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Full text : 36, 1913

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Dr.  Carl  Sclioy:  Arabische  Gnomonik.

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irgend  eine  Rotationsfläche  als  Wassergefäß  annehmen.  Allein  solche,  wenn  auch  noch  so  reizvollen  Anwendungen ­
  der  Integralrechnung  auf  Probleme  der  antiken  Zeitmessung  liegen  uns  hier  zu  ferne,  als  daß
ein  näheres  Eingehen  auf  dieselben  in  Rücksicht  auf  unseren  Traktat  angezeigt  wäre.

IV.  Kapitel.
Die  Qibla,  Kiblali,  Kebla,  Keble  oder  Kebleheli.
Zu  den  verbindlichsten  Vorschriften  des  Korans  gehört  die  Innehaltung  der  Qibla  beim  Gebet.
Diese  Orientierung  nach  dem  Heiligtum  ist  übrigens  nicht  arabischen  Ursprungs,  sondern  wurzelt  im  Judentum. ­
  Nach  der  Ueberlieferung  ist  sie  so  alt,  wie  der  Tempel  selbst.  Die  Weiherede,  (Kön.  I,  8,  danach
Chron.  II,  6)  noch  deutlicher  aber  das  Buch  Daniel  (VI,  ll)  zeigen  uns  dies.  So  heißt  es  in  dem  letzteren:
„Als  David  nun  vernahm,  daß  der  Erlaß  ausgefertigt  war,  begab  er  sich  in  sein  Haus,  in  dessen  Obergemach
er  in  der  Richtung  nach  Jerusalem  geöffnete  Fenster  hatte,  kniete  täglich  dreimal  nieder,  und  betete  zu
seinem  Gotte  und  dankte  ihm,  ganz  wie  er  es  bisher  zu  tun  gepflegt  hatte“.  Nach  J.  Hamburger:
Real-Encyklopädie  für  Bibel  und  Talmud,  1883,  II,  pag.  1134,  besteht  für  den  Betenden  folgende  Vorschrift:
Außerhalb  Palästinas  wendet  sich  der  Gläubige  diesem  Lande  zu,  innerhalb  Palästinas  nach  Jerusalem,  in
Jerusalem  nach  dem  Tempel,  im  Tempel  nach  dem  Heiligtum.
„Selbst  in  den  Gebetsriten  war  Mohammed  anfänglich  von  den  Juden  abhängig,  er  wandte
sein  Antlitz  zeitweilig  beim  Gebet  nach  Jerusalem;  die  älteste  Moschee  in  Medina  ist  nach  Jerusalem  orientiert.
Aber  der  mächtigen  Judenherrschaft  gegenüber  war  der  Liebe  Mühen  umsonst.  Da  trat  am  IG.  Januar
G24  nach  Sonnenuntergang  ein  Mann  in  die  Moschee  und  rief  den  zum  Gottesdienst  versammelten  Gläubigen
zu:  ,Ich  komme  vom  Propheten  und  bringe  Euch  die  Nachricht,  daß  Gott  die  Qibla  abgeändert,  wendet
Euer  Gesicht  gegen  die  Ka’ba  zu  Mekka;  denn  diese  ist  von  nun  an  Eure  Qibla! 1  Alle  drehten  sich  um,
so  daß  die  Kinder  und  Frauen,  die  sonst  in  den  letzten  Reihen  standen,  nun  vorn  waren.  Die  Neuerung
machte  großes  Aufsehen  :  mit  gutem  Grund,  weil  sie  endgültig  mit  dem  Judentum  brach  und  die  Stiftung  der
arabischen  Nationalkirche  einleitete.“  (H.  Nissen,  „Orientation“,  I,  p.  70—72).
Selbst  ein  religiös  gleichgültiger  Islamite  weicht  von  dieser  Vorschrift  nicht  ab.  Carsten  Niebuhr
berichtet  in  seiner  „Reisebeschreibung  nach  Arabien“,  (I.  Bd.,  pag.  226)  daß  ihn  in  der  Wüste  herumscliweifende
  Beduinen  öfters  angefleht  hätten,  ihnen  die  Qibla  zu  bestimmen,  wenn  sie  ganz  ohne  Orientierung
waren.  Der  Behauptung  A.  Müllers  („Der  Islam  im  Morgen-  und  Abendlande“,  1883—1885,  I.  Bd.,  pag.  193),
daß  man  im  Zweifelsfalle  die  Richtung  nach  Mekka  durch  einen  Blick  auf  einen  zu  diesem  Zweck  angefertigtea
  Kompaß  festzustellen  pflege,  steht  folgende  Angabe  Carsten  Niebuhrs  (a.  a.  0.  pag.  226)  entgegen: ­
  „Die  Direktion  des  Weges  fand  ich  leicht  nach  einem  kleinen  Kompaß,  ohne  daß  es  die  Araber
merkten  oder  daß  es  einigen  Argwohn  erwecken  konnte;  denn,  obgleich  die  mohammedanischen  Gelehrten
Kompasse  haben,  um  danach  die  Keblah  in  ihren  Mosquéen  zu  bauen,  so  schien  doch  keiner  .der  herumstreifenden ­
  Araber  den  Gebrauch  desselben  zu  kennen.  Es  ist  also  wohl  nicht  sehr  zuverlässig,  wenn
man  in  den  Beschreibungen  von  Arabien  lieset,  daß  die  Karawanen  daselbst  nach  dem  Kompaß  reisen“.
Wie  schon  in  der  Einleitung  erwähnt,  wurde  die  Qibla  stets  auf  dem  Zifferblatt  der  Horizontalsonnenuhr ­
  gezogen,  aber  auch  in  den  Nischen  aller  Moscheen  und  auf  öffentlichen  Plätzen  mit  freier  Aussicht
pflegte  ihre  Festlegung  zu  geschehen. 1 )  Reiche  Muselmänner  lassen  sich  sogar  die  Qibla  in  ihrem  eigenen
Gebetszimmer  (Oratoire)  ziehen.  Hier  ist  der  Ort,  auf  die  schöne  Konstruktion  der  Qibla  einzugehen,  die
sich  in  den  Récréations  mathématiques  et  physiques,  1790,  Tome  III,  pag.  63  (nouvelle  édition  par  M.  Montucla)
  findet.  Montucla  behandelt  die  Aufgabe  der  sphärischen  Trigonometrie:  Gegeben  2  Seiten  eines
sphärischen  Dreiecks  und  der  eingeschlossene  Winkel;  einen  der  2  anderen  Winkel  zu  finden,  und  löst  dieselbe ­
  in  folgender  Weise:

')  Das  reich  ausgestattete  Werk  von  Mutige  a  d'Ohsson:  Tableau  général  de  l'empiré  otkoman,  Paris,  173S  gibt
auf  Tafel  XVI  eine  Abbildung  eines  solchen  öffentlichen  Gebetsplatzes.  Ein  pyramidenförmig  zugespitzter  Stein,  dessen
Vordertiäche  mit  der  ewigen  Lampe  geschmückt  ist,  markiert  die  Qibla.  Der  Betende,  der  auf  dem  Gebetsteppich  kniet
und  die  Lampe  anblickt,  wendet  damit  von  selbst  sein  Gesicht  gen  Mekka.
            
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