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Volltext : 36, 1913

Joh.  Mielke:  Die  Tempevaturschwankungen  1870—1910,  in  ihrem  Verhältnis  zu  der  11jährigen  Sonnentleckenperiode.  13

vermag  ich  nicht  zu  entscheiden.  Jedenfalls  besaß  sie  keine  so  große  Intensität,  denn  die  Temperatur
bildete  gegen  1890  ein,  wenn  auch  geringes,  Maximum  aus,  sowie  es  die  Theorie  vom  Zusammenhang  zwischen
Sonnenflecken  und  Temperatur  erfordert.  Doch  schon  im  nächsten  Jahre  machte  sich  die  Kältewelle  wieder
mehr  bemerkbar,  und  da  von  1890  ab  sowieso  die  Tendenz  eines  Temperaturabfalls  bestand,  entwickelte
sich  1891  ein  Minimum.  Da  die  beiden  Aeste  der  T.  K.  von  1884—1886  einerseits  und  von  1894—1892
andererseits  gegen  das  Jahr  1888  oder  1889  konvergieren,  so  habe  ich  in  der  Zeichnung  den  hypothetischen
Verlauf  mitvermerkt,  desgleichen  in  der  JA.  AA.  das  Stück  Kurve,  welches  meiner  Meinung  nach  das  Maximum
um  1890  repräsentiert  hätte,  wenn  nicht  gerade  in  diesen  Jahren  die  Kältewelle  gekommen  wäre.
Betrachten  wir  nun  unter  diesen  Gesichstpunkten  die  rekonstruierte  JA.  K.,  so  ist  erkennbar,  daß
sich  im  Durchschnitt  in  den  fleckenarmen  Jahren  hohe  Temperaturen  in  Großbritannien  einfanden,  indem
1883  das  abgezogen  werden  muß,  was  1898  hinzu  zu  zählen  ist.
19.  Norddeutschland  und  Niederlande.
Die  Verhältnisse  liegen  hier  nicht  viel  anders  wie  in  18),  das  dort  Gesagte  findet  auch  hier  Anwendung. ­
  Ferner  scheint  es  sich  um  1877/78  um  einen  ähnlichen  Vorgang  zu  handeln  wie  1889:  1878  will
sich  ein  Temperaturmaximum  bilden,  was  daraus  zu  schließen  ist,  daß  die  Aeste  1871—1873  und  1888  bis
1883  gegen  dieses  Jahr  konvergieren,  als  eine  Kältewelle  1873  einsetzt,  welche  jedoch  nicht  so  stark  ist,
um  das  1878  zu  Recht  bestehende  Maximum  ganz  zu  verdrängen.  Dieselbe  Welle  rief  in  Oesterreich  ähnliche ­
  Erscheinungen  hervor,  nur  drang  dort  das  Maximum  bereits  1877  durch.  Dadurch  findet  auch  vielleicht
die  am  Schlüsse  des  Abschnittes  „Oesterreich“  offen  gelassene  Frage  nach  dem  Zusammenhang  der  niedrigen
Temperatur  1876.3  mit  der  Fleckentätigkeit  ihre  Beantwortung.  Fine  dritte  Kältewelle  scheint  nach
weiteren  12  Jahren,  um  1902,  hereingebrochen  zu  sein,  denn  auch  hier  konvergieren  die  Kurvenäste  1893
bis  1899  und  1908—1904  auf  etwa  1901.  Wir  hätten  demnach  in  diesem  Gebiet  drei  Kältewellen  zu  unterscheiden, ­
  welche  ungefähr  in  die  Jahre  1878,  1890  und  1902  fielen  und  so  den  Verlauf  der  idealen  T.  K.
als  Spiegelbild  der  S.  K.  störten.
20.  Nordwestrußland.
Die  Wendepunkte  finden  ungefähr  in  denselben  Jahren  statt,  wie  im  Gebiet  19,  nur  liegen  sie  in
der  Senkrechten  weiter  voneinander  entfernt.  Der  Vergleich  zwischen  T.  K.  und  S.  K.  läßt  nicht  auf  ein
Verhältnis  der  beiden  Kurven  schließen.  In  der  6.  Summationsreihe  erkennt  man  zwei  Maxima  und  drei
Minima,  welche  aber  so  liegen,  daß  Sonnenflecken  und  Temperaturen  ein  parallelles  Verhalten  zeigen.
21.  Ural.
Im  großen  ganzen  entsprechen,  abgesehen  von  1905,  den  kleinsten  Werten  der  Sonnenflecken  die
größten  der  Erdoberflächentemperaturen,  indem  man  die  Differenzen  1889  und  1901  als  sich  gegenseitig
aufhebend  betrachtet.  Viel  besser  kommt  jedoch  die  Beziehung  zu  den  Flecken  in  der  JA  K.  zum  Ausdruck.
22.  Nordwest  Amerika.
Da  im  allgemeinen  die  Temperaturen  1881  und  1893  tief  und  um  1889  und  1900  hoch  waren,  so
kann  man  wenigstens  bis  1902  hierin  eine  Bestätigung  der  Theorie  sehen.  Nach  1902  versagt  jedoch  die
Temperaturkurve.  Wie  im  übrigen  Amerika  und  den  Tropengebieten  macht  sich  ebenfalls  in  diesem  Gebiete ­
  eine  Temperaturerniedrigung  1898  bemerkbar.  Auch  hier  scheint  es  sich  in  den  Jahren  1885  —  1891
um  das  Eindringen  einer  Kältewelle  zu  handeln,  welche  aber  1888  und  1889  nicht  imstande  war,  das  dortige
Maximum  völlig  in  ihren  Bereich  zu  ziehen.  Die  M.  K.  ebnet  natürlich  sehr  die  Kurve,  verläuft  aber  der
T.  K.  ähnlich.
23.  Nordost  Amerika.
Der  Zusammenhang  zwischen  der  T.  K.  und  S.  K.  tritt  in  N.  0.  Amerika  klar  hervor,  die  Maxima
der  Temperatur  sogar  genau  zur  Zeit  des  geringsten  Fleckenbestandes,  während  die  Minima  in  einem  Falle
um  1  Jahr  vorauseilen,  im  andern  um  denselben  Betrag  Zurückbleiben.  Bereits  die  5.  Summationsreihe
läßt  das  sekundäre  Wärmemaximum  1881  zurücktreten  und  deutlich  erkennen,  daß  einem  aufsteigenden
Ast  der  S.  K.  ein  absteigender  der  JA.  Ai.  entspricht  und  umgekehrt.  Allerdings  bringt  sie  die  höchsten
Punkte  in  etwas  unvorteilhaftere  Stellungen  als  die  T.  K.
            
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