A. Atlantischer Ozean.
I. Aus- und Heimreisen.
1. Von den Reisen nach der Ostküste Nordamerikas nördlich топ Kap Hatteras stehen die nach
New York und Philadelphia der Anzahl nach noch an erster Stelle, obwohl die bei der seefahrenden
Bevölkerung unter den Namen ivestern ocean traders wohlbekannten Petroleumschiffe heute fast ganz von
eigens für diese Fahrt eingerichteten Dampfern verdrängt worden sind. In neuester Zeit werden daher
diese Häfen fast nur noch von solchen Segelschiffen angelaufen, die von da, mit Petroleum in Kisten
befrachtet, die Reise nach dem fernen Osten fortsetzen.
Eine leichte Fahrt war es nicht, namentlich im Winter, für die meist aus Holz gebauten Schiffe,
mit leeren Petroleumfässern beladen, den Atlantischen Ozean zu durchqueren. Widrige, fast das ganze
Jahr vorherrschend aus westlicher Richtung wehende Winde, die nicht allzu häufig von solchen aus den
östlichen Quadranten unterbrochen werden, erschweren ein Vorwärtskommen nach Westen außerordentlich;
der Golfstrom und zu gewissen Zeiten treibende Eismassen, deren Gefährlichkeit noch durch die häufig
anftretenden dichten Nebel vermehrt wird, bilden für die zweite Hälfte des Weges erhebliche Hindernisse,
so daß diese Reisen wohl als die schwierigsten im Atlantischen Ozean zu betrachten sind 1 ).
Da die Windverhältnisse im Atlantischen Ozean es nicht immer gestatten, auf dem direkten Weg den
Ozean zu kreuzen, wählen solche Schiffe, die schon in der Nordsee durch anhaltende südwestliche Winde
verhindert werden, in den Kanal einzulaufen, wohl den Weg Nord um Schottland, indem sie von
Fair Island aus den Kurs nach der Südostecke von Neu-Fundland setzen. Ein anderer Teil von Schiffen
wieder, die am Ausgange des Kanals stürmischer Gegenwinde halber den direkten Weg nicht ein-
schlagen können, biegt dann ebenfalls nach Norden ab, um die Länge auf höheren Breiten abzusegeln,
oder die Schiffe halten, besonders im Winter, nach SW ab, um so das Gebiet des NO-Passates zu er
reichen, mit dessen Hilfe sie dann nach Westen steuern.
Durch dieses Abweichen vom direkten Wege wird auf der Passatroute ein großer Umweg gemacht
und somit auch die mittlere Reisedauer erheblich verlängert, nämlich um 9 Tage gegenüber dem direkten
Wege. Auch der Weg nach New York nördlich um Schottland erfordert nach den vorliegenden Be
rechnungen 3 Tage mehr als der direkte Weg. Bei den Reisen nach Philadelphia wurde der Unterschied
zwischen den einzelnen Wegen zwar beträchtlich größer gefunden, doch dürfte dieser Umstand wohl auf
die geringere Anzahl der Reisen und auf das Schiffsmaterial selbst zurückzuführen sein.
Wenn auch die Windverhältnisse im Atlantischen Ozean für nach Westen bestimmte Schiffe im
allgemeinen als höchst ungünstige angesehen werden müssen, so kommt es doch hin und wieder vor, daß
Schiffe den ganzen Weg über den Ozean mit günstigen, oft kräftig wehenden Winden zurücklegen können
und somit ein recht schönes Reiseresultat erzielen. Von solchem Glück begünstigst waren die Reisen von
„Najade“, „Christine“, „Republik“ und „Amarantli“, die auf dem direkten Wege die Strecke von Lizard
nach New York oder Philadelphia in der kurzen Zeit von 22, 20, 20 und 19 Tagen zurücklegten. Es sind
dies Resultate, die, soweit bekannt, nur selten übertroffen worden sind. Maurys Tabellen 2 ) weisen nur zwei
bessere Reisen auf, nämlich die von „Nabob“ von London nach Boston in 18 x u und die von „Waterloo“
') Yergl. Segelhandbucli für den Atlantischen Ozean. S. 364.
2 ) Yergl. Maurys Sailing Directions. Vol. II. S. 52 und 57.