22 Aus dein Archiv der Deutschen Seewarte. 1911, Nr. 4.
Nach der modifizierten Methode 5 hat Lockyer *) ein Maß für die Barometerschwankungen zu erhalten
gesucht. Er zeichnete, wie schon in der Einleitung bemerkt, für jeden Ort die seclismonatlichen Druckkurven
(April—September), eliminierte alle Schwankungen, deren Amplituden kleiner waren als ein Fünfteides Betrages
der aus den drei größten Amplituden gebildeten mittleren Amplitude, und bildete aus den übrigen Amplituden
die mittleren Amplituden, welche ihm die endgültigen Werte gaben.
Die durch die Vernachlässigung der kleinen Schwankungen ermittelten Größen nehmen eine Art
Mittelstellung zwischen den Werten der Isometabolen und meinen isobarometrischen Linien ein. Da ein
Vergleich interessant sein dürfte, habe ich seine Karte der Linien gleicher Druckschwankungen [von ihm
Isanakatabaren * 2 ) genannt] mit zum Abdruck gebracht und in weitere Karten der südlichen Halbkugel meine
isobarometrischen Linien eingezeichnet (siehe Tafel 5). Lockyer hatte bei der Berechnung der Isanakata
baren im Auge, mit Hilfe dieser Linien die Bahnen der Antizyklonen der südlichen Halbkugel, welche von
West nach Ost diese Hemisphäre umkreisen, in ihrem Verlaufe näher zu fixieren. Ähnliche Beziehungen,
in diesem Falle zu zyklonalen Systemen, sind von mir bei Besprechung der nördlichen Halbkugel zur Er
örterung gebracht worden.
Das Gesetz der Zu- bzw. Abnahme der Schwankungen polwärts wird auch durch die Isanakatabaren
erbracht: Lockyers Isanakatabare von 19 mm gibt den Maximalbetrag an. Tn ungefähr gleicher Breite
treten auf meiner Karte zwei Bezirke maximaler Schwankungen auf. ein west- und ein ostantarktisches mit
den Stationen Laurie Island und Kerguelen als Kernpunkten, umschlossen von der isobarometrischen Linie
von 40 mm. Lockyers Kurven zeigen über den Kontinenten einen ähnlichen Verlauf, dessen Begründung
er in der Zugrichtung der Antizyklonen und der Zyklonen findet. Der 32. Breitenparallel gibt etwa die
mittlere Zugstraße der Antizyklonen, illustriert durch die Isanakatabare von 10 mm (meiner 20-mm-Linie
entsprechend), und der 60. Breitenparallel die mittlere Zyklonenbahn mit einer Isanakatabare von 19 mm
wieder.
Auf Grund der täglichen argentinischen Wetterkarten 3 ) findet er, daß in Südamerika die Anti
zyklonen auf ihrem Wege vom Westen nach dem Osten eine nordöstliche Richtung cinsclilagen, etwa von
30°—35° S. an der chilenischen Küste bis 25°—30° S. an der brasilianischen, und damit auch die südlich
sie begleitenden Zyklonen einen parallelen Verlauf nehmen müssen, welch letztere Vermutung auch durch
Davis’ 4 ) Bemerkung gerechtfertigt erscheint: „South of latitude 43 0 the lieight of the Andes is not sufficient
to intercept the winds from the Pacific, whicli in this latitude blow directly from the west, and after
Crossing the Andes are probably attractcd by the low-pressure region to the north and diverted to the
north-east, depositing in tlieir path the inoisture from the Pacific.“
In Südafrika wird der Zug der Antizyklonen, welche diesen Kontinent im Süden streifen, durch die
Konfiguration des Landes nach der Überzeugung Innes 5 ) mehr oder weniger beeinflußt und somit auch die
westöstliche Richtung des Isanakatabaren gestört.
Die im allgemeinen ebene Beschaffenheit des australischen Festlandes verbürgt nach Lockyer einen
glatten westöstlichen Verlauf der antizyklonalen Systeme. Die Isanakatabaren weichen von dieser Richtung
wenig ab. Doch wird man bemerken, das an der Ostküste die Kurven auf beiden Karten sich südwärts
neigen. Die Antizyklonen erfahren hier infolge des gebirgigen Ostens nicht nur eine Verkürzung der Haupt
achse, sondern zugleich eine mehr südliche oder nördliche Richtungsänderung. Es fragt sich, in wie weit
diese Änderung der Luftdrucksysteme in Beziehung steht mit dem Verlauf der isobarometrischen Linien.
Die Stationen von Neu-Süd-Wales figurieren nämlich mit niedrigen Werten gegenüber den Stationen
gleicher Breite westlich, wie das aus den Karten und Tabellen ersichtlich. Die isobarometrischen Linien
von Neu-Süd-Wales würden somit einen südöstlichen und darauf nordöstlichen Verlauf nehmen.
In der beifolgenden Fig. 2 habe ich die isobarometrischen Linien für Australien (Südwintcr)
noch einmal besonders gegeben und dabei den Verlauf der Kurven, speziell für Neu-Süd-Wales gegen
über der Hauptkarte etwas verändert. Die Möglichkeit einer derartigen Richtungsänderung der isobaro
metrischen Linien, wenn auch in gemilderter Form, scheint nicht ausgeschlossen, zumal wenn man das
*) a. a. O. S. 3.
2 ) „Isanakntabnrs“ = equal ttps-and-downs of pressure, von Shaw geprägter Ausdruck.
3 ) a. a. O. S. 21.
4 ) „Climate of the Argentine Republic“ by Walter G. Davis. 1902. p. 48.
5 ) Lockyer, a. a. O. S. 20.