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neben einander befindlichen Dekadenrubriken durch ein Kreuz (f) bemerkt,
und die Beträge selbst in Tabelle II unter Kolumne ß, gleichfalls auf Zehn
theile der Sekunde abgerundet, normirt sind.
Der Einblick in die Gangtabellcn läfst sofort erkennen, dafs die vier
ersten mit den Nummern: 1. (W. G. Ehrlich No. 389) 2. {M. Gcrlin No. 985)
3. (W. Blocking No. 991) und 4. (Gcbr. Eppuer No. 223) bezeichneten Chronometer
wesentlich hervorragen und dafs ihr Verhalten in der Prüfung ein „ausge
zeichnetes“ gewesen ist. Ganz besonders ist dies bei den Chronometern
No. 1 und 2 der Fall, und ist namentlich bei No. 1 die Leistung, welche der
Verfertiger Herr Ehrlich mit seinem Chronometer erzielt hat, eine geradezu
erstaunliche, und meines Wissens bisher auf dem Gebiete der Chronometer
verfertigung noch nicht vorgekommen. Die äufserst kleinen Schwankungen,
welche dieses Chronometer in seinen Gängen bei der Untersuchung gezeigt hat,
sind vorwiegend auf eine höchst geringfügige Acceleration zurückzuführen,
währond die Kompensation, eine kontinuirlich wirkende, als durchaus gelungen
erscheint. Auch bei den Chronometern No. 2 und 3 scheinen die sehr un
bedeutenden Abweichungen in den Gängen wesentlich von der noch vorhandenen
kleinen Acceleration herzurühren. In Geinäfsheit des in dem Konkurrenzaus-
sekreiben vom Juni 1881 seitens der Kaiserlichen Admiralität gemachten
Anerbietens, wurden diese Chronometer, da sie den gestellten Anforderungen
entsprechen, von der Admiralität um die nachstehenden Preise angekauft.
1 W. G. Ehrlich
No.
389 zum
Preise
von
1500 Mark
2 M. Gerlin
n
985 „
S)
w
1200 „
3 W. Blocking
y>
991 „
n
y>
1000 „
4 Gcbr. Eppuer
Tf
223 „
r>
r>
1000 „
Es folgen hierauf die Chronometer No. 5—16 mit den charakteristischen
Zahlen 38,2—45,8 Sekunden, denen bei der Vorzüglichkeit, mit welcher die
Kompensation gelungen ist, das Prädikat: „von besonderer Güte“ gebührt.
Die Reihenfolge ist — besonders bei den Instrumenten 6—8, 9—11 und
12—13 — eine etwas illusorische, indem die dieselbe bestimmenden Zahlen
wiederholt nur um wenige Ilundertthcile der Sekunde von einander abweicheu
und etwaige kleine unvermeidliche bei den Vergleichungen vorgefallene Beob
achtungsfehler die hier gegebeno Folge sofort alteriren würden.
Als „recht gut“ und „gut“ sind ferner die Chronometer No. 17 bis 21
zu bezeichnen, nur dafs die charakteristischen Werthe A -f 2 B bereits au-
l'angon, gröfsere Beträge bis zu 56 Sekunden anzuuehmen. Die jetzt folgende
letzte Gruppe umfafst die übrigen Chronometer von No. 22 bis 30. Während
die ersteren derselben bis No. 26 noch für die Zwecke der Schiffahrt als
„brauchbar“ bezeichnet werden dürfen, zeigen sich bei den letzten vier Uh reu
die Einwirkungen einer mangelhaften Kompensation, verbunden mit starker
Acceleration, in stetiger Zunahme begriffen, und es sind dieselben als in der
Konstruktion verfehlt zu betrachten.
Schliefslich fühle ich mich gedrungen, meine Ueberzeugung dahin aus
zusprechen, dafs, wenngleich diese nunmehr beendigte fünfte Konkurrenzprüfung
an Zahl der ciugelicfcrten Instrumente gegen die früheren um etwas zurück
steht, diesolbe, was die allgemeine Güte der untersuchten Uhren anbelaugt, alle
vorhergehenden übertrifft.
Es sind nicht nur die eminenten, zum Theil bisher noch nie erreichten
Leistungen einzelner Instrumente, welche mich zu diesem Ausspruch veranlassen,
sondern es macht die grofse Anzahl ausgezeichneter Uhren und der auffallend
geringe Procentsatz der mangelhaften Chronometer diese Prüfung meiner Ueber
zeugung nach zu einer der interessantesten aller bisher, hier oder au
anderen Orten abgehaltenen Konkurrenzpnifungcn, auch legt dieselbe meines
Dafürhaltens ein eklatantes Zeugnifs ab für den wesentlichen Fortschritt,
welchen die Chronometer-Industrie seit Einführung der Konkurrenzprüfungen
auf der Seewarte in Deutschland gemacht hat.
Hamburg, Mai 1882.
George Rümker.