A. Nippoldt jun.: Die tägliche Variation der magnetischen Deklination.
sich die Beobachtungen über einen längeren Zeitraum erstrecken, als den der untersuchten
Periode.*) Dieses, jedem Physiker gestellte Gesetz, daß er seine Schlüsse aus mehr als einer Beobachtung
ziehe, ist, und zwar gerade heim jährlichen Verlaufe erdmagnetischer Elemente, oft nicht eingehalten worden.
Man hat sogar die elfjährige Periode aus weniger als 11 Jahren durch die harmonische Analyse bestimmen
wollen, oder, wie oben schon erwähnt, Nachtbeobachtungen der Temperatur aus solchen am Tage.
3) Eine dritte Bedingung ist die, daß die Zeitperiode einen ursächlichen Zusammen
hang hat mit dem Elemente, oder, mit anderen Worten, die „natürliche“ Periode muß zu Grundegelegt
sein. Als natürlich kann man diejenige Periode bezeichnen, für welche die Wahrscheinlichkeit für die Existenz
einer Amplitude ein Maximum erreicht. Man legt der Analyse statt der Periode r der Reihe nach die
Perioden v -j- n T zu Grunde, wo n eine ganze Zahl, T ein Zeitintervall ist. und stellt so den Koeffizienten
T+uT
als Funktion der oberen Grenze des Eourierschen Integrales jf(t)cosnt dt dar. Aus sinus- und cosinus-
__ *
Koeffizient bestimmt sich die Amplitude Ul = Va; + 5;. Gibt es dann ein % + u T für das die Wahrschein
lichkeit für ein bestimmtes mJ zu einem Maximum wird, so ist r + n T die natürliche Periode. Mit dieser
von Schuster gegebenen, hier skizzierten Methode, kann man in Beobachtungsserien versteckte Perioden
auffinden und außerdem die Realität der Einzelwellen untersuchen.**) Es besteht die Absicht, das Verfahren
auch auf den täglichen Verlauf des Erdmagnetismus anzuwenden. Obwohl nämlich es so gut wie selbst
verständlich ist, daß die Periode der Drehung der Erde um ihre Achse eine natürliche Periode für die täg
lichen Variationen des Erdmagnetismus ist, so gewinnt man doch ein schärferes Urteil über den Wert und
die Bedeutung der Wellen höherer Ordnung.
Häufiger als hei der harmonischen Analyse werden bei klimatologisch-statistischen Untersuchungen
künstliche Perioden herangezogen, so vornehmlich bei Betrachtungen über den Einfluß des Mondes
auf das Wetter und bei einigen Forschungen über Klimaschwankungen. Schuster***) selbst gibt ein
schönes Beispiel mit Untersuchung der 27tägigen Variation des Erdmagnetismus.
4) Es ließe sich ferner noch darüber diskutieren, ob die harmonische Analyse bei Verläufen zulässig
erscheint, die aus diskontinuierlichen Beobachtungsreihen berechnet sind, indem solche Erscheinungen
(Regen, Gewitter, Sonnenflecken) in einem großen Bruchteil des Beobachtungszeitraumes garnieht existiert
haben. Wichtiger ist, daß solche diskontinuierliche Verläufe als intensive Störungen auftreten können, die
die Werte der zu untersuchenden anderen .Elemente derart beeinflussen, daß sie die physikalische Verwert
barkeit der harmonischen Konstituenten in Frage stellen. Auf diesen Umstand macht W i 1 d r) in seinem
bekannten Einspruch gegen die Anwendung der Besselsohcn Reihe auf die Untersuchung der Luft
temperatur aufmerksam. Dies Element ist in hohem Maße von diskontinuierlichen Verläufen abhängig
(Regen, Wind, Bewölkuug usw.). Man muß daher Normaltage aussuchen ohne Bewölkung oder mit bedecktem
Himmel und ohne Wärmezufuhr durch Wind, wenn man durch die harmonische Analyse das physische Ge
setz finden will.
Diese Elimination der Störungen —- oder, um diesen schon vergebenen Begriff nicht zu alteriereh —
der „Deformationen“ aus Beobachtungsreihen ist eines der wichtigsten Probleme der meteorologischen Sta
tistik. Es in seinem vollen Umfange zu behandeln, geht über den Rahmen vorliegender Arbeit hinaus, da
es ein neues selbständiges Problem ist. Soweit die Frage für die Analyse der Deklinationsbeobachtungen
zu Pawlowsk in Betracht kommt, wird sie im zweiten Teile behandelt werden. Das Referat von Burk
hardt bespricht diese Dinge ebenfalls, desgleichen in sehr anschaulicher Weise das oben erwähnte populäre
Buch von Darwin.
* £
Es möge nun auf die praktische Durchführung der Rechnung eingegangen werden.
Wir beschränken uns vorerst auf den Fall, daß Mittelwerte für n getrennte Beobachtungszeiten vor
liegen. Statt der unendlichen Eourierschen Reihe tritt dann die endliche Besselsche auf. die wir schreiben:
*) Siehe jedoch die Ausnahme am Schlüsse dieses Teiles, d. i. die Analyse registrierter Kurven.
**) A. Schuster, Cambridge. Phil. Trans. IS, 107—135, 1833 und mit etwas anderen Definitionen in Terr. Magnetism.
***) ön the Possible Effect of Solar Magnetisation. Phil. Mag. 335. 1898. 3. 13. 1S3S.
f) H. Wild: lieber die Darstellung des tägl. Ganges der Lufttemp. durch die Besselsche Reihe.
Bull. St. Petersburg, p. 483, 1834.