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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1003 No. 1 —
Ort des anderen Gestirns, deren scheinbare Distanz SM — D' gemessen worden sei. Ferner sei die schein
bare, mit Parallaxe und Refraktion behaftete Zenithdistanz des Gestirns M> ZM = z[ = 90°—h\ , diejenige
des Gestirns S, SZ = z! t — 90®—h’ % , wobei festgesetzt sei, daß stets z[ <iz' % oder h\ >h'., sein soll,
Vom Mittelpunkt der Erde aus gesehen, würde der Mond
in M a , das Gestirn in S c erscheinen und die geozentrische Distanz
beider, welche zu ermitteln ist, ist == S o M 0 -- D. Die geo
zentrischen Zenithdistanzen mögen mit ZM 0 = z x und ZS 0 = z-i
bezeichnet werden.
Da sowohl die Parallaxe, als auch die Refraktion die Gestirne
in der Vertikalen verschieben, so liegen M a und S a resp. auf
den Bogen ZM und ZS, der Winkel A ist daher den beiden
Dreiecken SZM und S a ZM a gemeinschaftlich, das Verfahren, die
wahre Distanz S 0 M 0 aus der scheinbaren Distanz SM und den
scheinbaren Zenitlidistanzen zu berechnen, ist demnach einfach
folgendes. In dem Dreieck SZM sind alle drei Seiten (z{, z.'
und D’) bekannt, man kann daher den Winkel am Zenith SZM — A berechnen. Die wahren (geozentrischen)
Zenithdistauzen ZM 0 = Z\ und ZS a = z% ergeben sich aus den scheinbaren z’, durch Anbringung
der Höhenparallaxe und der Refraktion, welche beide von den scheinbaren Zenithdistanzen abhängen. Daher
sind in dem Dreieck S 0 ZM 0 bekannt, zwei Seiten (z\ und z>) und der eingeschlossene Winkel (dl), woraus
sich die dritte Seite .V 0 .1/,. — D und die beiden anderen Winkel ZM 0 S 0 — i/ D und ZS a M Q = 8 a berechnen
lassen. Diese Winkel (oder wenigstens einer derselben) werden gebraucht bei der Berechnung von kleinen
Korrektionen, welche aus der Verkürzung des Halbmessers der Gestirne (Sonne und Mond) in Folge der
ungleichen Refraktion des Randes und des Mittelpunkts oder der Verkürzung des vertikalen Halbmessers
und aus der sphäroidischen Gestalt der Erde entspringen. Streng genommen sollten dabei zwar die Winkel
ZMS und ZSM gebraucht werden, es macht aber hei der Kleinheit der in Frage stehenden Korrektionen
nichts aus, wenn dafür M 0 und genommen werden. Da diese Winkel zunächst noch nicht bekannt sind,
sich aber bei Berechnung des Dreiecks S 0 ZM 0 mit ergeben, so ist es zweckmäßig, die Anbringung der
genannten kleinen Korrektionen bis zuletzt zu verschieben. Dieselben können alle kleinen Hülfstabellen ent
nommen werden, die sieh im nautischen Jahrbuch oder in den nautischen Tafelsammlungen vorfinden.
Da die erwähnten Hülfstabellen für die scheinbaren Höben, nicht für Zenitlidistanzen eingerichtet
sind, so werden wir im nachfolgenden überall mit den Hohen rechnen. Es sind dabei zwei Fälle zu unter
scheiden, je nachdem die Höhen beobachtet sind, oder erst berechnet werden müssen.
A. Höhen beobachtet.
endlich sei der Winkel SZM = Ä.
z
Wenn man die Höhen der Gestirne über der natürlichen Kimm beobachtet hat, so hat man an die
Ablesung des Sextanten außer dem Indexfelder nur die Kimmtiefe und den Halbmesser der Gestirne und an
die gemessene Ränder-Distanz nur den Indexfehler und die Halbmesser anzubringen. Bei sehr kleiner
Sonnen- oder Mondhöhe hat man bei der Reduktion der Höhe auf den Mittelpunkt den Halbmesser des
Gestirns, um die aus Tafel 8 des Nautischen Jahrbuches zu entnehmende „Verkleinerung des senkrechten
Halbmessers“ zu vermindern, auch an den Mondhalbmesser eine Korrektion in Folge der Parallaxe anzu
bringen, welche aus Tafel 12 des Nautischen Jahrbuchs entnommen werden kann, die aber auch durch die
3.67 r 2
Formel: Vergrößerung von r — - cosh' berechnet werden kann, wenn r den geozentrischen Mond-
o>
halbmesser in Sekunden bedeutet und <» = 206265" ist. An die Distanz zwischen Mond und Gestirn sollte
eigentlich noch eine kleine Korrektion wegen der sogen, „schrägen Refraktion“ angebracht werden, welche
daraus entspringt, daß die Mond- oder Sonnenscheibe infolge der Refraktion nicht kreisförmig, sondern
elliptisch erscheint; da man aber zu ihrer Berechnung oder Entnahme aus Tafel 9a der Nautischen Jahr
bücher den Winkel, welchen die Distanz mit dem Vertikal des betreffenden Gestirns bildet, gebraucht, dieser
Winkel aber erst bei Berechnung der wahren Distanz bekannt wird, so wird diese Verbesserung am besten
bis zuletzt verschoben.
Will man endlich auf die spliäroidische Gestalt der Erde Rücksicht nehmen, was immer geschehen
muß, wenn man ein genaues Resultat erhalten will, so braucht man dazu die Kenntnis des Azimuts des