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Volltext : 26, 1903

No.  6.

Definitive  Bahnbestimmung  des  Kometen  1887II  (Brooks).
Von  Prof.  Dr.  C.  Stechert,
Abteilungs-Vorstand  in  der  Deutschen  Seewarte.

§  1.  Einleitung.
Der  Komet  1887  II  wurde  1887  Januar  22  von  W.  11.  Brooks  auf  der  Sternwarte  zu  Phelps  N.  Y.  im
Sternbilde  des  Drachen  entdeckt  und  zuletzt  1887  April  23  in  Ipswich  (Orwell  Park)  beobachtet.  Während
dieses  Zeitraums  von  3  Monaten  trat  der  Komet  nach  einander  in  die  folgenden  Sternbilder  ein:  Drache,
Cepheus,  Camelopard,  Perseus,  Fuhrmann  und  Stier.  Die  scheinbare  Bahn  umfaßte  nahezu  11  Rektaszensionsstunden,
  während  die  Deklinationen  sich  in  den  Grenzen  +  20°  bis  +80°  bewegten.  Der  durchlaufene  heliozentrische ­
  Bogen  betrug  58°,  nämlich  34°  vor  der  Sonnennähe  und  24°  nach  derselben.
Die  ersten  sorgfältigen  Ortsbestimmungen  des  Kometen  wurden  Januar  23  in  Nashville  und  Januar  24
in  Washington,  Kremsmünster,  Cambridge  U.  S.  und  Albany  ausgeführt.  In  der  nächsten  Zeit  beteiligten
sich  dann  29  Sternwarten  an  der  Beobachtung,  wodurch  zusammen  288  Positionen  erlangt  wurden.  Wie  aus
der  folgenden  Zusammenstellung  hervorgehen  wird,  war  die  Uebereinstimmung  dieser  Beobachtungen  unter
sich  im  allgemeinen  eine  sehr  befriedigende.  Nachdem  die  Beobachter  eine  Anzahl  Irrtiimer  richtig  gestellt
hatten,  sind  nur  8  Rektaszensionen  und  4  Deklinationen  (also  etwa  2%  der  angegebenen  Koordinaten)  wegen
größerer  Abweichungen  bei  der  definitiven  Bahnbestimmung  ausgeschlossen  worden.
Der  Komet,  welcher  während  des  ganzen  Beobachtungszeitraums  nur  teleskopisch  sichtbar  war,  erschien
bei  seiner  Entdeckung  als  ein  nahezu  kreisrunder  blasser  Nebel  von  1'  bis  l‘/ 2 '  Durchmesser;  die  Helligkeit
der  Verdichtung,  welche  etwas  exzentrisch  lag,  war  die  eines  Sterns  12 1 -'  Größe.  Als  zur  Zeit  des  Perigaeums
  (Februar  10)  die  Entfernung  des  Kometen  1.29  betrug,  war  der  Durchmesser  bis  etwa  3'  angewachsen
und  die  Helligkeit  des  Keims  wurde  10.0  geschätzt.  In  der  Nähe  des  Perihels  (März  17)  war  der  Kern,
trotzdem  er  schon  wieder  auf  11.0  zurückgegangen  war,  besonders  scharf  abgegrenzt  und  hatte  sich  noch
weiter  als  anfangs  vom  Mittelpunkte  der  Nebelmasse  entfernt.  Nachdem  von  April  1  bis  9  wegen  des  Mondscheins ­
  eine  Unterbrechung  der  Beohachtungsreihe  stattgefunden  hatte,  wurde  der  Komet  April  10  als  lichtschwaches ­
  und  schwer  zu  beobachtendes  Objekt  wieder  aufgefunden;  die  letzten  Beobachtungen,  April  20  (4)
und  23  (1),  werden  als  unsicher  bezeichnet.
Erste  parabolische  Elemente  des  Kometen  wurden  ungefähr  gleichzeitig  und  unabhängig  von  einander
von  den  Herren  A.  Berberich,  L.  Boss,  R.  Spitaler  und  H.  Oppenheim  aus  Beobachtungszeiträumen
von  3  bis  B  Tagen  abgeleitet.  Da  indessen  die  Beobachtungen  sehr  bald  größere  Abweichungen  von  den  aus
jenen  Elementen  folgenden  Ephemeriden  zeigten,  so  haben  die  Herren  Spitaler  und  Oppenheim  die  Bahnbestimmung ­
  mehrfach  wiederholt  und  hierdurch  das  sichere  Auffinden  des  Kometen  bis  zu  dessen  Verschwinden ­
  ermöglicht.  Die  letzte  Beobachtung  aus  Ipswich  zeigte  gegen  die  letzte  Ephemeride  des  Herrn
Oppenheim  die  geringe  Abweichung  von  2‘  in  AR  und  Oil  in  Dekl.
In  der  folgenden  Tabelle  sind  die  soeben  erwähnten  parabolischen  Elementensysteme  zusammengestellt,
außerdem  sind  zum  Vergleich  die  vom  Verfasser  abgeleiteteten  wahrscheinlichsten  parabolischen  Elemente
beigefügt;  es  wird  später  (§  7)  mitgeteilt  werden,  welche  Unterschiede  hei  der  Darstellung  der  Beobachtungen
durch  das  letztere  Elementensystem  übrig  bleiben.

Archiv  1&03.  6-i


            
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