18
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1892.
beiden Ebenen mit der oben erwähnten Projektionsebene ein Koordinatensystem
x 6'y (Fig. 4 und Fig. 1), dessen Ursprung in o‘ liegt. (Dieser Punkt 0’ ist
zugleich die Projektion der Richtungslinie resp. des Erdmittelpunktes oder Fix-
sternes auf die Projektionsebene.) Es handelt sich nun darum, die Bahn des
Mondmittelpunktes in dieses Koordinatensystem einzuzeichnen.
Die Deklination d des Fix-
sternes ist bekannt und bleibt
stationär, während die Deklination
des Mondes sich rasch ändert.
Für den Moment, wo Mond und
Stern dieselbe AR haben, also
den gleichen Deklinationskreis
passiren (sich in Konjunktion be-
finden), erhält man die Dekli-
nation D des Mondes leicht aus
den Ephemeriden (mittelst der
mittleren Greenwicher Zeit der
Konjunktion aus den Sternbe-
deckungs-Tafeln). Den Dekli-
nationsunterschied (D-—d) von
Mond und Stern trägt man von
a‘ auf der Abscissenazxe nach
oben oder unten auf und erhält damit schon einen Punkt L der Mondbahn. Da
auch die stündliche Bewegung des Mondes resp. Rektascensions- und Deklinations-
änderung in einer Stunde (da und dD) leicht den Ephemeriden entnommen werden
können, läfst sich auch die Mondbahn, durch L gehend, ohne Weiteres zeichnen.
Nun hat man die relative Position der Mondbahn zur Projektion M‘ des Sternes.
Ist letztere z. B. die Projektion des Sternes für den Moment seines KEintrittes
in den Mondrand, so läfst sich die Lage des Mondmittelpunktes für diesen
Moment leicht finden, indem man sich in der Mondbahn jenen Punkt sucht,
welcher von M‘ um den Mondhalbmesser absteht. Im Allgemeinen entsprechen
dieser Bedingung zwei Punkte, wovon der richtige sich durch einfache Ueber-
ljegung ergiebt. L, sei der gefundene Mondmittelpunkt. Die mittlere Ortszeit
des Moments des Eintritts des Sternes in den Mondrand ist bekannt, nun wäre
also noch die mittlere Greenwicher Zeit dieses Momentes, d. i, jenes, wo der
Mond während seiner Bewegung in L, anlangt, zu bestimmen. Da die mittlere
Greenwicher Zeit des Momentes, wo Mond und Stern in Konjunktion stehen,
bekannt ist, sowie auch der Mondweg in einer Stunde, läfst sich durch eine
einfache Proportion die Zeit, welche der Mond braucht, um von L nach L, zu
kommen, leicht berechnen. Dieselbe an die mittlere Greenwicher Zeit der
Konjunktion To angebracht, giebt sodann die mittlere Greenwicher Zeit des
Eintritts (resp. Austritts) des Sternes in den Mondrand und somit auch die
Länge. Alle Gröfsen werden in derselben Mafseinheit ausgedrückt und zwar
alle Zeitmafse in Bogenmafs verwandelt 1” = 15‘, #=1', 1° = 15”, je 10” = 19°
ET und die ganze graphische Konstruktion auf Millimeterpapier aus-
geführt.
Nun erübrigt es noch, zu zeigen, wie die Lage des Punktes M’ (für den
Moment der Sternbedeckung) im Koordinatensystem durch Ermittelung seiner
Koordinaten x und y festgestellt wird.
Seien in nachstehender Figur 2: PP’ die Erdaxe; P E P' Q der Dekli-
nationskreis des Sterns S; E Q der Aequator; N N‘ der Parallelkreis des Beob-
achtungsortes M; m die Projektion des Beobachtungsortes M auf die Ebene des
Deklinationskreises; L der Mondmittelpunkt, in seiner wirklichen Entfernung L o
von der Erde, im Moment der Konjunktion; y y‘ der Schnitt der Projektions-
ebene mit der Ebene des Deklinationskreises (Bildfläche); M‘ die Projektion des
Beobachtungsortes (zugleich Fixsternes) auf die Projektionsebene; 0’ der Schnitt-
punkt der Verbindungslinie des Sternes und Erdmittelpunktes mit der Projektions-
ebene (Ursprung); d die Deklination des Fixsternes, D die Deklination des
Mondes für die Konjunktion; s der Stundenwinkel des Fixsternes (Fig. 3)
(Winkel zwischen Deklinationskreis und Ortsmeridian) für den Moment des
Eintrittes und g‘ die geocentrische Breite des Beobachtungsortes für diese Zeit; r der
{3