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li. Westermann: Der meteorologisclie Äquator im Stillen Ozean.
ergeben sich folgende Durchschnittswerte: Februar (5 Jahre) 27.5°, Mai (6 Jahre) 28.0°, August (6 Jahre)
27.5°, November (6 Jahre) 27.5°. Die Temperaturen sind etwas höher als in Jaluit. Es wird darauf
zurückgeführt, daß — wenigstens in den ersten Jahren — die Aufstellung der Thermometer in Nauru auf
der Veranda des Regierungsgebäudes keine ganz einwandsfreie gewesen ist gegenüber der mehr dem Zwecke
entsprechenden Aufstellung der Instrumente auf Jaluit in einer besonderen luftigen Hütte. Das hatte zur
Folge, daß das bisher angenommene Jahresmittel der Temperatur von Nauru mit etwa + 0.8 0 über das
von Jaluit hinausging. Inzwischen scheint das ungünstige Moment, Rückstrahlung des hölzernen Bodens
und der Wände, das dieselbe Wirkung haben mußte wie auf den Schiffen, ausgeschaltet oder vermindert
zu sein, denn das aus den fast vollständigen Jahrgängen 1896—1899 berechnete Mittel beträgt nur 27.6°.
Durch die lange Beobachtungsdauer am zuverlässigsten sind die Werte von den Samoa-Inseln.
Burchard 1 ) hat aus zehn Jahresreiben (1890—1899) für Apia (cp = 13° 49' S., I = 171° 45' W.)
folgende Mittelzahlen gefunden: Februar 25.8°, Mai 25.4°, August 25.4°, November 25.7 0 bei einem Jahres
mittel von 25.5°.
Von den in englischem Besitz befindlichen Inseln des äquatorialen Stillen Ozeans sind, was Meteorologie
anbetrifft, die Nachrichten ganz selten. Für das Gebiet der Gilbert-Inseln ist ein Anhaltspunkt durch
regelmäßige Schiffsbeobachtungen gegeben, die 1900—1902 von Kapitän Keßler auf dem Schoner „Neptun“
ausgeführt sind. Der Schoner hat in der Zeit auf beständigen Rundreisen alle Atolle angelaufen. Die
erhaltenen Werte sind Durchschnittszahlen für das ganze Gebiet zwischen 4° N. und 2° S. Br. und zwischen
173° und 177° O. Lg. und aus den Beobachtungen in See und unter Land,
die voneinander kaum abweichen, kombiniert. Die Zahlen: Februar 28.5°,
Mai 28.4°, August 28.9, November 28.8° sind zu hoch 2 ), weil „an Bord des
kleinen Segelschiffes ,Neptun 1 eine einwandfreie Aufstellung der Thermometer
nicht möglich gewesen ist.“ Ebensowenig wie auf jedem anderen Schiffe, kann
hinzugesetzt werden. Denn das Mögliche ist auf dem „Neptun“ versucht. Ein
■handschriftlicher Vermerk des Kapitäns im Journal besagt, daß die Thermometer
ihren Platz in einem genau nach den Instruktionen der Deutschen Seewarte
angefertigten und aufgestellten Jalousiekasten gefunden haben. Wenn also
trotzdem das Thermometer beständig einen etwas zu hohen Stand zeigt, und
das wird im höchsten Grade wahrscheinlich gemacht durch Vergleich mit den
Angaben von Nauru und Jaluit und den Wassertemperaturen, so wird durch
diesen — gerade deshalb etwas ausführlich erläuterten — Fall gezeigt, daß die
Reduktion auch der besten in tropischen Gegenden auf Schiffen gemessenen
Temperaturen Regel bleiben muß. Ob die vorher verwandten Korrektionsfaktoren
nun sicher sind, insbesondere aber, ob und wie sie sich nach den Jahreszeiten
ändern, ist eine andere Frage und kann noch nicht beantwortet werden. Die Werte für die Gilbert-Inseln
erscheinen, auch wenn sie für die Monate mit Rücksicht darauf, ob das Gebiet ganz oder zum Teil den
Kalmen angehört, reduziert werden, immer noch etwas hoch, zeigen aber deutlich, daß das sehr gleichmäßig
und hoch temperierte Gebiet im Westen des Stillen Ozeans die genannte Inselgruppe einschließt. Von
den noch weiter östlich liegenden polyncsischen Inseln wird für Baker, eine der Guanoinseln, die unter dem
Äquator liegt (0° 51' N. Br.), nach mehrjährigen Beobachtungen mitgeteilt 3 ), daß sich die Insel am Tage
stark erhitzt, so daß die Temperatur nachmittags zu 31.2 0 angenommen werden kann. Bei Sonnenaufgang
ist sie 24.4°. Die Zahlen sind wahrscheinlich mit Extremtliennometem ermittelt und stellen das mittlere
Minimum bezw. Maximum dar. Ein Schluß davon auf die mittlere Jahrestemperatur wird durch Vergleich
mit benachbarten Beobachtungsorten ermöglicht, wo z. B. Jaluit im Juni 1895 die gleichen Extreme bei
einer Mitteltemperatur von 26.7 0 aufwies.
Resultate: Von den angeführten Stationen liegen Uyelang, Jaluit und Nauru auf einem durch den
Äquatorialgürtel gehenden, wenn auch nicht ganz meridional, so doch im wesentlichen nord-sücllich verlaufenden
Schnitte. In der Darstellung ihrer Temperaturverhältnisse müßte also ein Teil des Bildes der Temperatur-
Verteilung längs eines Meridians zutage treten, das sich graphisch im Schema wie obenstehende Profilzeichnung
’) Das Klima von Apia. Arm. d. Hydr., Bd. 31, 1903, S. 193.
2 ) Prager: Zur Meteor, d. Gilbert-Insoln. Ann. d. Ilydr., Bd. 31, 1903, S. 851.
3 ) Meteorol. Zeitschrift, 1880, S. 120.
Archiv 1906. l.
Abb. 1.
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