W. Koppen: Versuche über den Stau und Sog etc.
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nicht näher bezeichneten Versuche sind mit langem Pendel, also geringer Geschwindigkeit gemacht, nur die
mit s bezeichneten (Fig. 4 und 17 für Finzelplatten und Fig. 36—43 und 46—47 fiir Plattenpaare) mit
schneller und die mit m bezeichneten (Fig. 3 und 16) mit mittelmäßiger Bewegung. Die Geschwindigkeiten
genau zu bestimmen fehlte es an Vorrichtungen, doch waren jene so gewählt, daß sie, unter Berücksichtigung
der andern Dichte des Mediums, den beim Drachenfluge vorkommenden entsprachen. Die größte Zahl der
Versuche galt der für den Drachenbau ganz besonders wichtigen Frage nach der gegenseitigen Beeinflussung
benachbarter Platten.
Bei jedem Versuche oder mindestens bei jeder Versuchsreihe wurde als dritte Linie auch die Höhe des
Wasserniveaus iu der Ruhe bestimmt; die Beziehung dieser Bestimmung zu dem übrigen Druckdiagramm ist
aber etwas unsicher, da sie nicht in demselben Versuch geschehen konnte. Diese Bestimmung geschah durch
nochmaliges Einhängen des Pendels in seine Lager, nach Fixierung der beiden Benetzungslinien während
einer Schwingung; bei der primitiven Bauart des Stativs war es nicht ausgeschlossen, daß die Höhe der
Pendelaxe jetzt um 1 mm anders war. Auch der Kapillaritäts-Meniskus bildet eine Fehlerquelle, da er viel
leicht hei der schnellen Bewegung nicht derselbe war, wie in der Ruhe. Die bedeutendste Quelle von Un
sicherheit bei den Versuchen lag aber darin, das die Methode nur gestattet, die höchste an jedem Punkt
der Plattenbreite vorgekommene Benetzuug festzustellen, und keine Garantie für deren absolute Gleichzeitig
keit bietet. Fis scheint in einigen Fällen, daß das Wellental auf der Rückseite während einer gewissen
Zeit bedeutend tiefer gewesen sei, aber sein vorderer Teil nachträglich durch Brandung, d. h. Überstürzen
der Wasserwand der Vorderfläche an der vorschreitenden Plattenkante, verwischt worden sei. Iu solchen
Fällen bleibt zuweilen, und zwar bei gewissen Flächenkombinationen mit auffallender Regelmäßigkeit, ein uu-
benetzter Fleck weit unterhalb der oberen Benetzungsgrenze bestehen; in den Figuren 32, 49, 50 und 77 ist
derselbe dargestellt. Um die Natur dieser Vorgänge zu erkennen, müßte man sie in umgekehrter Weise durch
feste schiefe Ebenen in einem möglichst wirbellosen Wasserstrom von passender Geschwindigkeit hervorrufen;
leider fehlt es aber hierzu in Hamburg an günstiger Gelegenheit.
Bei der geschilderten Versuchs-Anordnung beschreiben die Platten einen Kreisbogen um die Pendelaxe;
sie stehen also am Anfang und am Ende ihres Weges durchs Wasser nicht vertikal. Da dieser Umstand möglicher
weise die Resultate beeinflußt, habe ich zur Kontrolle einen Apparat konstruiert,
der in Fig. lb dargestellt ist (unter Fortlassung des obersten Teiles). Statt um
eine, schwingt dieser um zwei Axen; dabei bildet der Kasten die eine Seite eines
Parallelogramms, die bei allen Verschiebungen ihre horizontale Lage behält. Die
Platten bleiben also bei diesem Apparat während der Bewegung senkrecht. Die
Versuche mit demselben haben keinerlei durchgreifende Unterschiede im Ergebnis
gegen diejenigen mit dem einfachen Pendel gezeigt. Die vorkommenden Ab
weichungen scheinen auf nicht ausgeglichene Zufälligkeiten zurückzugehen und
deshalb vernachlässigt werden zu dürfen.
Die Kurven der F'iguren 2 bis 78 sind durchweg graphische Mittel aus
mehreren, mit einander ziemlich übereinstimmenden Versuchen. Die Zahl der Ver
suche ist bei den F’iguren 2 bis 19 angegeben, z. B. 5 V. bedeutet: Mittel aus
5 Versuchen. Stimmten die Versuche in wesentlichen Punkten nicht zusammen, so
wurde nach der Ursache der Abweichung geforscht und diese auch meist in nicht
ganz der angenommenen Norm entsprechenden Versuchsbedingungen gefunden; in
einigen F’ällen aber, wo die Versuche ohne erkennbare Ursache in zwei Gruppen zerfielen, ist der betreffende
Teil der Kurve für beide Gruppen einzeln eingetragen; so iu Fig. 32, 49, 50, 74, 75 (die strichpunktierten
Kurven gelten für die Minorität der Versuche); es liegen hier offenbar labile Grenzzustände vor.
Als maßgebende Einflüsse ergaben sich, abgesehen von dem Profil und der Winkelstellung der Platte,
deren Geschwindigkeit und deren Tauchtiefe. Eine manchmal auftretende störende Ursache, besonders bei
der in gewissen Fällen vorgenommenen Wiederholung eines Versuchs mit derselben einmal benetzten und
wieder getrockneten Platte, waren Beulen im Papiermantel; solche entstellen das Druckdiagramm leicht be
deutend ; es wurde deshalb auf möglichst glattes Anliegen des Papiers an der Blechtafel geachtet. Auch über
einen etwaigen Einfluß der Wände und des Bodens des Gefässes sind eine Anzahl Versuche angestellt, doch
ergaben sich diese Einflüsse als geringfügig.