Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1918,
entwickelt ist; der Periodeneffekt hewegt sich nach Tabelle VI nicht in ganzen Graden
wie dort, sondern nur in Zehnteln. Infolge dieser schwachen Ausprägung können
bei beiden Stationen die Ausnahmewerte, wenn sie zufällig etwas groß ausfallen.
schon so viel Gewicht erlangen, daß die für die ganzen Reihen berechneten Epochen-
mittel und Periodeneffekte minimale Werte erhalten. Darum sind diese Mittel in
Tabelle VT nicht nur wie bei den amerikanischen Stationen aus sämtlichen, d.h.
einschließlich der unstimmigen, Epochenwerten, sondern außerdem (in Klammern)
unter Ausschluß der nichtstimmenden Kinzelwerte gebildet. Im letzteren Falle fällt
der Periodeneffekt natürlich größer aus.
Tabelle VI. Lufttemperatur von London und Orkney-Inseln,
EEG
London Orkner-Inseln
Febrnar—März— April Februar—März— April
Mittel der Maximal-Epochen 6.39 ( 6.79) 4.6° ( 5.09)
Minimal- 6.2° ( 6.0°7 4.5° ( 4.3°)
Periodeneffekt . . . . . | — 0.19 (— 0,79) —0.1° (-— 0.79)
Eine Übereinstimmung mit der amerikanischen Seite liegt darin, daß auch
bei London und Orkney die Periode im Spätwinter kräftiger als im Jahres-
durchschnitt in Erscheinung tritt; der Periodeneffekt ist an beiden Orten im Winter
rund doppelt so groß wie im Jahre. Eine Abweichung von Amerika zeigt sich insofern,
als nicht der Hochwinter, sondern mehr der Spätwinter oder schon der Frühling
den Höhepunkt darzustellen. scheint. Wenigstens ergab für London die Monats-
kombination Febr.— April eine bessere Anlehnung an die Sonnenfleckenkurve und
einen höheren Periodeneffekt als Jan.— März.
Im wichtigsten Zug der obigen Tabelle aber spricht sich ein vollkommener
Gegensatz zu Amerika aus; der Periodeneffekt erhält negatives Vorzeichen. In
Worten heißt das: in Amerika knüpfen sich an die Maximalepochen der
Fleckenperiode die kalten, an die Minimalepochen die warmen Jahre,
in Europagerade umgekehrt. Auf diese Gesetzmäßigkeit ist ein größeres Gewicht
zu legen als auf den Grad der Ausprägung der Fleckenperiode in London und Orkney.
Die Periode selbst ist ja nur schwach, fast nur in der Tendenz angedeutet. Aber das
Verhalten der einzelnen Oıte und Erdgebiete zueinander hinsichtlich der in ihrem
Wärmezustand (einerlei ob stark oder schwach, ob mehr oder weniger regelmäßig)
auftretenden Fleckenpericde dem Sinne nach ergibt unter allen Umständen geo-
graphisch interessante Beziehungen, Die eben abgeleitete besagt, daß der im Wärme-
bild der Erde so hervorstechende Gegensatz der Ost- und Westküsten des
nördlichen Nordatlantischen Ozeans auch in den Schwankungen
wirksam bleibt. Man könnte von einer nordatlantischen Wärmeschaukel
sprechen; während sich Nordamerika wärmeren Zeiten nähert, geht Europa kälteren
entgegen und umgekehrt).
Um den Gegensatz noch klarer hervortreten zu lassen, wurde ähnlich wie
für Winnipeg auch für London der Periodengang berechnet, und zwar für die Mittel-
temperatur Februar — März und in folgender Weise. Es wurden von den 12 vorliegenden
ganzen Perioden 3 nicht gut stimmende fortgelassen und die übrigen 9 so aufeinander-
gelegt, daß die Jahre der Fleckenminima zusammenfielen. Da nun die einzelnen
Perioden von ungleicher Länge sind, so daß in manchen Fällen zwischen zwei Flecken-
minimaljahren nur 9 oder 8, in anderen Fällen 12 oder 13 Jahre liegen, mußten
die betreffenden Perioden auseinandergezogen bzw. zusammengedrängt werden,
Ersteres geschah dadurch, daß ein oder zwei ‚Jahre in der Mitte doppelt gesetzt wurden,
letzteres dadurch, daß in der Mitte der Periode zwei Nachbarjahre zu einem Mittel
vereint oder drei ‚Jahre zu zwei Mitteln zusammengefaßt wurden. Durch Addition
und Mittelung der so untereinanderstehenden 11 9 Jahreswerte ergab sich die
(schließlich noch ausgeglichene) Normalperiode, welche hier zusammen mit der der
:) Eine Andeutung des Gegensatzes von Europa und Nordamerika macht auch schon Hahn
a. a. 0... 8: 55:59, 63), doch sucht er ihn. cher abzuschwächen als herauszuarbeiten und zu klären.