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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 1911, Nr. 1.
Wichtig ist der Einfluß einzelner Regenfälle auf den Salzgehalt der Meeresoberfläche
schon deshalb, weil isolierte, ungewöhnliche Werte häufig dadurch erklärt werden müssen. Allerdings darf
das Schiff nach Möglichkeit überhaupt keine Orts Veränderung vorgenommen haben *)• Deshalb sind fast
alle bisherigen Angaben nicht verwendbar, und auch einzelne Beobachtungen auf meiner Reise, die auf
solche Beeinflussungen schließen lassen, können nicht als absolut sicher angegeben werden. Ein Beispiel
mag darum genügen. Am 0. Oktober 1908 war morgens um 0V4 Uhr eine Wasserprobe geschöpft. Eine
halbe Stunde später setzte ein heftiger Regen (5 mm) ein, der ungefähr U) Minuten dauerte. Das Schiff
lief in der Zeit etwa 1 Seemeile weiter. In dem Augenblicke, in dem der Regen aufhörte, wurde wieder
Wasser aufgeschlagen. Ergebnis: vorher 30,22°/oo, nachher 35,97 °/oo, abends wieder 30,18°/oo. Also Ein
fluß des Regens 0,25 °/oo. Auf ein anderes Beispiel wird bei der Temperatur noch eingegangen werden.
Für Beobachtungen über den täglichen Gang des Salzgehaltes an der Meeresoberfläche gilt
dasselbe wie für den Einfluß des Regens. Für völlig einwandfreie Ergebnisse ist ein fester Beobachtungs
ort erforderlich. Aus diesem Grunde liegt über die tägliche Periode nur eine einzige Angabe von
Brenn ecke 2 ) vor. Während der Ablotung des Walfischrückens befand sich der „Planet“ mehrere Tage
ohne große Ortsveränderung in demselben Strömungsgebiet. Es wurde um 8 Uhr morgens und 4'/* Uhr
nachmittags beobachtet. Sämtliche Morgenbeobachtungen ergaben 35,00° 00, sämtliche Nachmittags
beobachtungen 35,40°/oo. Brenn ecke schließt daraus, daß das durch die Verdunstung im Laufe des Tages
schwerer werdende Wasser in den Mittagsstunden absinkt und kälteres, salzarmeres Wasser an die Ober
fläche tritt. Diesen Schlüssen ist durchaus nicht beizutreten. Einmal ist die Ortsveränderung doch vor
handen, so daß schon dadurch in dem küstennahen Auftriebgebiet der Benguelaströmung Änderungen ein-
treten können. Auch ist gerade am 27. März 1906, an dem der Unterschied der Position der Morgen- und
Nachmittagsbeobachtungen am geringsten — rund 10 Seemeilen — ist, der Salzgehalt morgens 35,48, nach
mittags aber 35,59°/oo. Weiter haben unsere Versuche im Verdunstungsgefäß einwandfrei gezeigt, daß
schwerer werdende Teilchen sofort sinken, andere emporsteigen, wieder sinken usw. Der Betrag der Salz
gehaltszunahme ist jedesmal minimal und demgemäß auch die erreichte Tiefe. Deshalb können die im
Laufe eines halben Tages aufsteigenden Teilchen jedesmal auch nur aus geringer Tiefe stammen und sich
in ihrem Salzgehalt nicht um 0,2%o unterscheiden. Nach Beobachtung Brenneckes in diesem Gebiet 3 )
findet sich erst in 100 m Tiefe Wasser von 0,19° 00 niedrigerem Salzgehalt. Die Teilchen, die nachmittags
sich an der Oberfläche finden, müßten also in kurzer Zeit eine sehr beträchtliche Strecke steigen. Schließ
lich muß bei so großen Differenzen auch die sie schaffende Verdunstung sehr stark sein. Das trifft aber wohl
sicher nicht zu, da es sich um das Gebiet der kühlen Benguelaströmung handelt. Der von Brennecke
im allgemeinen hier nachmittags festgestellte geringere Salzgehalt muß also eine andere Erklärung finden.
Auf der Panganireise herrschte von 13. bis 15. Oktober mehrfach bis zwei und drei Wachen
lang völlige Windstille, so daß, abgesehen vom Treiben in der Strömung, überhaupt kein Fort
gang festgestellt werden konnte. Wirkliche Fahrt durchs Wasser erfolgte am 13. nachmittags einige See
meilen während einer kurzen Bö und in der Nacht zum 15. Oktober. Es konnten aber nur ganz minimale
Unterschiede von im höchsten Falle 0,08 °/oo, meist unter 0,05 °/oo gefunden werden, obwohl versucht wurde,
nur die alleroberste Schicht abzuschöpfen. Außerdem trat das Maximum in den Nachmittagsstunden ein.
(Siehe weiter unten Tabelle 35.) Es zeigte sich also völlige Übereinstimmung mit den Versuchen im
großen Verdunstungsgefäß. Es ergibt sich daraus derselbe Schluß, daß eine tägliche Periode des
Oberflächensalzgehalts durch Verdunstung nur sehr gering ist.
b) Die Temperatur der Oberfläche.
Die Beobachtung der Temperatur der Meeresoberfläche geschah bis auf einige besondere Fälle nur
im Zusammenhang mit der Salzgehaltsbestimmung. Die höchste Temperatur im Atlantischen Ozean wurde
auf der Ausreise am 25. Oktober mittags auf OV2 0 Nord, 25’/2 0 West mit 29,7° gemessen. Die näheren
Umstände an diesem Tage waren interessant, so daß auf sie eingegangen werden soll. Es herrschte von
den ersten Morgenstunden bis Mitternacht totale Stille, die lediglich um 2’/2 11 p von einer kurzen Bö mit
0 Ausführungen Krümmels im Handbuch der Ozeanogr,, Bd. I, S. 204 ff. zu Messungen Schotts.
*) A. a. O. 8. 127.
3 ) Station 40 des „Planet“ 27. März, 1906.