Joh. Mielke: Die Temperatursehwankungen 1S70—1910 in ihrem Verhältnis zu der 11jährigen Sonnenfleckenperiode. 7
Wir ziehen nun Gleichung (1.) von Gleichung (2.) ab oder umgekehrt und erhalten eine Anzahl n Gleichungen
von der Form
(3.) a (r — R) = t — T
welche wir so aufstellen, daß der Koeffizient von a immer positiv ist. Die Summe dieser n Gleichungen oder
a . 2' (r — R) = - (t — T)
gibt den Wert von a auf die möglichst beste Art“. Ist a negativ, so ist das Resultat dieser Periode der
Theorie über den Zusammenhang zwischen Sonnenfleckenhäufigkeit und Temperaturveränderlichkeit günstig,
das Gegenteil trifft für ein positives a zu.
Da ein Arbeiten nach dieser Methode bei weitem mehr Zeit erfordert als das nach der Ausgleichungs
oder Summationsmethode, so habe ich nur ein Gebiet mit wenig Stationen, Ilinterindien und Sunda, heraus
gegriffen und hierfür den Temperaturverlauf gezeichnet, sodaß für diesen Bezirk also die drei Methoden
untereinander verglichen werden können.
Unter den ausgeglichenen Kurven, den T. K., sind ferner die aus der Magelssenschen Rechnungs
art resultierenden Kurven (M. K.) graphisch dargestellt, von denen einige mehr als die Kurven der 1. Art
als besonders wirksame Beweise für den Zusammenhang der Temperaturveränderlichkeit und der Sonnen-
fiecken gelten können. Ein Uebelstand der fortschreitenden Summation ist die Verschiebung sämtlicher
Werte um 2—3 Jahre vorwärts. Diesen Fehler suchte ich dadurch zu eliminieren, daß ich das Jahr, welches
die Kurve nach der Summation eigentlich zum Anfangsjahr hat, also das erste Jahr der 6. Summations-
reihe, ersetzte durch das arithmetische Mittel aus diesem und dem 1. Jahre der 1. Reihe, so wurde 1885
z. B. ersetzt durch:
'/■2 (1885 + 1880) = 1882.5,
indem ich von dem Gedanken ausging, daß die Mitteltemperatur der Jahre 1880—1885 auch dem Mittel
jahre selbst, also 1882.5 zukommt. Vor der graphischen Verwertung wurde aus demselben Grunde die
Summe der 6. Reihe durch sechs und die der 5., falls diese schon gebraucht wurde, durch fünf geteilt; da
durch ist man gleichzeitig in die Lage gesetzt, die Kurven der verschiedenen Methoden unter sich zu ver
gleichen. Um das Operieren mit großen Zahlen zu vermeiden, habe ich ferner nicht die wirklich beob
achteten Temperaturen summiert, wie Magelssen es fordert, sondern die Abweichungen, was ja auf dasselbe
hinauskommt.
Ich gebe als Analogon zu der Zusammenstellung Köppens zunächst die Abweichungen der ganzen
Gebiete, welche sich in den Tabellen V befinden und lasse sodann eine Diskussion der dazu gehörigen
Kurven hinsichtlich ihres Verhaltens gegenüber den Perioden der Sonnenflecken folgen.
1. Unausgeglichene Abweichungen der Temperatur der Einzeljahre von der mittleren in Graden
Celsius. 1869—1910.