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Full text: 36, 1913

Joh. Mielke: Die Temperaturschwankungen 1870—1910, in ihrem Verhältnis zu der 11jährigen Sonnenfleckenperiode. 15 
dem Umstand zusammenhängt, daß von den drei jetzt behandelten Schwankungen diejenigen nach 1900 
nicht solche Intensität erreichten, wie die beiden andern. Dies zeigt sich namentlich in den Tropen, wo 
wir als größte ausgeglichene Amplitude von 1820 — 1870: 1.7° haben, von 1870—1910: nur 0.9°. 
Sodann erscheint sowohl in den älteren Zahlen von Koppen als in den meinigen auffällig, daß die 
Zeit von einem Temperaturminimum zu einem Maximum in der Regel kürzer bemessen ist, als umgekehrt; 
ein Analogon finden wir in dem Verhalten der Sonnenflecken, nur ist bei diesen das Auf- und Absteigen 
bei weitem ungestörter als bei den Temperaturen. 
Drittens muß festgestellt werden, daß für die Tropen sowohl vor als nach 1870 ein deutlicher 
Parallelismus der Zahlen untereinander vorhanden ist, ein ähnliches Verhalten zeigen von den subtropischen 
Gebieten China und das Mittelmeer: beide Kurven laufen einander ziemlich parallel; während aber die 
Mittelmeerkurve bis 1854 gut mit den Sonnenflecken übereinstimmt, ist von dieser schönen Harmonie nach 
1854 nichts mehr zu spüren gewesen. In den kälteren Klimaten verliert dieser Parallelgang der Kurven 
untereinander sehr an Deutlichkeit, klar ist er eigentlich nur in Europa bis etwa 1890 und in Amerika un 
gefähr 1820—1840 und nach 1870. Eigentümlich ist, daß die Linie für Kalifornien ihre höchste Stelle etwa 
dann erreicht, wenn das übrige Amerika hinsichtlich der Wärme auf einem Minimum steht und umgekehrt; 
trotzdem läßt sich, wie oben gezeigt, der Zusammenhang mit den Sonrienfleeken für das ganze Amerika 
nachweisen. Im allgemeinen ist der Charakter der Kurven nach 1870 derselbe geblieben wie vor diesem 
Zeitpunkte, stimmte also irgend ein Gebiet vor 1870 mit den Flecken überein, so war dies im allgemeinen 
auch später der Fall, mit einer einzigen Ausnahme: Nordost-Amerika, welcher Bezirk nach 1870 mit am 
besten den Zusammenhang zwischen Temperatur und Sonnenflecken darbot, wo hingegen vorher von diesem 
Verhältnis kaum die Rede sein konnte. 
Störend bei dieser vergleichenden Betrachtung wirkt in vielen Gebieten die Lücke vor 1870 im Be 
trage von durchschnittlich 8 Jahren. Doch ist der Anschluß meiner Zahlen an die von Koppen dort, wo 
überhaupt einer vorhanden ist, nämlich in 10 Gebieten, ein ganz guter, besonders wenn man berück 
sichtigt, daß die Ivöppenschen Werte für 1870 -1871 etwas unsicher sind, da ihm eben diese beiden Jahr 
gänge nicht in dem Maße zur Verfügung standen, wie die früheren. 
Um die Gestalt der Temperaturkurven zu erklären, kann man, wie bereits erwähnt wurde, vermuten, 
daß die Kälte ihren Einfluß auf Nachbargebiete zu erweitern sucht. Ich habe deshalb für Eurasien alle 
die Gegenden markiert, die in meinem Material eine Senkung der Temperatur um das Jahr 1900 verzeichnet 
hatten; sie sind dann mit 1899/1902 oder dergleichen versehen worden. Es stellt sich heraus, daß zu 
kalt waren: 
W.- und N-Europa. . . 
S.- und Mittel-Europa 
O-Europa 
W-Asien 
0.- und S-Asien .... 
0-Afrika 
Australien 
1898 und 1900 
1899 „ 1901 
1900 „ 1902 
1900 „ 1903 
1901 „ 1903 
1901 „ 1904 
1901 „ 1904. 
Man könnte gleichsam von einem Wandern der Kältewellen von West nach Ost sprechen; der Zug 
ging langsam und an verschiedenen Stellen ungleich schnell vor sich. Wegen der kleineren Amplitude 
scheint mir die Welle von 1898—1901 eine sekundäre, eine Begleitwelle zu der Hauptkältewelle 1900 bis 
1904 zu sein. Diese letztere rief auf ihrem Lauf in Europa die Störung des Wärmemaximums um 1900 
hervor und fiel schließlich in den Tropen Asiens mit dem Wärmeminimum um 1905 zusammen. Woher 
diese Kältewellen kommen, wohin sie ziehen, ob sie in Amerika auch konstatiert werden können, und ob 
man überhaupt von einem Wandern der Kältewellen reden darf, ist eine Aufgabe, zu deren Lösung eine 
noch größere Anzahl von Beobachtungsstationen hinzugezogen werden muß; auch ist die Frage für mehrere 
Fälle, die Kältejahre um 1875, 1889 usw. zu prüfen; ich habe nur die Jahre um 1900 herausgegriffen, weil 
mein Material in dieser Zeit am meisten Zahlen aufweist. Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf die 
periodische Wiederkehr der kalten Jahre hinweisen, für die Koppen 1873 am Schlüsse seiner Arbeit eine 
Reihe aufstellt, derart, daß von 1740 ab alle 45 Jahre ein kaltes Jahr eintrat; doch konnte dieses Inter-
	        
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