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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. li)09, Nr. 2.
Diese modifizierte Definition der Gruppensturmstärken stimmt mit der in meiner Abhandlung „Die
stürmischen Winde an der deutschen Küste vom 1. bis 12. Januar 1908 (Ann. d. Hydr. u. mar. Meteorol.,
Jahrgang 1908) genau überein.
§ 6. Die Gruppierung' der Stürme nach Sturmphänomenen. Für die vorliegende Aufgabe wurden die
Sturmerscheinungen für jedes Küstengebiet in einer solchen zeitlichen Begrenzung zu „Stu r m ph ä nomenen“
zusammengefaßt, daß die stürmische Witterung in jedem Falle ein Kontinuum bildete und nicht mehrere
durch verhältnismäßig ruhige Witterung getrennte Perioden stürmischer Witterung oder mehrere Perioden
mit wiederholt rechtdrehenden und dann wieder zurückdrehenden Winden zu einem ganzen vereinigt wurden.
Es mußte darauf ankommen, die Einzelphänomene fcstzustellen, eine teilweise schwierige Aufgabe, die in
vielen Fällen ein wiederholtes Zurückgreifen auf die Wetterkarten erforderte; in einzelnen Fällen war aber
trotzdem nicht eine Trennung der Einzelerscheinungen zu erreichen, wo diese nur durch ein nochmaliges
Studium der Aufzeichnungen in den Tagebüchern der Sturmwarnungsstellen möglich gewesen wäre. Liegt
beispielsweise eine Depression über Nordeuropa mit W.O. verlaufenden Isobaren über Mitteleuropa, so
schreiten häufig Ausläufer auf ihrer Südseite vorüber, die nur als schwachwellige Krümmungen der Iso
baren hervortreten und dabei in ihrer Aufeinanderfolge eine ebenso große Reihe von Stürmen an der
Küste hervorrufen.
Die im Bereiche derselben Depressionen auftretenden, jedoch in verschiedener Weise hervorgerufenen
Sturmphänomene erscheinen in der Tabelle Ä der Anlage durch eine Klammer auf der rechten Seite ver
bunden, um die Gemeinsamkeit des Depressionsgebietes anzudeuten. Soweit es sich um längere Zeiten
andauernd niedrigsten Luftdrucks bei Island oder im hohen Nordosten handelt, besteht hier die Möglich
keit einer verschiedenen Auffassung, indem die aufeinanderfolgenden vom Ozean nordostwärts oder vom
Eismeer südostwärts vordringenden Depressionsgebiete als Ausläufer einer und derselben Depression in
solchen Zeiten aufgefaßt werden können; für die Trennung der Depressionen ist hier bestimmend gewesen,
daß die einzelnen derartig aufeinanderfolgenden Depressionen durch einen Ausläufer hohen Luftdrucks
(meist über Skandinavien) voneinander abgetrennt aufgetreten sind. Ferner ist noch die vielfach hervor
tretende Schwierigkeit einer Abgrenzung der einzelnen Sturmphänomene während längerer Perioden mit
Winden aus östlichen Richtungen zu erwähnen.
7. Bestimmung der Windrichtung und Stärke der Sturmphänomene. Die Bestimmung der Wind
richtung der Sturmphänomene erfolgte für die einzelnen Küstengebiete hei der Zusammenfassung der für
mehrere Tage bestimmten Gruppenwindrichtungen auch nach den Angaben von § 4. Als Sturm pliänomen-
windstärke wurde für jede Gruppe je die größte der an einem der zusammengefaßten Sturmtage er
mittelten Gruppen Windstärken angenommen, und ebenso wurde für das ganze, in seiner Ausbreitung über
die verschiedenen Küstengebiete aufgefaßte Sturmphänomen die größte an einer der betreffenden Gruppen
ermittelte Gruppensturmstärke bei Untersuchung der Ausbreitung der Phänomene als Sturmphänomen-
Windstärke gesetzt.
§ 8. Ermittlung der ausgegebenen Telegramme zum Hissen und Senken der Sturmsignale. Um
die von der Seewarte ausgegebenen telegraphischen Anweisungen zum Hissen und zum Hängenlassen (Ver
längerung), zur Veränderung und zum Senken der Signale genau festzustellen, wurde durchweg auf die
aufbewahrten Originaltelegramme zurückgegriffen.
Die in den zehn Jahren erlassenen Anweisungen zum Hissen der Signale (h) und zu deren Ver
längerung (v) finden sich nach den Monaten Mai/August und September'April getrennt, ohne Sonder
stellung der Anweisungen zur Veränderung der Signale, in Tabelle XI zusammengestellt.
§ 9. Bestimmung der Rechtzeitigkeit der Warnungen. Da allgemeine Mängel der telegraphischen
Beförderung der Sturmwarnungstelegramme ebensowenig wie vorübergehende telegraphische Störungen dem
Sturmwarnungswesen zur Last gelegt werden können, so darf bei Beurteilung der Rechtzeitigkeit des Er
lasses einer Warnung dem Umstande keine Rechnung getragen werden, daß die am Sonntag mittag aus-
gegebenen Telegramme meist erst am Abend und die während des Abenddienstes ausgehenden Telegramme
zum grossen Teil erst am folgenden Morgen den Sturmwamungsstellen zugestellt werden.
Als rechtzeitige Warnungen wurden zunächst angesehen: während des Morgendienstes erlassene
Warnungen, falls zur Zeit der Nachmittagsbeobachtungen noch keine stürmischen Winde auftraten, und