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Volltext: 34, 1911

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Diii vertikale Tcmperaturverteilung zwischen dem Erdboden und 3000 m über Hamburg. 
Der Verläßlichkeit der Resultate könnte ein schwerwiegender Umstand entgegengehalten worden. 
Es handelt sich bei dem vorliegenden Material nicht um Beobachtungen, die zu bestimmten Terminen 
angestellt sind, sondern um Ergebnisse, die bei vielfach ungünstigen atmosphärischen Bedingungen der 
Natur abgerungen werden mußten und deshalb eine Funktion der Aufstiegstechnik sein können. Insoweit 
es sich um die nicht äquidistanten Zeiträume zwischen den Beobachtungen handelt, dürften keine 
wesentlichen Bedenken bestehen. soweit sicli die Aufstiege ohne sehr langdauernde Pausen über das 
ganze Jahr verteilen und den Charakter von gehäuften Stichproben tragen. 
Es wäre jedenfalls denkbar, daß die Windstärke einen wesentlichen Einfluß auf die Resultate haben 
könnte. Um diese Frage zur Entscheidung zu bringen, wurden aus den Lindenberger Publikationen die 
mittleren Gradienten für die Jahre 1906 und 1907 gebildet, und zwar getrennt, je nachdem ob es sich um 
einen Drachen- oder Fcsselballonaufstieg handelte, selbstverständlich nach der Differenzenmethode (s. S. 12). 
Jn der folgenden Tabelle ist das Ergebnis dieser Rechnung niedergelegt: 
Tabelle 9. Teuipcraturgradienten ( Jt /i«o m) in Lindenberg. 
Höhenintervall 
Aus Drachenaufstiegen 
A us Fesselballonau fstiegen 
Aus allen Aufstiegen 
U I , 
-2 ; £ tp 
1 
Sommer 
Herbst i 
Jahr 
S 1 - 
-w — bß 
c -p s 
£ I й " 
Sommer 
—! 
Herbst 
Winter 
-1 
s 
5 
CÆ 
■*3 
75 
Jp 
К 
Jahr 
E—500 
-0.04 1 0.75 
0.93 
0.17 
0.38 
0.23 0.87 
1.02 
0.34 
0.70 
0.00 
0.80 
0.97 
0.20 
0.50 
500—1000 
0.34 1 0.52 
0.02 
0.40 
0.45 
0.49 0.06 
0.74 
0.54 
0.05 
0.37 
0.58 
0.07 
0.43 
0.51 
О 
1000—1500 
0.40 0.58 
0.55 
0.42 
0.47 
0.44 0.08 
0.00 
0.45 
0.59 
0.40 
0.02 
0.58 
0.43 
0.51 
с. ' 
1500—2000 
0.41 0.59 
0.57 
0.40 
0.48 
(0.30) 0.63 
0.52 
0.63 
0.55 
0.39 
0.01 
0.55 
0.44 
0.50 
2000-2500 
0.49 0.58 
0.48 
0.51 
0.51 
10.08) 0.50 
0.50 
0.41 
0.49 
0.49 
0.56 
0.49 
0.50 
0.51 
2500—3000 
0.58 0.45 
0.44 
0.52 
0.50 
(0.08) 0.00 
0.39 (0.57) 
0.50 
0.58 
0.50 
0.42 
0.52 
0.50 
E—500 
0.28 0.70 
0.84 
0.01 
0.48 
0.33 0.94 
0.99 
0.37 
0.70 
0.29 
0.88 
0.89 
0.15 
0.53 
500—1000 
0.31 0.55 
0.62 
0.20 
0.42 
0.57 0.05 
0.70 
0.42 
0.58 
0.33 
0.58 
0.65 
0.29 
0.46 
1000—1500 
0.34 0.57 
0.59 
0.39 
0.48 
0.43 0.63 
0.00 
0.43 
0.53 
0.35 
0.59 
0.59 
0.40 
0.49 
Ci ’ 
1500—2000 
0.45 0.54 
0.50 
0.51 
0.52 
(0.40) 0.49 
0.56 
0.42 
0.49 
0.45 
0.53 
0.56 
0.47 
0.51 
2000—2500 
0.44 0.57 
0.45 
0.44 
0.47 
— (0.44) 
0.31 
0.52 
0.47 
0.44 
0.50 
0.42 
0.48 
0.47 
(2500—3000 
0.54 0.44 
0.42 
0.52 
0.47 
(0.30), (0.42) 
0.58 
0.54 
0.54 
0.43 
0.42 
0 54 
0.48 
Bei den ein 
geklammerten Zahlen betrug die Zahl der Fälle weniger als 
5. 
Diese beiden Tabellen lehren in unzweideutiger und überraschender Weise, daß die Temperatur 
gradienten bis zur Höhe von 1500 m bei Ballonaufstiegen durchweg größer sind als bei Drachenaufstiegen. 
Jeder Zweifel an der Richtigkeit der Zahlen wird beseitigt durch die Übereinstimmung in beiden Jahren, 
und zwar in jeder Jahreszeit. Oberhalb 1500 m ist dieser Zusammenhang nur noch teilweise zu erkennen, 
doch macht sich hier vielleicht die geringe Zahl der Beobachtungen bereits geltend. 
Das Ergebnis ist um so auffallender, als gerade das Gegenteil erwartet werden konnte. Bei der 
Diskussion der Berliner Ballonfahrten hat Berson festgestellt, daß bis zur Höhe von 3000 m die Temperatur 
abnahme in antizyklonalen Gebieten langsamer ist als in zyklonaicn. Man hätte also nicht verwundert 
sein können, wenn sicli bei Ballonaufstiegen, die dort wohl vorzugsweise bei antizyklonaler Wetterlage 
ausgeführt sind, ein relativ schwacher Gradient gezeigt hätte. Statt dessen genau die umgekehrte 
Erscheinung 1 Instrumentenfehler als Ursache können als ausgeschlossen gelten, da die aufnehmenden Teile 
der Ballon- und Dracheninstrumente im wesentlichen dieselben sind. Und gerade der gefährlichste 
Fohlereinfluß bei Ballonaufstiegen, die viel geringere Ventilation, müßte sich in einer zu hohen Temperatur 
der oberen Schichten, also einem zu geringen Gradienten äußern. 
Es dürfte schwer sein, für diesen merkwürdigen Umstand schon jetzt eine einwandfreie Erklärung zu geben. 
Einstweilen müssen wir also die geschilderte Unsicherheit in den Resultaten mit in den Kauf 
nehmen. Als günstiger Umstand kann dagegen angeführt werden, daß 'läge mit Drachenwetter in Hamburg 
bei weitem überwiegen und insbesondere lang andauernde Perioden stillen Wetters sehr selten sind.
	        
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