Die geographische Verbreitung der monatlichen ßarometerseluvanknngen.
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dem Meere genähert. Die nordpazifische Zyklone ist in nicht zu weiter Ferne, nämlich nur 25° der Länge
weiter ostwärts. Die Isobaren liegen hier außerordentlich dicht.
Ein so hohes und ausgedehntes Hochdruckgebiet wie das asiatische muß notwendigerweise relativ
geringe Druckschwankungen zur Folge haben. So erhalten wir im Osten auch die viel zu niedrigen Beträge
mit Rücksicht auf die Breitenlage. Werchojansk in der Nähe des Polarkreises hat dieselbe Winter
schwankung wie Chicago in der Nähe des 40. Breitenparallels. Auf dem Meere nehmen die Schwankungen
jedoch rasch zu. So werden auch die isobarometrischen Linien um so steiler abfallen, je mehr wir uns
dem Norden nähern. Infolge dieses ausgedehnten Hochdruckgebietes wird der Kontinent Asien im
allgemeinen fast überall zu niedrige Schwankungen zeigen. Ausnahmen machen die Südküste Chinas
(Hongkong), die japanischen Inseln und die NE.-Ecke, welche der Einflußsphäre des nordpazifischen
Schwankungmaximums zugehört. Auch der äußerste Norden und Nordwesten dürften noch zu hohe
Schwankungen haben. In bezug auf die Taimyrhalhinsel müssen meteorologische Beobachtungen, die
dort noch nicht vorliegen, dies noch bestätigen. Wir befinden uns hier schon sowohl am Rande der
asiatischen Antizyklone als auch im Gebiete der Depressionen des Nördlichen Eismeeres.
Den Einfluß der asiatischen Antizyklone auf den Verlauf der isobarometrischen Linien vermögen wir
auch in Europa zu bemerken. Das Hochdruckgebiet schiebt sich nämlich zungenförmig nach Ost- und
Mitteleuropa vor, so daß beständigeres, antizvklonales Wetter dem zyklonalen Wettertypus des Westens und
Nordens gegenübersteht. Die isobarometrischen Linien fallen daher im Osten Europas, nachdem sie vorher
von der Westküste aus gestiegen sind. Ober Europa als dem Hauptterritorium wandernder Zyklonen und
Antizyklonen ist bereits das Nötige gesagt worden.
Hier fällt besonders der wellenförmige Verlauf der isobarometrischen Linie von 24 mm ins Auge,
welche das Mittelmeer durchkreuzt. Da im Winter das Mittelmcer heftigen Luftbewegungen und Druck
schwankungen ausgesetzt ist, da ferner auf den größeren Halbinseln wie der iberischen und der südost
europäischen Teildruckmaxima, auf den einzelnen Meeresbecken Druckminima erzeugt werden, so erklären
sich die größeren Barometerschwankuugcn bei den Balearen und im Schwarzen Meere, was durch das
Einbiegen der isobarometrischen Linien daselbst angedeutet wird. In der Adria, welche besonders im
Winter häufig die Bahn wandernder Zyklonen bildet, zeigt die Kurve eine ähnliche Erscheinung. Allen
drei Bezirken sind ja typische antizvklonale Falhvinde eigen, welche als Ausdruck starker thermischer und
damit barischer Gegensätzlichkeit anzusehen sind.
Wie in Nordamerika die Kordilleren, so stellen auch in Südasien der Himalaja und die meridional
streichenden Gebirgsketten der hinterindischen Halbinsel der allgemeinen Luftzirkulation ein Hindernis ent
gegen. Indem die isobarometrischen Linien den Verlauf dieser Gebirge nachahmen, trennen sie die vorder
indische und die westliche hinterindische Halbinsel von dem übrigen Asien. Eine Isobarenkarte zeigt uns
auch, daß über Vorderindien und dem Westen Hinterindiens die Isobaren weit auseinander liegen, der Luft
druckgradient also sehr schwach entwickelt ist, während nord- und ostwärts die Isobaren sich dichter lagern,
das Gefälle somit stärker wird. Ein ähnliches Verhalten bemerken wir auch im Verlauf der isobaro
metrischen Linien. Der Norden Vorderindiens zeigt kaum eine mittlere Druckschwankung von 8 mm, der
Osten Asiens dagegen 18 mm (Shanghai). Der durch den orographischen Bau der hinterindisehen Halb
insel bedingte Kontrast zwischen West und Ost ist sehr interessant. So gehört hinsichtlich des Srhwankungs-
Charakters der Westen der vorderindischen, der Osten dagegen der südchinesischen Sphäre an.
Wie wir auf der Nordhalbkugel im Westen die Kordilleren, im Osten die eurasiatischen Faltengürtel
als mitbestimmend für den Verlauf der isobarometrischen Linien kennen gelernt haben, so sehen wir in
Südamerika das Kettengebirge der Anden eine ähnliche Wirkung auslösen. Auf Seite ln habe ich bereits
Stationen der West- und Ostseite dieses Kontinentes einander gegenübergestellt. Wie in Nordamerika, so
ist auch in Südamerika der Westen die atmosphärisch ruhigere Seite. Der Einfluß des Ostens erstreckt
sich beiderseits bis an den Fuß der Kordilleren. Während jedoch Nordamerika infolge größerer Kon-
tinentalität ein Hochdruckgebiet erzeugt, vermag Südamerika der geringen Landentwickelung wegen dies
nicht. Bestimmend wird somit für den Charakter der Schwankung die im Westen des Kontinentes in
mittleren Breiten gelagerte stark entwickelte südpazifische Antizyclone, derem Bereiche auch die chilenischen
Küsten noch angehören. Dem Osten liegt die auch weniger stark entwickelte südatlantische Antizyclone
viel ferner. So erklärt sich auf der einen Seite der beständigere Witterungscharakter gegenüber dem un
beständigeren der anderen. Die größere Regelmäßigkeit der Windverhältnisse im Westen gegenüber dem
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