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Volltext : 35, 1912

Bewölkung  und  Sonnenschein  des  Mittelmeergebietes.

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Es  ist  jedoch  wohl  möglich,  daß  die  fehlenden  Nachtbeobachtungen  auch  hier  noch  niedrigere  Bewölkungsmittel ­
  ergeben  würden.  Sonst  liegt  das  absolute  Minimum  bei  allen  Kurven  abends  oder  in  der  Nachtzeit,
während  zu  Mittag  höchstens  sekundäre  Minima  auftreten.  Nach  der  Lage  der  Maxima,  die  auch  hier
sehr  verschieden  ist,  wird  man  am  besten  eine  Ordnung  der  Tabellen  des  täglichen  Ganges  vornehmen,
und  zwar  je  nachdem  dieselben  während  des  ganzen  Jahres  in  der  gleichen  Tageszeit  eintreten  oder  im
Laufe  der  Monate  ihre  Lage  innerhalb  der  Tagesperiode  ändern.  Sekundäre  Maxima  und  Minima  stellen
die  Übergänge  von  einem  Typus  zum  anderen  her.
Stationen,  an  denen  während  des  Tages  die  Bewölkung  nur  mittags  ihren  größten  Betrag  erreicht,
kommen  nicht  vor,  auch  solche  nicht,  die  nur  Vormittagsmaxima  aufweisen,  man  müßte  denn  Toulouse  zu
ihnen  rechnen,  wo  alle  Maxima  in  die  Zeit  von  12 a  bis  9 a  fallen  mit  Ausnahme  eines  einzigen  ÖP-Maximums
im  Mai,  das  ein  sekundäres  Yormittagsmaximum  gerade  noch  übertrifft.
Nur  nachmittags  hat  in  allen  Monaten  Marseille  die  größte  Bewölkung.  Im  Sommer  verlegt  sich
diese  nach  den  Abendstunden,  um  im  Winter  nach  dem  frühen  Nachmittag  zurückzuwandern.  In  Parallele
dazu  verschiebt  sich  das  absolute  Minimum  von  der  Zeit  zwischen  10p  und  7 a  im  Sommer  nach  7p  im
Winter.  Sekundäre  Minima  sind  selten  und  nur  wenig  ausgeprägt,  wie  überhaupt  der  An-  und  Abstieg
der  Kurven  recht  gleichmäßig  verläuft.  Ein  etwas  bewegteres  Bild  bieten  dagegen  die  täglichen  Perioden
der  Höhenstation  des  Pic  du  Midi.  Auch  dort  fallen  die  absoluten  Maxima  nur  auf  die  Nachmittagsstunden
  (3p).  Auffällig  ist  aber  hier  die  Ausbildung  sekundärer  Mittagsminima  in  den  Wintermonaten.
Diese  erinnern  an  das,  was  Hann  für  den  täglichen  Gang  der  Bewölkung  und  Sonnenscheindauer  der
alpinen  Höhenstationen  abgeleitet  hat  *),  daß  nämlich  in  den  Alpen  die  Berghöhen  im  Winter,  der  Zeit  der
geringsten  Insolation,  in  den  Mittagsstunden  die  größte  Häufigkeit  des  Sonnenscheins,  d.  h.  die  geringste
Bewölkung  haben,  und  daß  gegen  den  Sommer  die  Sonnenscheindauer  um  die  Mittagszeit  ah-,  d.  h.  die
Bewölkung  zunimmt.  Vergleicht  man  schließlich  die  sommerlichen  Tagesperioden  des  Pic  du  Midi  (besonders
Juni)  mit  den  entsprechenden  Perioden  des  unter  gleicher  Breite  gelegenen  Plateaus  der  Rocky  Mountains  2 ),
so  zeigt  sich  eine  große  Übereinstimmung,  die  zwischen  den  Tageskurven  des  Pic  du  Midi  und  jenen
anderer  Stationen  nicht  besteht.
Weit  häufiger  ist  der  zweite  Typus  vertreten,  der  dadurch  gekennzeichnet  ist,  daß  das  Maximum
im  Verlauf  der  Monate  seine  Lage  auf  immer  andere  Tageszeiten  verlegt.  Faßt  man  den  Zeitverlauf  vom
Winter  zum  Sommer  ins  Auge,  so  kann  zunächst  diese  Verlegung  vom  Vormittag  auf  den  Nachmittag
stattfinden.
Das  ist  der  Fall  bei  der  Station  Madrid.  Vom  November  bis  Januar  fällt  die  größte  Bewölkung
auf  den  Vormittag  (9 a ).  Im  Februar  ist  nur  noch  ein  sekundäres  Maximum  vorhanden,  das  von  dem
absoluten  Maximum  von  3p  um  Weniges  übertroffen  wird.  Dieses  prägt  sich  nach  dem  Sommer  zu  immer
schärfer  aus,  während  gleichzeitig  um  9«  ein  sekundäres  Minimum  erscheint,  hervorgerufen  durch  die
Zunahme  der  Bewölkung  in  den  Morgenstunden.  Diese  Erscheinung  der  Herausbildung  zweier  Maxima
bei  gleichzeitiger  Verlegung  der  absoluten  Maxima  vom  Vor-  auf  den  Nachmittag  ist  auch  für  Potsdam
eigentümlich,  wie  Meißner  an  der  Hand  von  Kurven  dargelegt  hat 8 ).  Ganz  unverkennbar  ist  ferner  die
große  Ähnlichkeit  des  täglichen  Verlaufes  der  Bewölkung  von  Madrid  und  Wien 4 )  während  des  ganzen
Jahres,  wie  ein  Vergleich  mit  einer  Tabelle  in  dem  Aufsatze:  „Über  den  täglichen  Gang  einiger  meteorologischer ­
  Elemente  in  Wien“  4 )  lehrt,  in  dem  auch  auf  die  Abhängigkeit  des  täglichen  Ganges  der  Bewölkung
von  dem  der  Temperatur  hingewiesen  ist.
Ganz  ähnlich  liegen  die  Verhältnisse  in  Lyon  und  Belgrad.  Auch  hier  wird  das  absolute  Vormittagsmaximum ­
  der  Wintermonate  im  Sommer  zum  Nachmittagsmaximum.  Sekundäre  Maxima  sind  im  Gegensätze ­
  zu  Lyon  bei  Belgrad  gut  ausgeprägt  vorhanden;  sie  liegen  zum  absoluten  Maximum  meist  symmetrisch
*)  Hann,  Handbuch  der  Klimatologie  Bd.  1,  3.  Aufl.,  S.  247.
2 )  Hann,  Über  den  täglichen  Gang  des  Luftdrucks,  der  Temperatur,  der  Feuchtigkeit,  Bewölkung  und  Windstärke
auf  dem  Plateau  der  Kocky  Mountains.  Sitzungsber.  d.  mathem.-naturw.  Klasse  d.  Kais.  Akad.  d.  Wissensch.  in  Wien.
Bd.  83,  II.  Abt.,  S.  500.
8 )  Meißner,  Bewölkung  und  Sonnenschein  in  Potsdam.  Met.  Zschr,  Bd.  24,  S.  407.  1907.
4 )  Hann,  Über  den  täglichen  Gang  einiger  meteorologischer  Elemente  in  Wien  (Stadt).  Sitzungsber.  d.  Wien.  Akad.
B  d.  83,  11.  Abt.,  Febr.  1881;  Eef.  Zschr.  d.  öst.  Ges.  f.  Met.  Bd.  16.  1881.

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