Dr. Carl Sehoy: Arabische Gnomonik.
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Besonders um eine zweckmäßige Festsetzung des Asr war es den Religionsgelehrten und Astronomen
vor allem zu tun, wurde doch dieser Tageszeit eine ganz besondere Bedeutung beigelegt. 1 )
Uns interessiert hier vor allem die Frage nach der zeitlichen Festsetzung des Asr. Wir können
aufgrund eingehender Nachforschungen hierzu folgendes berichten:
1) Bei Mudgea d’Ohsson (a. a. 0. pag. 173) heißt es, daß nach dem Imäm Schafiy (764—819)
die Gebetsstunde für das Asr in jenem Augenblick beginnen müsse, wenn die Sonnenuhr einen Schatten
gleich der Länge des Zeigers wirft; dieser Zeitpunkt des Tages heißt Asr-owel, erste Zeit, und der Moment
der doppelten Schattenlänge Asr-sany, zweite Zeit.
2) Bei demselben Gewährsmann findet man (ohne Nennung eines Autors) die Stelle: (ibid.) „Das
Ssalat Asr beginnt im Augenblick, wenn die Sonnenuhr einen Schatten gleich der doppelten Länge ihres
Zeigers zeigt, und endigt mit Sonnenuntergang“.
3) Nach dem Imams Mal eh und Hambeleh ist das Asr jene Zeit des Nachmittags, die mit
dem Augenblick eintritt, in welchem der Horizontalschatten gleich dem Mittagsschatten, vermehrt um die
Länge q des Gnomons ist. Es endigt, wenn der Gnomonschatten um die doppelte Höhe (2 q) des Gnomons
länger ist, als der Mittagsschatten. Diese Festlegung liât vor allem Eingang in die arabische Astronomie
gefunden und wurde auch von Abul Hassan akzeptiert.
4) Nach dem bekannten Koraninterpreten Hanife ist es kein Verdienst, das Asr möglichst frühe zu
vollziehen; er setzt deshalb seinen Beginn auf jenen Zeitpunkt fest, der mit dem Ende nach 3) identisch ist.' 2 )
5) Ihn Junis lehrt die Bestimmung des Asr an der Vertikalsonnenuhr, deren Zifferblatt in
der Meridianebene steht. Dies ergibt sich ausDelambre: Histoire de l’astronomie du moyen âge, pag. 131,
wo auseinandergesetzt wird, wie Ibn Junis einen solchen Verticalcadrau berechnet. Delambre sagt
wörtlich: „Quand l’ombre sera égale au style, c’est-à-dire vers le quart du jour, j’ignore si les Musulmans
avaient quelque devoir religieux à remplir; mais on voit plusieurs vestiges de l’importance
qu’ ils attachaient à cette égalité, que les gnomonistes modernes négligent entièrement“. Ihn Jûnis
hat für alle Tage des Jahres den so signalisierten Zeitpunkt berechnet, der, wie wir später sehen werden,
das ganze Jahr zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags eintritt. Zweifellos ist damit das Asr gemeint.
Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß diese Definition des Asrbeginns dieselbe ist, wie die unter 1)
erwähnte, da ja jene für eine Sonnenhöhe von weniger als 45° für den Horizontalcadran versagt. Allerdings
würde der frühe Eintritt des Asr (er liegt immer vor 3 Uhr) ganz im Sinne Mohammeds sein.
Bereits bei Abul Hassan ist die Festsetzung des Asr wie sie unter 3) angeführt ist, auf dem
Zifferblatt der Bazithah durch eine Kurve veranschaulicht, die man leicht erhält, wenn man alle Tageshyperbeln
mit den Kreisen zum Schnitt bringt, die man um den Fußpunkt des Gnomons als Mittelpunkt
mit einem jeweiligen Radius: Mittagsschatten + Länge des Gnomons (m + q) beschreibt. Doch sind die
Hassan sch en Asr-Liuien ganz unrichtig; auch scheint dem Marokkanischen Astronomen die Geometrie
derselben vollständig fern gelegen zu haben. Ich habe drei Asr-Kurven in das Netz der Stundenlinien und Hyperbeln
arabischer Sonnenuhren eingezeichnet und zwar für die Breiten <y, = 0°, = —30°, q = 45°. Nachstehend
will ich eine analytisch-geometrische Behandlung dieser merkwürdigen geometrischen Orte versuchen, die sich
m. W. noch nirgends findet. Die Gleichung der Asr-Kurve ist das Resultat der Elimination von <5 aus der
Gleichung der Tageshyperbel in Verbindung mit derjenigen des eben näher bezeichneten Kreises. Die erstere
findet sich als VI) bereits im ersten Kapitel. Wir schreiben sie zur bequemeren Isolierung von ô in etwas
veränderter Form und finden für unsere Kurve leicht folgendes Gleichungspaar:
x 2 (sin 2 ô — cos 2 q) + y 2 . sin 2 ô + q .x . sin 2 y = q 2 (sin 2 q — sin 2 d) 1)
q = q [ 1 + tang (<p — d)] II)
Unter Beachtung, daß o 2 — x 2 + y 2 ist, findet man aus I):
... x 2 cos 2 <p + q 2 . sin 2 q — q x sin 2 q
*) Vergl. hierzu J. Goldzieher: Die Bedeutung des Nachmittags im Islam (Archiv f. Religionswiss. IX. S. 293 ff.
7 ) E. \V. Lane: „An account of the manners and customs of the modern Egyptians“, London 1871, I. Vol. p. 91).