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Volltext: 36, 1913

Nr. 3. 
Die Temperaturschwankungeii 1870—1910 
in ihrem Verhältnis zu der lljälirigen Sonnenflechperiode. 
Ton Joh. Mielke. 
Sehr bald rach Entdeckung der Sonnenflecken durch den Engländer Ilarriot am 10. De 
zember 1610, neben dem aber auch Galilei und der Jesuit C. Scheiner aus Schwaben zu nennen 
sind, vermutete man einen unmittelbaren Einfluß der Flecken auf die Temperatur der Erdoberfläche. Der 
erste, der diesen Gedanken offen aussprach, war wohl der Jesuitenpater lticcioli. ln seinem Almagestum 
novum, Bologna (1651) behauptete er unter Berufung auf den warmen, fleckenarmen September 1632 und 
den kalten, fleckenreichen Juni 1642, daß hohe Temperaturen durch ein Nachlassen der Fleckentätigkeit 
und tiefe durch ein Wachsen derselben bedingt seien. Dieser Meinung war auch Athanasius Kircher. 
Genauer wurde die Frage jedoch erst von William Ilerschel untersucht, welcher die Fleckenmenge mit 
den Weizenpreisen der betreffenden Jahre verglich; er stellte für Windsor folgende Tabelle zusammen: 
Jahr 
Fleckenstand 
Preise im Mittel 
Jahr 
Fleckenstand 
Preise im Mittel 
1650—1671 
fast ganz ohne Flecken 
2 £ 10 s 5 l9 lud 
1695—1700 
keine Flecken 
3 f 3 s 3»/fi d 
1676—1684IV 
keine Flecken nacli Flamsteed 
2 7 7 
1700—1704 
Flecken 
1 17 Ills 
1685—1691 
mit Flecken 
1 17 l*/4 
1706—1709 
— 
2 3 7 l l3 
1686—1688 
1689— 1691 
1690— 1694 
nach Cassini keine Flecken 
mit Flecken 
1 15 */* 
1 12 10-/3 
2 9 4*/» 
1710—1713 
1714—1717 
r nur 1710 und 1713 1 
l je ein Flecken 1 
Flecken 
2 17 4 
2 6 9 
Diese Preise bezogen sich auf ein quarter Weizen zu 9 busheis. Hierzu ist aber zu bemerken, daß nach 
den Untersuchungen von R. Wolf 1660 ein Fleckenmaximum war, welches 1655 und 1666 von 2 Minimen 
umgeben war, während Herschel die Zeit 1650—1671 als fast ganz ohne Flecken bezeichnet. Jedenfalls zog 
er aus seinen Ergebnissen folgenden Schluß: In fleckenreichen Jahren sind die Getreidepreise niedriger, in 
fleckenarmen höher; da nun der größere Ertrag eine größere Fruchtbarkeit und diese wieder eine erhöhte 
Temperatur zur Bedingung hat, so müssen die Jahre mit vielen Flecken die wärmeren sein; Kälte käme da 
gegen den fleckenarmen Jahren zu. 
Diese Ansicht Herschels wurde in gewisser Hinsicht von Gruithuisen bestätigt, der, auf seine 
36-jährigen Erfahrungen in München gestützt, die Behauptung aufstellte, „beständig schöne Witterung auf 
der Erde entsteht, wenn auf der Sonne die veränderliche Witterung (Flockenbildung) auf hört; große Flecken 
rufen bei uns veränderliche, lokal sehr verschiedene Witterung hervor; je mehr unbehofte Flecken sich 
häufen, desto weniger wird die Temperatur der Erdatmosphäre erhöht, da nur beliofte, große Flecken mehr 
Wärme verbreiten“. 
Archiv 1013. 8.
	        
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