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Volltext : 26, 1903

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  1903  No.  4  —

Der  NW-Quadrant  erfährt  am  Nachmittag  von  April  bis  September  an  der  Ostsee  die  dem  Vormittag
entgegengesetzten  Aenderungen,  während  an  der  Nordsee  weitere  Aenderungen  in  dem  gleichen  Sinne  stattfinden, ­
  bis  auf  Wilhelmshaven  im  August  und  September  und  Borkum,  das  in  allen  Monaten  für  den
Abend  Abnahme  des  NW-Quadranten  aufweist.  Von  Oktober  bis  März  treffen  wir  meist  auf  die  erwartete
Abnahme  des  NW-Quadranten.
Der  NE-Quadrant  zeigt  am  Vormittag,  bis  auf  Hamburg  und  kleine,  besonders  im  November  und
Dezember  häufige  Abweichungen,  in  Memel  und  Keitum  Abnahme,  auf  den  übrigen  Stationen  in  allen
Monaten  Zunahme;  für  Hamburg  liegt  offenbar  kein  ausgesprochener  jährlicher  Gang  vor.  Von  Nachmittag
bis  Abend  finden  an  der  Ostsee,  bi§  auf  kleine  Abweichungen  in  Wustrow,  im  April  bis  September  durchweg ­
  die  dem  Vormittag  entgegengesetzten  Aenderungen  statt,  ebenso  in  Keitum,  sonst  aber  an  der  Nordsee
solche  entgegengesetzter  Art,  die  eine  Zunahme  der  Seewinde  andeuten.  Für  Oktober  bis  März  sind  die
Aenderungen  des  Nachmittags  bis  auf  die  westlichsten  Orte  im  allgemeinen  denen  des  Vormittags  entgegengesetzt; ­
  Februar  und  März  weisen  an  der  Ostsee  mehrfach  nicht  unerhebliche  Werte  auf.
Der  SW-Quadrant  zeigt  von  Morgen  bis  Nachmittag  im  April  bis  September,  bis  auf  Borkum  im  Sept.,
volle  Uebereinstimmung  mit  der  Theorie,  wenn  wir  für  Rügenwalder  münde  und  Wustrow  die  Annahme  machen,
daß  die  Seewinde  an  ersterem  Orte  während  dieser  Monate,  in  Wustrow  von  April  bis  Juli  aus  einer  Richtung
rechts  von  der  Normale,  innerhalb  45°  West  von  Nord  wehen.  Während  der  Monate  Oktober  bis  April
weichen  nur  Swinemünde  von  November  bis  Januar  und  Borkum  fast  durchweg  ab.  —  Die  Aenderungen
dieses  Quadranten  von  Nachmittag  bis  Abend  weisen  in  allen  Monaten  eine  Abnahme  auf,  ausgenommen
nur  Swinemünde  von  Oktober  bis  Februar,  Wilhelmshaven  von  Oktober  bis  Dezember  und  März  und  Borkum
im  Oktober  und  Dezember.  Für  April  bis  September  sind  diese  Aenderungen  denen  des  Vormittags  dem
Vorzeichen  nach  in  Memel  und  Keitum  entgegengesetzt,  dieser  Quadrant  fällt  hier  in  die  Richtung  der  Seewinde; ­
  auf  den  übrigen  Stationen  aber  erfolgen  die  Aenderungen  hier  am  Nachmittag  in  dem  gleichen  Sinne
wie  am  Vormittag.  Die  Erklärung  der  Erscheinung  wurde  bereits  oben  gegeben;  mit  dem  Nachlassen  der
Seewinde  treten  an  der  Küste  nicht  sogleich  die  Landwinde  hervor,  da  die  Seewinde  landeinwärts  absterheu
und  somit  an  der  Küste  zunächst  Windstillen  zu  erwarten  sind,  und  an  der  Nordsee  haben  wir  es  ausserdem
damit  zu  tun,  daß  die  Seewinde  hier  meist  an  Kraft  gegen  Nachmittag  kaum  verlören  haben,  charakteristisch
in  dieser  Beziehung  ist  zumal  die  starke  Abnahme  des  SW-Quadranten  in  Hamburg.  In  den  Monaten  Oktober ­
  bis  März  ergehen  sich  Abweichungen  der  Vorzeichen  der  Aenderungen  von  2 ?>  bis  8**  nur  für  Borkum
geringfügig  im  November,  Januar  und  Februar,  sowie  für  Neufahrwasser  und  Kiel  im  Oktober  bis  März  und
für  Swinemünde  im  Januar  und  März.
Die  Aenderungen  der  Windverteilung  in  Keitum  scheinen  darauf  hinzuweisen,  daß  die  Seewinde  am
Nachmittag  mehr  senkrecht  zur  Küste  wehen  und  gegen  Abend  hin  nach  rechts  drehen;  es  würden  die  von
Nachmittag  bis  Abend  auftretenden  Aenderungen  in  solcher  Weise  zu  erklären  sein.  Ebenso  würden  diese
für  Borkum  aus  einer  Drehung  der  Seewinde  aus  einer  nordwestlichen  in  eine  mehr  nordöstliche  Richtung
abzuleiten  sein.  Ohne  eine  solche  Drehung  sind  die  Verhältnisse  nicht  genügend  aufzuklären.  Auch  für
Memel  dürfte  eine  Drehung  der  Seewinde  zu  folgern  sein.  Wir  bemerken  hier,  daß  der  NE-Quadrant  von
2'P  bis  8?  so  stark  zunimmt,  daß  er  häufiger  als  um  erscheint,  während  der  SE-Quadrant  nur  wenig  zunimmt. ­
  Wäre  der  Seewind  in  Memel  um  8 a  mehr  südwestlich,  um  8 P  aber  mehr  nordwestlich,  so  wären
die  Verhältnisse  erklärt  —  es  würde  dies  auch  damit  im  Einklang  stehen,  daß  der  SW-Quadrant  bis  nur
wenig  im  Vergleich  zum  NW-Quadrant  zunimmt.  Wir  würden  in  solcher  Weise  auch  in  Memel  ein  Rechtdrehen ­
  des  Seewindes  angedeutet  finden  Können.
Für  die  Zeit  der  Seewinde  bleibt  als  einzige  zu  erklärende  Abweichung  bestehen  die  von  Morgen  bis
Nachmittag  in  Neufahrwasser  und  Kiel  beobachtete  Abnahme  des  NW-Quadranten,  die  sich  noch  in  einer
Unregelmäßigkeit  in  Swinemünde  angedeutet  findet.  Abweichungen  von  Belang  treten  sonst  nur  in  den
Monaten  Oktober  bis  März  auf  und  harren  noch  mehrfach  der  Erklärung.  Uebrigens  verschwinden  die  Abweichungen ­
  für  Wilhelmshaven,  wenn  die  Meereswinde  durchweg  unter  einem  kleineren  als  der  Normale
entsprechenden  Winkel  einfallend  angenommen  werden;  dann  erkennen  wir  auch  für  diesen  Ort,  durch  den
Wechsel  der  Vorzeichen  der  Vormittags-  und  Nachmittags-Aenderungen  den  Einfluß  von  Landwinden,  ausgenommen ­
  für  den  NE-Quadranten.  Borkum  läßt  keine  Landwinde  in  Folge  einer  Einwirkung  einer  täglichen ­
  Stärkeänderung  hervortreten.
            
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