17
R. West ermann: Der meteorologische Äquator im Stillen Ozean.
Schwellenwert von 50 % Regenhäufigkeit, der besagt, daß mehr als die Hälfte aller Tage im Monat Regen
aufzuweisen hat, überschreiten. Das Maximum liegt in der Kalmenzone und schwankt in denselben Grenzen
wie diese, so daß es im Nord-Sommer zwischen 10° und 15° N. sich befindet. Das Zusammenfallen deä
Gürtels der häufigsten Niederschläge mit dem Gürtel zwischen den Passaten, das an dieser Stelle des
Ozeans sich zeigt und bei der engen Abhängigkeit der Regen von den Windverhältnissen für den ganzen
Ozean als' im höchsten Grade wahrscheinlich angenommen werden kann, galt es zu verfolgen. Dabei
mußten, um scharfe Grenzen festlegen zu können, die Beobachtungen für kleinere Abschnitte der geogra
phischen Breite nach — je Zweigradzonen — verwendet werden, wodurch wieder die Genauigkeit der Werte litt.
Um dem zu begegnen und den Vorbedingungen des Erfahrungsgrundsatzes, daß sich zeitliche Anomalien
bei Schiffsbeobachtungen, die Stichproben aus vielen Jahren darstellen, wenn sie nur in nicht allzu geringer
Anzahl vorhanden sind, aufheben, gerecht zu werden, wurden die Auszüge anders gemacht als die oben
gegebenen. Die Prozentzahlen wurden nicht für die einzelnen Monate, sondern für zu einem Quartal
zusammengefaßte drei Monate berechnet. Die extremen Monate Februar bezw. August bildeten die mittleren
davon. Darin liegt der Nachteil, daß die äußersten Grenzen etwas zu nahe der Mittellinie verschoben
erscheinen müssen, was praktisch allerdings kaum merkbar und durch den Vorteil, gesichertere Zahlen zu
erhalten, aufgewogen wird. Sodann wurde in der Wahl der Zeiteinheit für die Beobachtungen auf die
„Wache“ zurückgegriffen, die in ähnlicher AVeise, verdoppelt, früher durch Maury Verwendung gefunden
hatte. Die Wache von vier Stunden, die sonst den Rahmen für die Registrierung und Mittelbildung der
übrigen Elemente der maritimen Meteorologie bildet und den Veröffentlichungen der Institute zugrunde
liegt, ist für Auswertung der Regenverhältnisse abgetan. Um Vergleiche zwischen Land und Meer zu
ermöglichen, wird nach Köppens Beispiel allgemein der Tag von 24 Stunden benutzt und Regenhäufig
keit durch den Quotienten: Anzahl der Tage mit Regen dividiert durch die Anzahl aller Beobachtungstage
ausgedrückt. Der große Vorteil, den diese Methode bietet, liegt auf der Hand. Hier soll dem nicht
widersprochen werden, wenn auch der Vorwurf, Regentage seien zu ungleiche Werte, Geltung hat, um so
mehr, als man sich nicht einmal darüber geeinigt hat, was als Regentag gezählt werden soll, ob Tage, die
überhaupt Niederschlag, oder nur die, die meßbaren Niederschlag aufweisen. Die Mängel machen sich für
das in Frage kommende Gebiet des Stillen Ozeans besonders bemerkbar. Der Unterschied zwischen dem
Regentypus der Kähnen- und Passatgebiete ist derartig groß, daß man aus Verhältniszahlen von Regen
tagen beider ohne weiteres auch nicht annähernd eine Vorstellung von den tatsächlichen Regenverhält
nissen, was Menge, Intensität und absolute Wahrscheinlichkeit anbetrifft, gewinnen kann.
Solche Zahlen mußten logisch dazu führen, daß man die Regenarmut der Passate bestritt. Dabei
ist die Regenhöhe, die ein Regentag im Passat aufzuweisen hat, im Durchschnitt vielleicht der hundertste
Teil oder noch weniger von dem, was in der Kalmenregion in 24 Stunden gemessen wird 1 ). Zuweilen
bringt ein Regenschauer im Passat überhaupt keinen meßbaren Niederschlag mit sich und wird gleichwohl
in den Tagebüchern notiert. Das geschieht nicht gar so selten, wie man aus den Aufzeichnungen der
wissenschaftlichen Forschungsreisen ersehen kann, wo dann zu dem Zeichen für Regen die Bemerkung
„Nichts im Regenmesser“ hinzugesetzt wird. Die Gefahren, bei der Darstellung der Regenhäufigkeit schiefe
Bilder zu erhalten, sind also beträchtlich; sie werden aber desto kleiner, je kürzer man den als Einheit
benutzten Zeitabschnitt wählt. Wenn der Abschnitt den x. Teil des Tages ausmacht, so werden die damit
berechneten Zahlen gegenüber den sich auf den Tag beziehenden zwischen x: 1 und 1 : 1 schwanken. Bei
sechs einzeln genommenen Beobachtungsterminen wird im Höchstfälle der Regentag mit sechsfachem Werte,
im niedrigsten mit eins in Rechnung gestellt gegenüber „eins“ der sonstigen Zählung. Damit wird erreicht,
daß Orte mit längerer Regendauer mit entsprechend höheren Zahlen zum Ausdruck kommen. Das war
gerade in dem vorliegenden Falle anzustreben, um das Maximum möglichst hervortreten zu lassen. Eine
Umrechnung der erhaltenen Werte in solche, die sich auf den Tag. als Zeiteinheit beziehen, ist durch die
Feststellung möglich gemacht, daß bei dem verwendeten Material an je 400 Regentagen im Stillengürtel
im Durchschnitt 3,0 Wachen und im ausgesprochenen Passat 1,9 Wachen täglich Regen registriert haben.
Bei der Zusammenstellung wurden alle Wachen, bei denen sich unter der Wetterbezeichnung nach
Beaufort die Zeichen r, p oder d fanden, oder auch wo die Auskunft über die Niederschläge sich
') Ergebnisse der Valdivia-Expedition, Bd. I, S. 402: Zehn Regentage ergaben in den Passaten die Summe von
0,6 mm, in dem Stillen-Gürtel 80,2 mm.
Archiv 1906. 1.
3