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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 1912, Xr. 2.
Die drei genannten Stationen zeigen das Maximum der Niederschlagstage im Januar. Adana und Mersina
haben daneben ein sekundäres Maximum im Mai, Tarsus im März. Hiernach würde, ein Parallelismus
zwischen der Zahl der Niederschlagstage und dem Gang der Bewölkung vorausgesetzt, dieser dem jähr
lichen Gang der Stationen des östlichen Mittelmeerbeckens ähnlich sein. Tschichatschclf *) allerdings hebt
die vorherrschenden südlichen Winde des Sommers hervor, die, an den Randgebirgen emporsteigend,
den Himmel selten wolkenfrei lassen, obgleich die Niederschläge zu dieser Zeit ihr Minimum haben. Wir
werden annehmen müssen, daß wenigstens mit zunehmender Höhe das Maximum der Bewölkung sich
allerdings mehr nach den Sommermonaten hin verlegt. Für die Westküste Kleinasiens besitzen wir Be
obachtungen zweier Stationen. Smyrna hat ein schwaches März-, Chios ein schwaches Februarmaximum
in merkwürdigem Gegensätze zu den Gradfeldern und Inseln des Ägäischen Meeres, zur Zahl der Regen
tage von Smyrna * 2 ) und zur Niederschlagsverteilung des Hinterlandes 3 ).
Das Binnenland, die zweite Klimaprovinz Kleinasiens 4 ), weist in seiner Mitte und im Süden den
Dezember, nach Norden zu den Januar als trübsten Monat auf, in den auch im Hochlande das Maximum
der Nebelbildungen fällt 5 ). Das Gebiet ist gekennzeichnet durch Frühlingsregen mit einem Maximum im
Mai und einem sekundären Maximum im Herbst 6 ), die Häufigkeit der Regentage ist am größten im Mai,
am kleinsten im Juli—Oktober. Auch hier stimmt also die Regenhäufigkeit und -Verteilung wenig 7 ) mit
dem jährlichen Gange der Bewölkung überein. Nach Norden zu geht dieser in den Typus der Nordküste
Kleinasiens über, der dritten Klimaprovinz dieser Halbinsel. Jener Typus zeigt im Westen ein Januar-,
nach Osten zu (Samsun) ein Februarmaximum. Dieses wird weiter östlich zum Märzmaximum, das nach
Schönrock für die Ostküste des Schwarzen Meeres charakteristisch ist 8 ).
In dem westlichen Teile des Schwarzen Meeres tritt ein Februarmaximum auf, das sich auch, be
gleitet von einem schwach ausgeprägten sekundären Novembermaximum, in ganz Ostrumelien zeigt.
In dem übrigen Teile des Balkans, mit dem unsere Übersicht abschließt, ist wieder, wenige hoch
gelegene Stationen ausgenommen, der Dezember der trübste Monat. An fast allen Stationen treten außer
dem sekundäre Maxima auf, im Osten Rumäniens und Bulgariens im Oktober oder Februar, in deren Westen
im März, in Serbien aber und Bosnien zum größten Teil im April. An dessen Stelle tritt, wie wir sahen,
an der dalmatinischen Küste wieder der März. Das Gebiet mit Dezembermaximum setzt sich weiter nach
dem östlichen und nordöstlichen Ungarn 9 ) sowie dem nördlichen europäischen Rußland bis Warschau fort 10 * )
und dehnt sich, daran anschließend, über Mittel- und Norddeutschland aus u ), nach dessen Süden und Süd
osten zu nach Eifert das Januarmaximum häufiger wird.
Erinnern wir uns des Dezembermaximums Mittel- und Süditaliens, so erkennen wir, daß die Alpen
im Norden, Süden und Osten von einem Gebiet mit Wintermaximum umgeben sind. Diese selbst nehmen
nun eine bemerkenswerte Ausnahmestellung ein, denn die Stationen ihrer Hochtäler und Gipfel haben
gegenüber den Stationen der Ebene einen veränderten jährlichen Gang, den wir den Höhentypus der Be
wölkung nennen. Da dieser gleichfalls an anderen hochgelegenen Stationen wiederkehrt und vermöge
seines Winterminimums für die Wertschätzung vieler Winterkurorte von hervorragender Bedeutung ist 12 ),
sei er hier im Zusammenhänge kurz erläutert.
c) Der Höhentypus der Bewölkung.
Wir konnten bisher in mehreren Fällen 1S ) feststellen, daß mit zunehmender Höhe der Grad der Be
wölkung zur Zeit der Äquinoktien sich steigert, während in den Wintermonaten und zu Beginn des Früh
q Tschicliatscheff, a. a. O. S. 223 und Krugler, a. a. 0. S. 101.
>) Met. Zschr., Bd. 27, S. 270. 1910.
a ) Fitzner, a. a. 0. S. 82.
4 ) Philippsoii, Das westliche Kleinasien. Zschr. d. Ges. f. Erdkde. zu Berlin, S. 263. 1904.
5 ) ®) Fitzner, a. a. O. S. 83/85.
’) Bei einigen Stationen zeigt sich ein schwach angedeutetes sekundäres Maximum im März bis Mai.
s ) Schönrock, a. a. O. S. 25.
s ) Hegyfoky, a. a. O.
10 ) Schönrock, a. a. O. S. 27.
i») Eifert, Pet. Mitt. 1890, S. 140.
,2 ) Hann, Handbuch der Klimatologie, Bd. 1, S. 245, 3. Aufl.
13 ) Vgl. S. 14 u. 16.