Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 1911, Xr. 4.
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den älteren Kämtzschen verglich. Audi da erwiesen sieh die mml- und osteuropäischen Stationswertc von
Kämt/, als viel kleiner. Man darf jedoch nicht vergessen, daß den Ableitungen verschieden lange Zeit
abschnitte zugrunde liegen, wodurch schon Unterschiede bedingt werden.
Ich habe daher eine Auswahl von Stationen mit meistens höheren Schwankungen getroffen und für
diese als Zeitabschnitte hei der Ableitung nur Jahrzehnte zugrunde gelegt. Meine neueren ans dem Jahr
zehnt 1896—1905 ermittelten Werte habe ich für die betreffenden Stationen mit hinzugefügt. Man findet
die Werte in Tabellen am Schlüsse wiedergegeben.
Im allgemeinen weichen die Jahresmittel untereinander nicht so erheblich ah wie bei den Kämtzsclien,
doch zeigen die Jahreszcitenmittel wenigstens für Petersburg und Moskau erheblichere Differenzen. In
den Dezennien 1836—1845 und 1846—1855 hatte Petersburg eine mittlere monatliche Winterschwankung
unter 40 mm, in den darauf folgenden Dezennien dagegen über 40 mm; desgleichen hatte Moskau 1826
bis 1835 nur 27.7 mm im Winter, seitdem aber steigend bis 38.9 mm. Bei den anderen Stationen treten
derartig erhebliche Differenzen nicht auf. Es bleibt abzmvarten, inwieweit hier Rechen- oder Beobachtungs-
feliler vorliegen. Jedenfalls liegt noch kein Grund vor, wegen dieser wohl mehr lokalen Natur der Ab
weichungen auf die Unsicherheit dieses Elements zu schließen.
Gehen wir min zu den Köppensclien Karten über, so ist bei einer vergleichenden Betrachtung von
Interesse, daß hinsichtlich des Charakters der Schwankungen die einzelnen Kontinente Übereinstimmung
zeigen. Im Nordwinter haben wir hinsichtlich Nord- und Südamerikas ebenfalls die Gegensätzlichkeit der
Küsten, weiter die hohen Schwankungen im Golfe von Mexiko, die hohen Schwankungen Europas und
die niedrigen Asiens sowie die typische Lage der Schwankungsmaxima. Im Nordsommer bemerkt man,
daß die isobarometrischen Linien den Kontinent Nordamerika in einer Doppelwelle durchsetzen, daß ferner
die isobarometrische Linie von 20 mm weit ins asiatische Gebiet hineingreift; daß diejenige von 15 mm
an der asiatischen Ostküste steil ins japanische Meer zurückfällt, und daß schließlich der Verlauf der
Kurven in Südamerika und Australien ein analoger ist.
Wenn im einzelnen auch Abweichungen stattfinden müssen, so ist doch interessant genug, daß der
Schwankungscharakter der Kontinente im allgemeinen sicli nicht geändert hat. Das System und die Lage
der Schwankungsbezirke werden dieselben bleiben, ähnlich wie wir auch die Lage der Zyklonen und Anti
zyklonen, je nach den Jahreszeiten, als feste anzimehmen gewohnt sind und diesen nach ihrer geographischen
Lage sogar den Namen geben.
Wenden wir uns nun zu den Isometabolon, wie Bahr die Linien gleicher „interdiurner“ Luftdruck-
schwankung nennt, so werden wir auch hier Übereinstimmung antreffen. Karte 3 gibt die Verhältnisse
im Nordwinter wieder. Das außerordentlich hohe Maximum der amerikanischen Ostküste tritt uns auch
hier entgegen, und zwar muß die „interdiurne“ Luftdruckschwankung (New York 6.5 mm!) hier so hoch sein,
weil neben der Größe auch die Geschwindigkeit ihren Ausdruck in diesem Maße findet. Wir wissen aber,
daß in Nordamerika die Zyklonen annähernd die doppelte Geschwindigkeit haben wie in Europa. Hebron
auf Labrador, für welche Station Bahr den Wert 7.24 mm ableitete, steht dem Maximalwert 7.36 mm
für Berufjord auf Island wenig nach, so daß Bahr Labrador noch mit in den Bereich seines grönländischen
und isländischen Schwankungsmaximums hineinzieht. Der Gradient der Isometabolon ist hier somit noch
steiler als der meiner Linien. Woeikof hebt die hohen Druckschwankungen dieser Breiten ebenfalls hervor
und schreibt sie dem Umstande zu, daß Zyklonen und Antizyklonen hier häufig und rasch wechseln.
Bezüglich der Westküste Nordamerikas bemerkt Woeikof, daß die Schwankungen dort nicht größer
sein dürften als in West- und Zentraleuropa. Der Mangel an Stationen läßt die Gegensätze jedoch nicht
hervortreten.
In der Alten Welt wird die Eigentümlichkeit Europas und Asiens im Charakter der Schwankungen
beiderseits konstatiert. In Europa tritt der wechselvolle Verlauf der Mittelmeer-Isometabole von 3.5 mm
hervor.
Im Norden Europas haben die starken Schwankungen sowie im Nordatlantischcn Ozean das
isländische Maximum Bestand. Die Isometabole von 6 mm umfaßt ganz Skandinavien, während diejenige
von 5.5 nun iu nordöstlicher Richtung nach Asien hinübergreift (z. vgl. die isob. Linien von 40 mm und
44 mm).
1 ) Woeikof, A., a. a. O. S. 7.