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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 1912, Nr. 2.
öder erscheinen läßt 1 ). Ihn beseitigen erst die beträchtlichen herbstlichen Kondensationen des Wasser
dampfes, eine Folgeerscheinung des Überganges des Barometerminimums vom Sommer in das Luftdruck-
maximum des Winters.
Unter ähnlichen Verhältnissen finden wir das ganz analoge Verhalten des jährlichen Ganges der
Bewölkung im Innern von Algerien und Tunis. Während an der Küste von Nordafrika und im Teil analog
der Niederschlagsverteilung 2 ) das Maximum der Bewölkung auf den Dezember, ein sekundäres Maximum
auf den März-April fällt, rückt auf den Hochebenen das Hauptmaximum in zahlreichen Fällen nach dem
März, während die Herbstmonate ein sekundäres, bisweilen absolutes Maximum aufweisen.
Und ganz ähnlich dürften die Verhältnisse in Westmarokko liegen, das Fischer in drei Klimazonen
einteilt 3 ): das Küstenland, das Atlasvorland und das Gebirgsland. Von den beiden letzteren weist nur
das Atlasvorland eine Station, Marrakesch, auf. Sie zeigt in der Tat das Hauptmaximum im April, ein
beträchtliches sekundäres Maximum im November, analog den Stationen in Algerien. Ohne auf zusammen
hängende Beobachtungen sich stützen zu können, vermutete schon Fischer, daß das Maximum der Nieder
schläge nicht auf die Zeit des niedrigsten Sonnenstandes, sondern auf die Äquinoktien, namentlich die des
Frühlings, fällt 4 ). Dasselbe wird auf Grund von Reiseberichten auch vom Gebirgsland anzunehmen sein.
Das Küstengebiet aber zeigt eine bemerkenswerte Abweichung gegenüber den Küstenstrichen, die
wir bisher behandelt haben. Im kleinen wiederholt sich zwar an der Küste Westmarokkos dasselbe, was
im großen für das ganze Mittelmeergebiet maßgebend ist. Die trockenen aus Nordosten kommenden
Passatwinde nehmen von Norden nach Süden an Dauer, Stärke und Häufigkeit zu. Im Sommer herrschen
sie überall, im Winter treten an ihre Stelle von Süden nach Norden mit zunehmender Häufigkeit die regen
bringenden West- und Südwestwinde bis zur völligen winterlichen Herrschaft im Norden. Demgemäß ver
teilen sich auch die Niederschläge über das'Jahr. Die Regenzeit liegt im Winterhalbjahr und nimmt von
Süden nach Norden an Dauer zu 5 ). Die anderen klimatologischen Elemente zeigen aber eine bemerkens
werte Anomalie im jährlichen Gange. Die Nordostwinde sind ja ablandige Winde und bewirken an der
Küste den Auftrieb kalten Tiefenwassers 6 ). Eine erhöhte relative Feuchtigkeit, Taubildungen, Nebel und
eine verstärkte Bewölkung sind die Folge der Abkühlung der unteren Luftschichten. Indem aber jene
Klimaelemente in letzter Abhängigkeit von der Wirkung der Passatwinde stehen, werden sie mit nach
Süden zu wachsender Tendenz in Parallele zu deren maximalen sommerlichen Wirksamkeit im jährlichen
Gange ein Sommermaximum aufweisen. In der Tat fällt im Süden von Westmarokkos Küste das Maximum
der relativen Feuchtigkeit 7 ) und der Bewölkung in den Sommer. Kap Juby hat den trübsten Himmel im
Juli, den heitersten im Januar, in vollem Gegensätze zu fast allen anderen Stationen des Mittelmeergebietes
und doch unter dem Einflüsse derselben Wind Verteilung. Bereits Mogador hat im Gegensätze zur relativen
Feuchtigkeit und in Analogie zu den Niederschlägen das Maximum der Bewölkung im November, ein
sekundäres Maximum im Februar, und weiter nördlich in Saffi und Casablanca ist der April der trübste
Monat. Auch landeinwärts verschwindet wahrscheinlich das Sommermaximum bald 8 ) zugunsten eines
Frühlings- oder Herbstmaximums.
Wir- konnten das Gebiet mit diesem Maximum über das Innere aller Länder mit Ausnahme von
Mittel- und Süditalien verfolgen, die das westliche Mittelmeerbecken umgeben, während die Küsten schon
vielfach ein Winterinaximum zeigten. In dem westlichen Mittelmeerbecken selbst ist die Eintrittszeit des
Maximums schwankend; dessen westlichen Teil bis Sardinien-Corsika können wir noch zu unserem Ge
biete hinzurechnen. Hier überwiegt der November als Eintrittszeit des Maximums, während in vielen
Fällen ein beträchtliches sekundäres Maximum im Mai erscheint. Im Tyrrhenischen Meere gewinnen aber
schon bei weitem die Wintermonate, besonders der Dezember, als Eintrittszeit maximaler Bewölkung die
') M. Willkomm, Gruudziige der Pflanzenverbreitling auf der Iberischen Halbinsel. Leipzig 1896.
2 ) Hann, Handbuch der Klimatologie Bd. 3, 3. Aufl., ¡8. 73/75. Tab. S. 71.
3 ) Th. Fischer, Zur Klimatologie von Marokko. Zschr. d. Ges. f. Erdkde. zu Berlin Bd. 3?. 1900.
4 ) Th. Fischer, a. a. 0. S. 403.
*>) Th. Fischer, a. a. 0 S. 374, und Hann, Handbuch der Klimatologie, 3 Aufl., ¡8. 57.
6 ) Th. Fischer, a. a. 0. S. 378, und Th. Fischer, Studien über das Klima der Mittelmeerländer, Pet. Mitt.
Ergh. 58, S. 24.
7 ) Hann, Handbuch der Klimatologie Bd. 3, 3. Aufl., S. 57.
8 ) Th. Fischer, a. a. O. S. 398.