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Full text: 34, 1911

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Aua dem Archiv' der Deutschen Seewarte. 1911, Nr. 1. 
Die Verdunstung wirkt ständig, und deshalb wird das schwerer gewordene und abgesunkene Teilchen 
schließlich doch wieder leichter als die nunmehrigen ObcrMchentcilchcn sein, seinerseits in die Höhe 
steigen, um abermals eine Dichtigkeitszunahme zu erfahren, so daß schließlich die ganzen oberen Schichten 
bis zu einer gewissen Tiefe salzhaltiger werden. Brennecke hat durch seine Ausführungen im Planet 
werk x ) auf die Tiefe, bis zu der diese Vertikalzirkulation reicht, hingewiesen. In den tropischen Gewässern, 
wozu wir auch den größten Teil der Passate rechnen müssen, dürfte etwa 150 m Tiefe die Grenze sein, 
denn die hohe Temperatur, die alle Teilchen an der Oberfläche annehmen, wirkt derartig dem Schwerer 
werden durch Verdunstung entgegen, daß die viel größere Dichtigkeit in 200 m Tiefe nicht erreicht werden 
kann. Anders liegt es in höheren Breiten. liier 
unterstützen, wie oben beschrieben, die nächtliche 
und noch mehr die winterliche Abkühlung die Ver 
dunstung , die 
Teilchen werden ganz 
bedeutend 
Verdunstung 1 
Oberfläehensalzgehalt J 
in Zehngradzonen. 
Fig. 4. 
Gang der Verdunstung und des Ober fl liehen Salzgehaltes auf 
dem Segler weg zum Kap Horn. 
schwerer und sinken deshalb auch viel tiefer. 
d) Absolute Größe der Verdunstung. 
Alle bisherigen Ausführungen in diesem Kapitel 
bezogen sich auf die Verdunstung im Gefäß und 
die daraus zu ziehenden Ergebnisse über die 
regionale Verteilung, die beeinflussenden Faktoren 
und den Verdunstung«Vorgang. Sie stellen das Neue 
und wohl auch Bleibende der Arbeit vor und 
dürften durch weitere Untersuchungen keine wesent 
lichen Änderungen erfahren. 
Schwieriger ist die Frage nach der absoluten 
Größe der Verdunstung zu beantworten, und das 
Ergebnis, das wir erzielen werden, ist auch nur ein 
angenähertes und bedarf der Ergänzung durch 
weitere Beobachtungen. Es ist bei der Besprechung 
der Fehlerquellen das Resultat gewonnen, daß bei 
den als einwandfrei bezeichneten Beobachtungen, 
die Fehlerquellen sich ausgleichen oder Korrektions 
rechnungen zugänglich sind, d. h. daß die be 
rechneten täglichen Werte auch die Verdunstung auf dem Meere darstellen, Für den 
einzelnen Tag stimmen also beobachteter und wirklicher Wert, wie wir nunmehr sagen wollen, überein. 
Anders ist es aber mit den Durchschnittswerten. Wenn wir z. B. aus den acht im Südostpassat 
auf der Ausreise beobachteten Werten den Mittelwert 7,2 mm pro Tag berechnen, so dürfen wir diese Zahl 
nicht als Mittelwert der wirklichen Südostpassatverdunstung nehmen. Die Mehrzahl aller Beobachtungen ist 
nämlich bei günstigen Witterungsverhältnissen zustande gekommen. Klares Wetter, d. li. relativ trockene 
Luft, geringe Bewölkung und Sonnenschein, meist frische Winde, herrschte zur Hauptsache an den Tagen, 
an denen einwandsfreie Beobachtungen erzielt wurden; umgekehrt war die Sachlage an den übrigen 
Tagen, soweit nicht von den Wittcrungsverhältnissen unabhängige Ereignisse ein Ergebnis vereitelten. Die 
beobachteten Werte stellen also fast stets Extremwerte vor, und ihr Mittel ist zweifellos zu hoch. Das 
war in dem an Bord geschriebenen vorläufigen Bericht von mir nicht berücksichtigt worden, so daß ich 
damals noch sogar auf höhere Werte schloß. Erst spätere Überlegungen ließen mich das erkennen. 
Es ist nun festzustellen, um wieviel der beobachtete Mittelwert reduziert werden 
muß. Einige Anhaltspunkte für einen solchen Versuch haben wir glücklicherweise. Den ersten bietet 
uns das Verhältnis der Verdunstung an weniger günstigen Tagen zur mittleren Ver 
dunstung in dem betreffenden Klimagebiet. 
Im Südostpassat wurden, wie schon erwähnt, auf der Ausreise Werte erhalten, die eine durchschnitt 
liche tägliche Verdunstung von 7,2 mm den Tag ergaben. Am letzten dieser acht Tage flaute der Wind 
’} Forschungsreise S. M. S. „Planet“, 1906/07, S. 95 ff.
	        
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