sich die darunter befindlichen Abweichungen auf den
durchschnittlichen Gang beziehen, der aus eben diesen Jahren gebildet wurde. Vertieft man sich in diese
Zahlen oder trägt sie, wie ich es getan habe, in ein Koordinatennetz ein, so erkennt man, daß die
Schwankungen in diesen Störungen anscheinend einer gewissen Periode unterliegen. Die höchsten positiven'
Störungen fanden sich etwa in den Jahren um 1878 und 1903 ein, ein höchster negativer Wert um 1889;
ferner scheinen die Störungen nach 1906 die Tendenz zu haben, immer mehr einer unteren Negativgrenze
zuzustreben, welche vielleicht um das Jahr 1912 fällt. Wie ist nun das Verhalten dieser Störungen vor
1870 gewesen? Die betreffenden Zahlen finden sich auf Seite 264 der schon mehrfach erwähnten Arbeit
von Koppen; der Vollständigkeit halber sei es mir gestattet, dieselben an dieser Stelle mitzuteilen:
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
1800
0.50
0.26
0.07
027
0.33
067
0.29
0.44
0.52
0.48
1810
052
1.31
0.49
1.09
0.37
0.76
0.02
0.53
069
0.05
1820
025
1.04
0.26
0.49
0.41
048
047
060
0.50
056
1830
0.30
0.37
0.01
034
0.79
0.33
0.33
0.42
021
0.32
1840
0.08
0.35
0.01
0.38
0.32
048
0.14
028
0.17
0.13
1850
046
0.23
0.02
033
0.02
0.44
0.44
0.14
024
0.07
1860
012
0.08
0.48
006
0.03
0.01
0.01
0 00
0.11
0.15
+ = fette Ziffer, — = magere Ziffer.
Die Störungen haben, wie deutlich zu ersehen ist, vor 1870 eine größere Schwankung nach der
positiven und negativen Seite hin gehabt, wie in der neueren Zeit. Dennoch läßt sich ganz gut eine ge
wundene Linie konstruieren, um die herum die Störungen schwanken. Diese Linie hat in folgenden Jahren
etwa Maxima: 1800 oder kurz vorher, 1823 und 1852 und Minima: 1812, 1833 und 1863. Kombiniert man
diesen Linienzug mit dem von 1870—-1910, so ergibt sich eine Störungskurve, welche in dem von Koppen
und von mir mit Temperaturkurven belegten Zeitraum also 1820—1910, 4 Maxima (1823, 1852, 1878, 1903)
und 3 Minima besitzt (1833, 1863, 1889), sodaß die Wendepunkte gleichen Zeichens etwa 27 Jahre von
einander entfernt sind.
Aus meinen Zahlentabellen geht hervor, daß sich auch hier der erste Dovesche Satz als richtig er
weist, der aussagt, die Temperaturabweichungen vom Normalen seien nicht örtlich beschränkt, sondern mehr
über größere Flächenräume in gleichem Sinne ausgebreitet. Da dieser Satz schon lange als feststehender
gilt, so ist er ja überhaupt als ein Kriterium hei der Auswahl der von mir untersuchten Stationen verwandt
worden. Doves zweiter Satz: negative Abweichungen in einem Erdteil werden durch positive in einem
andern kompensiert, scheint für den Zeitraum 1870—1910 nicht recht haltbar zu sein. So gewinnt man
z. B. bei einem rohen Ueberblick — eine genauere Untersuchung dieser interessanten Frage paßt nicht
in den Rahmen dieser Arbeit — folgendes Bild:
Das Jahr 1873 war in Europa: zu warm, Asien: zu kalt, Südamerika: in den Tropen zu kalt,
das übrige zu warm, Nordamerika: zu kalt mit Ausnahme der pacifischen Küste, Australien: unbestimmt,
Südafrika: anscheinend zu kalt. Resultat: Bei der Mehrzahl der Beobachtungsstationen zu kalt.
Das Jahr 1874: Europa: zu warm, Asien: in den Tropen zu kalt, das übrige zu warm, Süd
amerika: zu kalt, Nordamerika: zu warm, Australien: zu kalt, Südafrika: anscheinend zu kalt. Resultat:
Ein Ausgleich der positiven und negativen Abweichungen scheint vorhanden zu sein.
1875: Europa: zu kalt, ausgenommen Grönland und Island, Asien: Zentralasien zu warm, der
Westen und Südosten zu kalt, Südamerika: zu kalt, Nordamerika: zu kalt, nur der südliche Teil der Ver
einigten Staaten nicht, Australien: zu kalt, Südafrika: unbestimmt. Resultat: Das Jahr war fast überall
zu kalt.
1877: Europa: im Osten zu kalt, im Westen zu warm, Asien: zu warm, Südamerika: zu warm,
Nordamerika: zu warm, Australien zu warm, Südafrika: zu warm. Resultat: Die meisten Kontinente
waren zu warm.
1878: Europa: größtenteils zu warm, Asien: zu warm, Südamerika: zu warm, Nordamerika: zu warm,
Australien: zu warm, Südafrika: zu warm. Resultat: Das Jahr war für alle Erdteile zu warm.