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Full text: 29, 1906

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 1906, Nr. 1. 
über Nordaustralien der Luftdruck unter 755 nun herabgeht. Ln Winter des Südens dagegen liegt ein 
Maximum von 765 mm über Australien, während über Süd- und Mittelasien der Luftdruck stellenweise 
unter 750 nun gesunken ist. In den anderen Jahreszeiten finden die Übergänge zu diesen extremen Ver 
hältnissen statt. 
Die Wiiulregionen. Die aus dieser Anordnung des Luftdrucks entstehenden regelmäßigen Luft 
strömungen ließen durch ihre äquatoriale Windscheide zuerst die Vorstellung eines meteorologischen 
Äquators entstehen, wie deim die Dynamik der Luft, so wie sie sich der Beobachtung direkt bietet, immer 
das am meisten hervortretende Element in der Meteorologie des Meeres gewesen ist. Der Gedanke, daß 
auch die übrigen Elemente als Ursache des Windes oder beeinflußt durch ihn sich den Windsystemen 
eingliedern müßten, wurde nur vereinzelt aufgenommen. Sonst verstand man unter dem meteorologischen 
Äquator in der Tat nur eine äquatoriale Grenze zwischen den großen Windgebieten. Vivien de St. Martins 
Dict. de géogr. sagt direkt: „Cette zone’médiane de calmes est l’équateur météorologique.“ In dieser ein 
seitigen Auffassung hat sich die Anschauung seiner Lage entsprechend den Fortschritten in der Kenntnis 
der Passate und Kalmen entwickelt. Die Festlegung des Kalmengürtels und seiner durchschnittlichen 
Grenzen, die nach den Eintragungen der Schiffsjournale genau für die einzelnen Routen kenntlich werden, 
wird auch der einfachste und richtigste Weg sein, die Lage des Windäquators als einer Mittellinie zwischen 
diesen Grenzen zu finden, da mittlere Windresultanten für kleinere Breitenzonen, die man vergleichen 
könnte, um den Breitengrad zu finden, auf dem die kleinste Nord- bezw. Südkomponente sich zeigen 
müßte, nicht berechnet sind. Er wurde auch hier eingeschlagen und zwar unter Benutzung des gedruckten 
deutschen Materials, um bei Vergleich mit den übrigen Elementen möglichst Werte gleicher Herkunft in 
Beziehung zueinander setzen zu können. 
Das System der verschiedenen Windzonen verschiebt sich auf dem Stillen Ozean so, daß es seine 
südlichste Lage im Sommer des Südens, etwa im Februar, und das andere Extrem im Sommer des Nordens, 
und zwar im August, erreicht 1 ). Für diese beiden Monate, die auch die kühlsten bezw. wärmsten sind, 
und außerdem für die Übergangsmonate wurden die Passatgrenzen bestimmt. Im 
Februar 
greift der Südost-Passat, trotz der sehr südlichen Deklination der Sonne, fast im ganzen östlichen Teile 
des Ozeans auf die Nordhalbkugel hinüber. Seine Nordgrenze verläuft in einem Bogen, der seine konvexe 
Seite nach Norden hat. An der amerikanischen Küste setzt er anf 2 0 S. an, steigt in 85 0 W. auf 1 0 S. 
und schneidet in 90° W. den Äquator. In 100° W. ist die Grenze 1.5° N., zwischen 100° und 120° W. 
im Mittel 2.5° N., zwischen 120° und 145° W. 4° N. xmd bis zu 170° W. wieder 2.5° N. Li den zentral 
amerikanischen Gewässern, d. h. in dem Gebiete östlich von 100° W. Lg., gilt die für den Südost-Passat 
als Grenze angegebenen Breite nur als die Gegend, wo der Passat, der rechts dreht, durch Süd holt und 
zum Südwestwinde wird, der diesen Teil des Ozeans in den meisten Monaten des Jahres beherrscht. Den 
Namen Monsun verdient der Wind im Februar noch nicht, seiner Unregelmäßigkeit und rudimentären Ent 
wicklung wegen. Sein Gebiet reicht nach Norden nicht über die Linie hinaus. Der Nordost-Passat beginnt 
an der Küste in 86° W. auf 9.5° N., von da verläuft seine äquatoriale Grenze in süd-west- bis west-süd 
westlicher Richtung, so daß sie den 90. Meridian in 7° N., den 100. in 4.5 0 N. schneidet. Weiter westlich 
liegt sie im Mittel auf 4° N. zwischen 100° und 120° W., auf 5° N. zwischen 120° und 145° W. und auf 
3° N. zwischen 145° und 170° W. Auf östlicher Länge sind die Windverhältnisse gestört. Das große 
Depressionsgebiet bewirkt, daß der Südost-Passat nur bis zu 15° S. Br. reicht. Nördlich davon weht eine 
Art Nordwest-Monsun, der mit dem gleichartigen Wind in der Molukken- und Sundasee zusammenhängt. 
Sein Gebiet umfaßt die Umgebung von Neu-Guinea und Nordost-Australien und erstreckt sich südwärts bis 
14° S. und nach Osten bis über 165° E. hinaus. Das Gebiet der Störung, wo für den Passat veränderliche 
Winde aus dem nördlichen Halbkreise vorherrschend sind, dehnt sich noch weiter, bis etwa 170° W. aus. 
Der Nordost-Passat geht im Februar in diesem Teile des Ozeans auf die südliche Halbkugel über; seine 
Grenze liegt hier auf 1.5 0 S. Br. Die angeführten mittleren Grenzen schwanken in den einzelnen Jahren. 
Zum Vergleich mögen die Angaben des Jahres 1903 hier Platz finden, die den jetzt zum ersten Male er 
schienenen tabellarischen Reiseberichten der Deutschen Seewarte entnommen sind 2 ). 
’) Ann. d. Hydr,, Bd. 19, 1891, S. 5. 
2 ) Tabellarischer Reisebericht nach den meteorologischen Schiffstagebüchern, Bd. 1, Berlin 1904.
	        
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