250 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1941,
angegebene Lagerungsform des physikalischen Meeresniveaus, der Druckflächen
und der inneren Grenzfläche zwischen der oberen leichteren und der unteren
schwereren Wasserart.
Ist das Windsystem des NE- und SE-Passats asymmetrisch zum Äquator
ausgebildet und ist dementsprechend das Kalmengebiet auf die Nordhemisphäre
verschoben (wie im Atlantischen und Pazifischen Ozean), dann muß der dyna-
mische Aufbau, um stabil zu sein, anderer Art sein, H. U. Sverdrup und ihm
folgend auch der Verfasser haben in diesem Fall eine Lagerung der Wasser-
körper entsprechend der Abb. 1c für die Stabilität der äquatorialen Strömungen
als notwendig angenommen, Zwischen einem Hochstand der Grenzfläche am
Äquator und einem zweiten an der Südgrenze des westwärts gerichteten Nord-
äquatorialstromes schiebt sich ein Tiefstand der Grenzfläche ein. Der Abfall
vom Äquator zu diesem gibt das Gebiet des auf die Nordhemisphäre über-
greifenden Südäquatorialstromes, der Anstieg vom Tiefstand zum zweiten Hoch-
stand im Norden gibt das Gebiet des nach Osten gerichteten äquatorialen Gegen-
stromes. Entsprechendes gilt von der Form des physikalischen Meeresniveaus
bzw. der inneren Druckflächen, Dieser Auffassung folgend wäre der äquatoriale
Gegenstrom ein für die Stabilität des äquatorialen Stromsystems notwendiges
Glied und im wesentlichen aus der Dynamik der Meeresströmungen verständlich.
Die Beobachtungen und insbesondere die dynamische Aufarbeitung des vor-
handenen Stationsmaterials im Atlantischen Ozean haben gezeigt (siehe Abb. 2),
daß die tatsächlichen Verhältnisse der schematischen Darstellung in Abb, 1e im
weiten Maße entsprechen, Palmen und Montgomery haben nun darauf hin-
gewiesen, daß zur Erfüllung der Bedingungen des dynamischen Gleichgewichtes
bei asymmetrischer Verteilung der Äquatorialströme eine Lagerung der Wasser-
körper entsprechend der Abb. 1c nicht unbedingt erforderlich ist, sondern diesen
Bedingungen auch eine Lagerung entsprechend der Abb, 1b genügt und zur
Sicherung der Stabilität des Stromsystems hinreichend ist. Zwischen dem nord-
hemisphärischen Zweig des Südäquatorialstromes ist ein ebenes Stück der
inneren Grenzfläche zwischen beiden Wasserkörpern bzw. ein ebenes Stück des
physikalischen Meeresniveaus bzw. der Druckflächen eingeschoben, und die
beiden Äquatorialströme werden geschieden von einem mehr oder minder breiten
ruhenden Meeresstreifen (oder unter Wirkung der Seitenreibung von einem
Streifen sehr schwacher Westbewegung), ohne daß es zur Ausbildung eines
Gegenstromes zu kommen braucht. Die Ursache für die Ausbildung eines Gegen-
stromes muß anderswo gesucht werden,
Im ersten Augenblick erscheint der Einwand Palme&ns und Montgomerys
berechtigt zu sein, denn die Lagerung der beiden Wasserkörper, wie sie in
Abb, 1b gegeben ist, ist dynamisch stabil; ein Gegenstrom erscheint dabei nicht
notwendig. In Wirklichkeit liegen die Verhältnisse aber doch anders. Um dies
zu zeigen, benötigen wir die Darstellung der absoluten Topographie des physi-
kalischen Meeresniveaus, wie sie im „Meteor“-Werk Bd. VI/IL 5. Lieferung ge-
geben ist. Da wir diese Topographie im folgenden öfter benötigen, sei sie in
Abb. 2 wiedergegeben und zwar in der etwas ausgeglichenen Form, in der die
unregelmäßigen, gelegentlichen örtlichen Störungen gegenüber den Hauptzügen
der Topographie unterdrückt worden sind. Man kann dieser Karte zunächst
die bedeutsame Tatsache entnehmen, daß das Ausgangsniveau zum Anstieg des
physikalischen Meeresniveaus nach Nordwesten auf der Nordhemisphäre in dem
Querstreifen von 8° bis 18° N. Br. (etwa 45° bis 20° W) viel tiefer liegt als jenes
am Äquator zum Anstieg nach Südwesten auf der Südhemisphäre. Entsprechend
liegt nach meinen Untersuchungen über den Aufbau der Troposphäre im At-
lantischen Ozean!) in der Topographie der troposphärischen Sprungschicht der
Hochstand am Äquator tiefer als der Hochstand am Südrand des Nordäquatorial-
stromes. Der gesamte ozeanische Aufbau des Nordäquatorialstromes und des
Südäquatorialstromes in seinen Stromrichtungen und Stromstärken verlangt in
4) Siehe Wiss. Ergebnisse der „Meteor“-Expedition 1925—27: A. Defant, Die Troposphäre in
Bd. VI Schiehtung und Zirkulation des Atlantischen Ozeans, Berlin 1936. Siehe besonders die
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